
Matthias Koch
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Koch’s Rezepte und Reflektionen:
Public Relations und ihre gesellschaftliche Verantwortung
Nicht erst seit der Hunzinger-Affäre im letzten Sommer beklagen sich die
üblichen Verdächtigen, sprich die PR-Professionals in
herausgehobenen Positionen und andere, über eine mangelnde
Anerkennung unserer Profession innerhalb der Gesellschaft. PR-Profis
haben einen – von außen her betrachtet – schillernden
Beruf, der sich eher am unteren Ende der Reputations-Skala befindet.
Der Ruf von PR-Fachleuten ist ebenso bescheiden wie etwa der von
Journalisten. Anders herum gesagt: Wir haben nicht annähernd
einen vergleichbar positiven Ruf wie etwa Ärzte, Rechtsanwälte,
Apotheker oder gar Pfarrer.
Die Ursachen für diesen Zustand sind sicherlich vielfältig:
PR als Profession ist noch relativ jung und noch nicht genügend
etabliert; PR ist von Quereinsteigern aus verschiedensten Fachrichtungen
geprägt; es gibt – zumindest in Deutschland –
noch keinen verbindlichen und allseits anerkannten (!!) Ausbildungsabschluss
für PR; die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, so
dass sich im Prinzip jeder das Schild PR-Berater/PR-Consultant
an seine Bürotür schrauben darf.
Wie kann man diesen beklagenswerten Zustand langfristig verbessern?
Was kann der Berufsverband dafür tun? Welche Konsequenzen
ergeben sich aus der Neu-Positionierung unserer Profession? Sicherlich
gibt es kein Patentrezept oder gar Allheilmittel, welches uns
PR-Profis sozusagen auf Knopfdruck in die Lage versetzen würde,
die Verhältnisse „über Nacht“ zu verändern.
Ich denke vielmehr, wir wären gut beraten, nicht auf die
nächste Affäre zu warten, sondern uns selbst und unser
Know-how dort einzubringen, wo wir der Gesellschaft wirklichen
Nutzen stiften. Dieses bürgerschaftliche Engagement könnte
ein wichtiger, ja vielleicht der entscheidende Baustein für
die Verbesserung von Glaubwürdigkeit und Reputation unserer
Branche sein.
Praktisch gewendet heißt dies: Warum hat nicht jede PR-Agentur,
die diesen Namen zu Recht trägt, mindestens einen Social
Account, also einen Kunden, dem sie keine Honorare in Rechnung
stellt? Weshalb engagiert sich unser Berufsverband beispielsweise
nicht im Bereich des privaten Stiftungswesens – etwa als
Kooperationspartner des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen?
Wieso sind wir PR-Professionals nicht häufiger bereit, im
privaten Umfeld zu helfen, gemeinnützigen Initiativen den
Weg in die Medien zu ebnen bzw. auf „One Dollar Basis“
professionelles Kommunikations-Management zu betreiben? Erst wenn
es die PR als Profession insgesamt geschafft hat, ernsthaft gesellschaftliche
Verantwortung zu tragen und dort nachhaltigen Nutzen zu stiften,
wird ihre Anerkennung und Reputation auf der anderen Seite auch
spürbar wachsen können. Erst dann wird sich die Branche
von den zum Teil selbstverschuldeten Zerrbildern leicht korrumpierbarer
„V-Männer“, „Sektglashalter“, „Abzocker“,
„Karrieristen“ oder „Dünnbrettbohrer“
wirklich befreien können.
Der DPRG-Landesverband Berlin/Brandenburg hat sich jedenfalls
entschlossen, sich auch im gesellschafts-politischen Umfeld zu
engagieren. Sobald der PR-Tag 2003 gelaufen ist, werden wir u.a.
die Initiative des Unternehmers Piepenbrock „Perspektive
BerlinBrandenburg e.V.“ unterstützen und einen eigenen
Arbeitskreis zum Thema „Kommunikation zur Länderfusion
Berlin/Brandenburg“ auf den Weg bringen. Sobald wir das
Prozedere im Vorstand diskutiert haben, wird ein entsprechender
Aufruf an unsere Mitglieder und Gäste erfolgen, diesen Arbeitskreis
tatkräftig zu unterstützen. Ein Anfang ist jedenfalls
gemacht.
Matthias Koch
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