Portrait: Günter
Bentele
"Wissenschaftlicher Triebtäter" der PR
Günter Bentele
"Alles Engagement ist mit
dem Beruf verbunden", antwortet Günter Bentele spontan auf die Frage,
worin er sein besonderes persönliches Engagement sieht. Liest man
die Vita des Lehrstuhlinhabers für Öffentlichkeitsarbeit/PR an der
Universität Leipzig, zielen alle beruflichen Stationen und Aktivitäten
auf die Universitätskarriere hin: Nach dem Studium der Germanistik,
Linguistik, Soziologie, Publizistik und Philosophie sowie dem Staatsexamen
für das höhere Lehramt an Gymnasien war er 1975 - 1990 Assistent
für Publizistikwissenschaft, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Modellversuch
Journalistenweiterbildung und Hochschulassistent im Studiengang
Publizistik der Freien Universität Berlin (FU Berlin). 1982 promoviert,
habilitierte er sich 1989 an der FU Berlin. 1989 - 1994 war Bentele
Professor für Kommunikationswissenschaft/Journalistik an der Universität
Bamberg. Seit 1994 lehrt er an dem - von Barbara Baerns mitinitiierten
- ersten Lehrstuhl für PR an einer deutschen Universität in Leipzig.
"Die Lust am Beruf" liegt für ihn einerseits in der Weitergabe von
Erkenntnissen, andererseits "im Forschen und im Entwickeln neuer
Ideen und Unternehmungen." Dabei "über den Tellerrand" zu schauen,
sich international zu engagieren und enge Beziehungen mit europäischen
und insbesondere amerikanischen Kollegen - z. B. Grunig - zu pflegen,
sich auszutauschen, bedeutet ihm besonders viel, weil man "dadurch
einen anderen, weiteren Blick" bekommt. Im kommenden Wintersemester
wird er eine Gastprofessur am Institut für Publizistik der Universität
Zürich wahrnehmen und im Sommer 2003 wieder in den Vereinigten Staaten
forschen. Dort war er bereits 1998 Visiting Research Professor an
der Ohio University in Athens/Ohio. 1999 und 2000 hatte er Gastprofessuren
an den Universitäten Lugano, Jyväskylä, Klagenfurt und Riga inne.
Vor kurzem wurde er zum President Elect der EUPRERA (European PR
Education & Research Association) gewählt, d. h. er wird ab 2003
im Vorstand vertreten sein und ab 2004 die Präsidentschaft übernehmen.
Dass Bentele nicht nur über 25 wissenschaftliche Bücher verfasst
und herausgegeben, sondern auch über 130 Aufsätze zu Fragen der
Öffentlichkeitsarbeit/PR, Kommunikationstheorie, Mediennutzungs-
und Kommunikationsraumforschung, Kommunikatorforschung und Ethik
von Kommunikationsberufen veröffentlicht hat sowie Mitglied im Herausgebergremium
von Fachzeitschriften ist (z. B. ‚PR-Forum' und der neuen Zeitschrift
‚politik & kommunikation'), gehört zu seiner wissenschaftlichen
Leistung, mit der er wesentlich zu Deutschlands internationalem
Renommé als Standort für Kommunikationswissenschaften und PR beigetragen
hat. Seit dem Sommersemester 2002 läuft in Leipzig auch der Bachelor-Studiengang
(B. A.) Public Relations/Kommunikationsmanagement. Besonders am
Herzen liegt Bentele die 2000 zusammen mit Günter F. Thiele und
Jürg W. Leipziger gegründete "Stiftung zur Förderung der PR-Wissenschaft
an der Universität Leipzig (SPRL)" im Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft e. V., die seit 2001 diverse Forschungs-, Lehr- und
Kooperationsprojekte unterstützt.
Als langjähriges DPRG-Mitglied ist er seit 1994 Juryvorsitzender
für den Albert-Oeckl-Preis, 1999/2000 der "Goldenen Brücke". Hat
dieser "wissenschaftliche Triebtäter" (Bentele über Bentele) doch
noch für etwas anderes - außer für seine Familie natürlich - Zeit?
Doch: Gelegentlich tritt er "immer noch" als Rockmusiker und Sänger
"mit einer guten Band" auf, "weil es nach wie vor Spaß macht!"
Maria Borgmann