Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 09/Juli 2003 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
Inhalt
  Editorial
  Thema
Report zum PR-Tag
  Glosse
Von Programmfoldern und Einladungskarten
  DPRG-Arbeitskreis
Let´s talk about Science
  Portrait
Rosemarie Büschel
  Glosse
Kultur is alle
  Neue Mitglieder
  Termine
näher erläutert
  Umfrage: Workshops
Welche interessieren Sie?
  Kommentar
Wie gut ist PR für PR?
  Bericht
44. Deutscher PR-Tag
  Statement
Kritischer Journalismus und PR
 

Golfturnier
1. DPRG Presse Cup
Meet the press

  Kochs Rezepte
PR-Tag 2003
- eine Nachlese
  Termine
  Impressum
Archiv
 

Streusandbüchse 01/01
Streusandbüchse 02/01
Streusandbüchse 03/01
Streusandbüchse 04/02
Streusandbüchse 05/02
Streusandbüchse 06/02
Streusandbüchse 07/02
Streusandbüchse 08/03
Streusandbüchse 09/03
Streusandbüchse 10/04
Streusandbüchse 11/04

 
 
Editorial
Von Programmfoldern und Einladungskarten

Ein PR-Tag-Rückblick voller Wehmut von Birgit M. Hankiewicz



Wenn es nicht hart ist, ist es nicht das Projekt. Frei nach diesem Motto entwerfe ich Produktionspläne, Termin- und Aufgabenlisten, eine gesamte Projektmanagementübersicht, in die die einzelnen Unterprojekte des PR-Tages so richtig schön eingeflochten sind. Logisch, die Einladung muss so schnell wie möglich gedruckt und verschickt sein. Aber der Programmfolder hat ja noch soooo viel Zeit – bis zum Tag X stehen noch vier volle Wochen zur Verfügung. Das ist für den PR-Profi mindestens so eine Zeitspanne wie für den Astronauten ein Lichtjahr. So, das sieht ja dann auch alles so super toll aus auf dem Projekt-Timetable. Ich schenke meinem Bildschirm eines meiner bezauberndsten Lächeln, denn er zeigt mir den perfekten Zeitplan inklusive Puffern für diejenigen Beteiligten, die am Tag der Tage anrufen und völlig aus dem Häuschen sind, dass schon wieder der 12. ist. Bin ja nicht blöd und schau noch mal nach Feiertagen und Urlaubszeiten, Ferien sind ebenfalls inbegriffen, gehe noch mal in Gedanken den Gesundheitszustand und die Stressresistenz aller Beteiligten durch und errechne die jeweiligen Risikoquoten für Krankmeldungen. Schön, endlich wird sich mein sehnlicher Wunsch erfüllen, den ich seit Einstieg in meinen Beruf immer wieder heimlich hege: ein termingerecht abgewickeltes Eventprojekt – ohne Stress, ohne Alarmmeldung ... ohne nächtliche Internetrecherchen nach Ersatzlieferanten von VIP-Bändchen oder DJs. Soviel zur Theorie!

Träume sind Schäume
Mein schöner Traum währte nicht lang, wie Sie sich denken können. Als ich zwei Tage vor gesetztem Ablieferungstermin die redaktionellen Einzelbeiträge zum Programmfolder zähle, stelle ich fest, dass zwei Referenten überpünktlich geliefert haben, das entspricht immerhin einer Rücklaufquote von 10 Prozent (die beiden stehen ab sofort auf meiner Shortlist für den PR-Award), das ist mehr als manch eine Directmail-Aktion bringt. Noch bin ich stolz, auch auf meinen Projektplan. Ich war ja schlau – schließlich steht heute auf meiner To-Do-Liste „Referenten und Moderatoren an Liefertermin erinnern“. Voller Elan setze ich mich ans Telefon, erreiche auch tatsächlich die meisten Ansprechpartner persönlich und glaube an das Gute im Menschen. Am Tag der Deadline kommt dann leichtes Herzklopfen auf. Zwei weitere von insgesamt 20 Beiträgen fliegen per E-Mail ein und weitere E-Mails mit der Bitte um Verständnis, dass der Beitrag erst zum Ende der Woche folgt. Gut, sage ich mir, habe ja, listig wie ich bin, einen Zeitpuffer eingebaut und hoffe weiter auf Kooperation, Termintreue und auf das Verständnis für meine besondere Situation. Okay, zwischendurch gibt’s ja auch an den anderen Stellen noch einiges zu tun: Locationcheck und Aufbau-/Abbautiming, Anruf beim Caterer, damit der auch noch mal ein besseres Gefühl für die Zielgruppe bekommt, Diskussion über die Schreibweise der Namensschilder für Referenten und Moderatoren (volle Namen oder abgekürzte Vornamen oder Verzicht auf Vornamen oder doch den vollen Titel oder was...). Ich sage mir: „Birgit, alles im Lot; du kennst das Spiel doch und am Ende wird alles pünktlich und ordnungsgemäß fertig sein.“ Nun, ich freue mich und bin ganz zuversichtlich. Zwar springt ein Keynote-Speaker ab und an anderer Stelle wird der Referent ausgetauscht, aber auch das juckt noch nicht wirklich. Sagt ja auch der Rest des Teams. Ist ja auch nicht so schlimm, dass so ein Wechsel eine Lawine neuer Absprachen und Anrufe nach sich zieht. Referent X aus dem Hotel ausbuchen, Referent Y anrufen und nach den Reisezeiten fragen, ins Hotel einbuchen, blöden Kommentar der Reservierungsschnecke ignorieren („Na watt denn nun: rinn in de Kartoffeln oder raus aus de Kartoffeln?“) und an den Dienstleistungsgedanken appellieren, parallel Druck der Namensschilder stoppen und neuen Namen weitergeben und so weiter und so fort. Nun, mein ausgeklügeltes Achtung-da-läuft-was-ganz-eng-auf-Endtermin-für-Manuskript-Abgabetermin-zu-Alarmsystem erinnert mich, dass nun langsam mal Schicht ist und die Grafikerin wahrscheinlich mit sofortiger Arbeitsniederlegung droht, wenn jetzt nicht bald mal was rüberkommt. Ich bleibe cool, bin ganz geschmeidig und erinnere brav weiter an den Redaktionsschlusstermin. Habe auch schon eine ganz kreative Übersicht geschickt versteckter Drohungen erstellt, die ich in Form von Argumenten für die Lieferung der Manuskripte zum Besten gebe und stelle fest: es wirkt! Umso näher der Drucktermin rückt, desto häufiger bimmelt bei Start meines PCs das Alarmsystem. Um Schäden an Monitor und Tastatur zu vermeiden, schalte ich die Alarmglocke aus. Schließlich habe ich ja meinen Projektplan sichtbar auf dem Tisch liegen – kann ja nix vergessen werden. Dieser Errungenschaft der Informationstechnologie entledigt, mache ich munter weiter.

Nur noch 48 Stunden
Zwischen Bügelwäsche und Familienfeier kommt dann an einem Samstag Mittag das erste Layout. Ich nehme mir Zeit zum Lesen, Prüfen, Redigieren und stelle kaum Fehler fest. Unwohlsein beschleicht mich, ich lese noch mal. Nach dem dritten Durchgang und kurz vor Partybeginn faxe ich alle 12 Seiten besten Gewissens an die Grafikerin. Dafür träume ich nachts von einem bösen Fehler, den ich selbstverständlich erst später, im gedruckten Werk entdecke. Okay, beim Aufwachen beruhige ich mich - habe ja noch Gelegenheit, die Druckfahne zu checken. Mir fällt nichts auf, das Go zum Druckstart erfolgt zwar zeitverzögert, aber immerhin nur um 48 Stunden. Als die Papierbogen munter die Offsettrommeln passieren erreicht mich eine E-Mail: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass der Ersatz für Referent X, Herr Y, nun leider auch nicht kann. Dafür kommt aber Herr Z und der macht das genau so wunderbar.“ Tja, das ist nun drucktechnisch nicht mehr zu stoppen und einfach hohe Gewalt. Ich schicke sofort die entsprechenden Briefings und den Fragebogen (wann wollen Sie anreisen, wann reisen Sie ab, welche Technik brauchen Sie...) per E-Mail und werde prompt der Überbürokratisierung beschuldigt, lasse Hasstiraden meiner Kollegin über mich ergehen, die das komplette Hotelbooking macht und irgendwie auch keine Motivation hat, mit der Reservierungsdame über Verwirrungen bei der Buchung („Haben Sie Ihre Kunden nicht im Griff?“), Flexibilität („ich weiß nicht, ob ich da jetzt noch was für Sie machen kann.“) und Demutshaltungen („Das kann für Sie teuer werden, muss erst noch mal mit dem Manager sprechen.“) zu diskutieren. Nun, am Ende wird alles gut. Zumindest therapiere ich mich zwischenzeitlich selbst mit diesen tröstenden Worten und zähle die Stunden bis zum Aufbau, begleitet von Stoßgebeten, dass nichts mehr dazwischen kommt.

Der Eventschreck schlägt zurück
Ein Blick auf meinen Projektplan erschließt mir, dass alles Okay ist. Was? Okay? Alles im Termin? Nein, das kann nicht sein, das ist zu perfekt! Adrenalinbefüllt rufe ich in Bonn an, frage ab, ob dies und jenes bedacht ist, alles eingepackt wurde und auch die Fahne aus dem Keller geholt wurde. Ach, Du Schreck! Wie groß ist die noch? Passt die überhaupt an den Eingang? Aha, da war es doch wieder, das miese Eventschreckgespenst, das ich noch Minuten zuvor vermisst hatte. Gut, auch diese Stromschnelle ist umfahren – alles wieder im Lot. Nun sind es noch 72 Stunden bis zum Tag der Tage. Helferinnen und Helfer werden gebrieft, viele Fragen nach dem „Warum“ abgewehrt und geklärt, die letzten Worstcase-Szenarien sind durchgespielt und ein professionelles Backup für den Fall der Fälle ist aufgestellt. Alles tutti-frutti. Dann kann es ja losgehen.

Alles wird gut – und PR darf wieder Spaß machen
Und es geht los: der Aufbau ist zwar etwas ins Hintertreffen geraten, weil einige Lieferanten trotz ausgeklügelter Anfahrtskizze die Zufahrt nicht finden und zu spät kommen, aber trotzdem wird alles gut. Das gesamte Team steht am Tag der Tage pünktlich und gebrieft auf der Matte. Es bestätigt sich, dass es gut ist, noch ein paar Euro in einen PC-Administrator zu investieren, der bei Hard- und Softwareproblemen hilft und es beweist sich darüber hinaus, dass sich eine gute Projektplanung nur dann bewährt, wenn die Menschen dahinter flexibel und bedacht mit ihr umgehen und Freiräume für die Unwegsamkeiten zulassen. Nur dann kann der Spirit einer guten Veranstaltung auf die Beteiligten überspringen und sich dort in Form eines breiten Lächelns zeigen. Das hat es bei uns getan, den Menschen im Hintergrund, die sich als wirklich starkes Team behauptet haben.

Eines aber muss ich zuletzt noch zugeben: diesen Text habe ich erstens auf den letzten Drücker geschrieben und zweitens 9 Stunden nach Redaktionsschluss bei Gerhard Mahnken abgegeben und drittens ist er 8.807 Zeichen inkl. Leerzeichen lang– ätsch, irgendwem musste ich ja auch mal eins auswischen dürfen.


drucken
<<zurück