Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 08/Februar 2003 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
Inhalt
  Editorial
  Thema
Landesverband bereitet PR-Tag 2003 vor
  Glosse
Stets zur vollsten
  DPRG-Umfrage
Binnenmarketing
  Neu im Landesvorstand
Ulrike Propach stellt sich vor
  Portrait
Jügen Pitzer
  Neue Mitglieder
  Ortstermin
WISTA - Wissenschafts-
und Technologiestandort Berlin
  Glosse
Ansichten einer echten Berlinerin
  Jour roulant
in der Staatskanzlei Brandenburg
  Neujahrsempfang
Bildergalerie
  Kommentar
Koch’s Rezepte und Reflektionen
  Grenzerfahrungen
in der Hauptstadtregion
  Rezension
Kampagne 2!
  Neues bei den Junioren
DPRG Junioren bei Universal Music
  Rezension
Kommunikation als Gesamtkunstwerk
  Junge Kunst in Mitte
Ausstellungseröffnung
  Termine
  Impressum
Archiv
 

Streusandbüchse 01/01
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Streusandbüchse 08/03
Streusandbüchse 09/03
Streusandbüchse 10/04
Streusandbüchse 11/04

 
 
Editorial

Achim Kühne-Henrichs
  Stets zur vollsten

Achim Kühne-Henrichs über lebende Zeugnissprache

Was soll man machen in diesen harten Zeiten? Lohnkosten. Lohnnebenkosten. Lohnoverheadkosten. Da kommen kostengünstige Praktikanten, Volontäre, Berufseinsteiger und sonstige PR-Newcomer gerade richtig. Die machen einen guten Eindruck, drängen tatkräftig voran, haben auch schon hier und da Erfahrungen gesammelt. Davon kann man mehrere gebrauchen. Für jedes Projektteam einen. Oder zwei. Schließlich gibt’s ja inzwischen das ausgearbeitete Agentur-Manual. Da steht drin, wie alles geht.

Vor einigen Jahren gab es für diese erste Zeit im Job hier und da bereits echten Lohn. Zugegeben, das hat sich ein wenig abgeschliffen. Mal war wirklich kein Geld da. Dann kamen die ersten mit Arbeitsamtsfinanzierung. Andere haben gar nicht gefragt. So hat es sich eingependelt, dass es Leute gibt, tolle Leute, die es für lau machen. Weil sie rein wollen ins Geschäft. Weil sie Berufserfahrung brauchen. Weil das Zeugnis zählt.

Anfangs war es für die (jungen) Agenturchefs eine erhebende Sache: Zeugnisse ausstellen, nachdem man jahrelang um die eigenen gekämpft und gezittert hatte. Jetzt also konnte man selbst um Formulierungen ringen, jemandem durch eine hübsche sprachliche Wendung so richtig weiterhelfen. „Ein Glückspilz, der Dich kriegt“, hatte Axel Schultes, der Kanzleramtsarchitekt, einer Praktikantin ins Zeugnis geschrieben.

Mit der Zeit ist die epische Kraft der Chefs erlahmt. Können die Praktikanten Ihre Zeugnisse nicht selbst schreiben? Zumindest vorschreiben? ...hat in der Zeit von ... bis ... an den Projekten ... mitgearbeitet und dabei... Schwerpunkt auf... konnte, hatte, immer, einwandfrei.

Eines Tages liegt ein Buch in der Agentur. „Zeugnissprache – und was sie bedeutet.“ Verständlich, dass die Praktikanten in der Formulierung nicht daneben hauen wollen. Und auf einmal taucht diese schreckliche Wendung auf: Stets zur vollsten. Nicht nur gut oder sehr gut, nicht nur neugierig und tatkräftig, sondern in jedem zweiten Satz „stets zur vollsten“. Alles andere, so das schlaue Zeugnisbuch, könnte vielleicht als nicht in jeder Hinsicht stets am besten ausgelegt werden.

Aber Achtung: Zeugnissprache lebt und verändert sich. Und wo holzschnittartig immer wieder „stets zur vollsten“ auftaucht, da hat der Praktikant zwar nach den Sternen gegriffen –im Grunde zeigt er, dass er das Zeugnisbuch zu Rate gezogen hat, wodurch er wiederum signalisiert, dass er in der Agentur niemanden gefunden hat, der sich wirklich mit seiner Leistung, seinen Erfahrungen und erworbenen Kompetenzen auseinander setzt. Also Praktikanten: Ran an die Chefs – und wirklich gute Zeugnisse einfordern.

Achim Kühne-Henrichs

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