Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 08/Februar 2003 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
Inhalt
  Editorial
  Thema
Landesverband bereitet PR-Tag 2003 vor
  Glosse
Stets zur vollsten
  DPRG-Umfrage
Binnenmarketing
  Neu im Landesvorstand
Ulrike Propach stellt sich vor
  Portrait
Jügen Pitzer
  Neue Mitglieder
  Ortstermin
WISTA - Wissenschafts-
und Technologiestandort Berlin
  Glosse
Ansichten einer echten Berlinerin
  Jour roulant
in der Staatskanzlei Brandenburg
  Neujahrsempfang
Bildergalerie
  Kommentar
Koch’s Rezepte und Reflektionen
  Grenzerfahrungen
in der Hauptstadtregion
  Rezension
Kampagne 2!
  Neues bei den Junioren
DPRG Junioren bei Universal Music
  Rezension
Kommunikation als Gesamtkunstwerk
  Junge Kunst in Mitte
Ausstellungseröffnung
  Termine
  Impressum
Archiv
 

Streusandbüchse 01/01
Streusandbüchse 02/01
Streusandbüchse 03/01
Streusandbüchse 04/02
Streusandbüchse 05/02
Streusandbüchse 06/02
Streusandbüchse 07/02
Streusandbüchse 08/03
Streusandbüchse 09/03
Streusandbüchse 10/04
Streusandbüchse 11/04

 
 
Ortstermin: WISTA - Wissenschafts- und Technologiestandort Berlin
The Spirit of Adlershof


Informatikzentrum

Photonikzentrum
 

Berlin-Adlershof, das war einmal ein Synonym für Staatsrundfunk, Propaganda aus der giftspritzenden Feder des Karl-Eduard von Schnitzler. Wenn es in der jüngsten Vergangenheit einen Paradigmenwechsel gegeben hat, dann hier, an dem auf den ersten Blick im süd-östlichen Abseits gelegenen Kiez, der so gar nichts mehr gemeinsam hat mit seinen alten Symbolen. Spätestens seit dem ”Kandidaten-Duell” zwischen Schröder und Stoiber im Sommer 2002 ist Adlershof ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit geraten und wird in Wissenschaftskreisen schon längst als Marke gehandelt. Wer in den Forschungsfeldern Optoelektronik, Hochfrequenztechnik oder Luft- und Raumfahrt beheimatet ist, kennt den traditionsreichen Standort auch in Los Angeles oder Tokio. Eine große Attraktivität stellt die Ansiedlung der Humboldt Universität dar. Die älteste Alma mater Berlins verlagert 25% ihrer Kapazitäten nach Adlershof. Gewollt ist ein reger Austausch von Gedanken und Personal. Diese Verankerung gestaltet sich zurzeit positiv und stößt auf gegenseitiges Interesse bei Industrie und Forschung.

Standortnachteile durch die Randlage muss Adlershof nicht befürchten. Im Bereich des Wissenschaft- und Technologie-Parks wird die Ansiedlung von Betrieben nicht über den in Berlin ohnehin niedrigen Immobilienpreis gefördert. Vielmehr besteht das Interesse der Investoren in der interessanten Struktur des Standortes. Klar, die Nähe zur pulsierenden Innenstadt lockt auch ausländische Interessenten. Doch wer hierher zieht, kann sich vor allen Dingen funktionierender Netzwerke bedienen. Wer beispielsweise Glasfaserkabel produzieren will, braucht die Nähe von optoelektronischen Instituten. Im Klartext heißt das: Firmen können Produkte fertigen, die in benachbarten Instituten entwickelt werden. Auch andersherum funktioniert die Sache: Viele der Adlershofer Institute entwickeln Produkte, die sie nicht selbst produzieren und vermarkten können. In direkter Nachbarschaft mit einem privaten Unternehmen gelingt diese Art Kooperation problemloser als über große Distanzen. Besonders im Bereich des wissenschaftlichen Gerätebaus kann Adlershof auf stolze Zuwachsraten verweisen. Schon zu DDR-Zeiten hatte dieser Industriezweig eine hohe Tradition und Qualität auf dem seinerzeit vielbeschworenen Weltniveau. Das ist der Grund für die Ansiedlung der zahlreichen Biotechnologiebetriebe in Adlershof.

Kultur
Nach den jüngsten Gerüchten um den Rückzug des japanischen Elektronik-Riesen Sony ist klar geworden, dass sich die Zukunft Berlins auch an der Peripherie entscheidet. Der Flughafen Schönefeld liegt künftig nur eine Autobahnausfahrt von der Rudower Chaussee entfernt. In der Gegenrichtung liegt nach Fertigstellung der Stadtautobahn der Ku’damm nur 20 Autominuten von der Wissenschaftsstadt entfernt. Diesen Nahverkehrskomfort werden die Adlershofer wohl dankend in Anspruch nehmen. Nur die wenigsten der hier Beschäftigten wohnen im direkten Umfeld. Was den täglichen Bedarf betrifft, wird in der nächsten Zeit eine Shopping-Mall für die Befriedigung der täglichen Bedürfnisse sorgen. Das Dorint-Hotel an der Rudower Chaussee beherbergt seit Jahren Gäste, die zu ihren Geschäftbesuchen aus dieser Herberge heraus kein Taxi zum besuchten Unternehmen benötigen.

Wirtschaftliche Ergebnisse
Selbst in der augenblicklich miesen Wirtschaftslage gab es in Adlershof keine massiven Einbrüche. Die Flächenvermietung gedeiht noch auf hohem Niveau. Nimmt man die Mieteinnahmen als Indikator für wirtschaftlichen Erfolg, geht es den Erben Nipkows und Wrights nicht schlecht. Neue Unternehmen kommen nicht mehr in Scharen, aber immer noch zahlreich. Wer sich hier ansiedelt, hat auch relativ krisenfest gebaut. Immerhin gab es innerhalb der rund 350 Organisationen nur sechs Firmenlöschungen. WISTA Kommunikationsleiter Dr. Peter Strunk dazu: “Unsere Unternehmen sind robust”. Das ist auch Grundlage für Strunks erfolgreiche PR-Arbeit: ”Ich habe nur Vorzeigbares anzubieten.” Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum sich die Unternehmer und Forscher in Adlershof so wohl fühlen. Der erfolgreiche Verbund lässt die Anrainer eine Art Heimatgefühl entwickeln, das die Amerikaner “Spirit” nennen. Aber Wissenschaftler sprechen über so etwas meist nicht ...

Jörg Gruhl



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