Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 09/Juli 2003 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
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Report zum PR-Tag
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Von Programmfoldern und Einladungskarten
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Let´s talk about Science
  Portrait
Rosemarie Büschel
  Glosse
Kultur is alle
  Neue Mitglieder
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näher erläutert
  Umfrage: Workshops
Welche interessieren Sie?
  Kommentar
Wie gut ist PR für PR?
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44. Deutscher PR-Tag
  Statement
Kritischer Journalismus und PR
 

Golfturnier
1. DPRG Presse Cup
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PR-Tag 2003
- eine Nachlese
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Statement: Kritischer Journalismus und PR
Von Matthias Koch und Gerhard Mahnken

Auch in den westlich geprägten Ländern ist der unabhängige, kritische Journalismus keine Selbstverständlichkeit sondern, zumal in Deutschland, eine noch relativ junge und immer wieder bedrohte Pflanze. Was würde passieren, wenn dieser inhaltliche Kern des journalistischen Geschäftes nicht mehr existierte?

Public Relations in einem modernen Verständnis wären nicht mehr möglich, weil hierzu zwingend die Abnehmerseite, also der (kritische) Journalismus benötigt wird. PR wird überflüssig, wenn sie zum „Anzeigengeschäft“ oder „Propaganda-Instrument“ mutiert. Ohne einen unabhängigen, kritischen Journalismus fehlte der Öffentlichkeitsarbeit buchstäblich die Basis, auf der sie steht und agiert. Niemand käme auf die Idee, Dialoge zu führen, wenn das herrschende Kommunikations-System nach dem einfachen Sender-Empfänger-Modell funktioniert.

Kritische Journalisten sind die Mediatoren unserer Zivilgesellschaft. Im Dickicht politischer Wechsel und in der Kurzlebigkeit gesellschaftlich relevanter Themen tragen sie eine Verantwortung, die weit über das alte Rollenverständnis der Vermittler oder Übersetzer hinaus reicht. Dies gilt in einem besonderen Maße für den politischen Journalismus. Politiker sind heute nicht mehr in der Lage, allein auf weiter Flur gesamtgesellschaftliche Strukturelemente zu verknüpfen. Sie sind quasi Gefangene auf Zeit in abgesteckten Ressort-Kontexten. Kritische Politik-Journalisten haben deshalb auf einer Meta-Ebene die Aufgabe, politikberatend zu wirken. Somit kommt ihnen im Bereich der Public Affairs und in der politischen Kommunikation mehr als bisher die Rolle der Verbündeten zu.
Grundsätzlich spielen beide Berufsstände eine ähnliche zivilgesellschaftliche Rolle: hier die PR-Leute in ihrer jeweiligen Teilöffentlichkeit für ihre Auftraggeber, dort die Journalisten in einem meist erweiterten Recherche-Kontext. Gemeinsam könnten sie in der Öffentlichkeit noch mehr dafür sorgen, dass Transparenz im Meinungsmarkt erhalten bleibt, auch und gerade an den Stellen, wo starke Interessen Stillschweigen lieber hätten.

Über den tagesaktuellen Bezug hinaus können PR-Profis konkret etwas dafür tun, ein Modell des kritischen Journalismus, von dem sie letztlich leben und profitieren, zu erhalten und auszubauen: Erstens sollten sie ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es wichtige Beziehungen zwischen PR-Fachleuten und Journalisten gibt, die deutlich über das zynische Diktum von Klaus Kocks („Verhältnis von Dealern und Junkies“) hinausgeht. Es geht in Zukunft darum, eine Verantwortungsgemeinschaft zwischen den beteiligten Berufsgruppen zu entwickeln, die darauf abzielt, trotz der getrennten Rollen, die von Journalismus und PR bisher vernachlässigten gemeinsamen Interessen gegenüber Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zu vertreten.

Zweitens sollten PR-Profis mit den Kollegen auf der anderen Seite des Schreibtisches eine übergeordnete Identität als „Medienschaffende“ entwickeln, die es zulässt, gemeinsame Interessen wahr zu nehmen. Drittens sollten sie mit ihren Journalisten-Kollegen die Zusammenhänge analysieren, die eine innere und äußere Pressefreiheit gefährden. Und viertens sollten PR-Professionals die Pressefreiheit als Grund-Determinante für einen unabhängigen, kritischen Journalismus ebenso wie für eine redliche PR – auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse – zusammen mit den Journalisten verteidigen lernen.

Matthias Koch
Gerhard Mahnken



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