| Was ist bloß mit dem Image der Hauptstadtregion los? Diese
Frage hat es schon deswegen in sich, weil es immer auf die Perspektive
der Betrachtenden ankommt, wenn wir Images auf die Spur kommen wollen.
Das gilt in einem besonderen Maße für die Betrachtung
von Raumbildern (Ipsen, 1997). Obwohl regionale Images im Standortwettbewerb
und im Marketing für Regionen eine Schlüsselstellung einnehmen,
wird dem regionalen Binnenmarketing auf politischer, wirtschaftlicher
und administrativer Ebene in Brandenburg und Berlin bisher kaum
Beachtung geschenkt. Initiativen wie "Perspektive Berlin/Brandenburg"
sowie andere intermediäre Einrichtungen bestätigen diese
seltsame Regel.
Ein Indiz dafür, dass es in der Region kein belastbares
Raumbild für die ansässige Bevölkerung gibt, bleibt
nach wie vor der gescheiterte Fusionsanlauf von 1996. Wir erinnern
uns: Seinerzeit hatte man u.a. versucht, die Bevölkerung
mit Loriotmännchen von der Peripherie ins Zentrum zu locken
und vice versa. Wohl auch deshalb, weil der Autor dieser Bilder,
Herr von Bülow, auf vertraute Entwicklungspfade in der märkischen
Sphäre zurückblicken mochte.
Die Umsetzung regionaler Marketing-Ideen kann aber langfristig
auch in Brandenburg und Berlin nur dann erfolgreich verlaufen,
wenn die Binnensicht (autochthoner Personengruppen) und die Außensicht
(potenzieller "Kunden") zusammenpassen. Deshalb geht
im Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS)
das Projekt "Binnenmarketing-Akteure" (Projektleitung:
Gerhard Mahnken) am Beispiel des Untersuchungsraums Brandenburg/Berlin
der Frage nach, wie intraregionale Image-Komponenten von "Primärkommunikatoren"
(Manschwetus 1995) bewertet werden.
Befragung
Der Untersuchungsraum ist also klar. Kommen wir nun zu den "Probanden"
des Projekts. Auf der Grundlage eines halbstandardisierten Fragebogens
wurden im Verlauf des Arbeitsprogramms 2001/2002 die rund zweihundert
Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Public Relations
der Landesgruppe Berlin/Brandenburg zur Binnenkommunikation befragt.
Die Rücklaufquote lag bei über 50 Prozent und bietet
somit eine valide Basis. Die Mitglieder der Landesgruppe Berlin/Brandenburg
wurden deshalb befragt, weil sie als Intermediäre das regionale
Image der Hauptstadtregion aus einer professionsbedingten, intrinsischen
Motivation heraus in ihren alltagsweltlichen Interaktionen mit
berücksichtigen müssen, damit sie in Agenturen, Unternehmen,
Verbänden, wissenschaftlichen Einrichtungen und Behörden
erfolgreich sein können. Die Arbeitshypothese des Projektes
besteht in folgender Annahme: Wenn eine Region ihre Außenwahrnehmung
verbessern will, dann müssen die handelnden
(Regionalmarketing-) Akteure auch die Binnenwahrnehmung mit berücksichtigen.
Zwischenergebnisse
In diesem Zusammenhang wurde eruiert, welche kommunikativen Aufgaben
in den nächsten drei Jahren in Brandenburg und Berlin für
die Politik als vordringlich, wichtig oder nachrangig eingeschätzt
werden. Innerhalb des Forschungsschwerpunktes A "Regionalisierungsstrategien"
wurden hierzu im IRS Indikatoren, wie sie aus der unten stehenden
Grafik hervorgehen, ausgewählt.
Als Zwischenfazit des Ergänzungsprojektes kann festgehalten
werden, wie die Befragten das intraregionale Image der Hauptstadtregion
bewerten und wie sie anstehende politische Aufgaben vor allem
in folgenden Bereichen sehen: (1) Entwicklung eines fremdenfreundlichen
Images, (2) Förderung der Außenkommunikation, (3) der
Wissenschafts- und Forschungspotenziale sowie der (4) Verkehrsanbindungen.
In einem nächsten Schritt sollen die weiteren Ergebnisse
der Befragung im Rahmen eines Aufsatzes in einer raumwissenschaftlichen
Fachzeitschrift in einen Gesamtzusammenhang gestellt werden, der
auf die Frage der Leitbildgenerierung in der Hauptstadtregion
fokussiert.
Gerhard Mahnken
Die hier aufrufbare Grafik weist überdies weitere Handlungsbedarfe
aus:
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