Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 10/November 2003 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
Inhalt
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Report zum PR-Tag
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Von Programmfoldern und Einladungskarten
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Let´s talk about Science
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Rosemarie Büschel
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44. Deutscher PR-Tag
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Kritischer Journalismus und PR
 

Golfturnier
1. DPRG Presse Cup
Meet the press

  Kochs Rezepte
PR-Tag 2003
- eine Nachlese
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Streusandbüchse 11/04

 
 

Blick vom Elfenbeinturm auf gelehrte Gladiatoren:
Zum Konzept Public Understanding of Science and Humanities (PUSH)

Kommunikationsarbeit für wissensbasierte Institutionen wird immer wichtiger. Für den „Referenzraum“ der DPRG-Landesgruppe Berlin/Brandenburg gilt das ganz besonders. Ein Merkmal kann die Hauptstadtregion im europäischen Wettbewerb schon heute aufzeigen: Nämlich die hohe Dichte universitärer und außerunivesitärer Einrichtungen. Angesichts chronisch knapper Kassen ist es nicht so ganz leicht, diese Unique Selling Proposition weiter auszubauen. Welche konzeptionellen Orientierungspunkte gibt es in dieser Situation des flächendeckenden Kampfes um die Ressource Aufmerksamkeit?

Vom Vermitteln zum Verständigen
Die Hauptfrage ist: Geht es nur um die Steigerung der Akzeptanz in der Öffentlichkeit oder um die kritische Begleitung wichtiger gesellschaftlicher Fragen durch Gelehrte und deren professionales Umfeld, wie wir sie gerade etwa zum Themenkomplex Genforschung haben? Die PUSH- Bewegung (Public Understanding of Science and Humanities) ist hier wegweisend, denn sie zeigt einen integrierten Ansatz, indem sie auf „öffentliches Verständnis“ und nicht allein auf einen Vermittlungsanspruch abzielt. Zwischen Vermitteln und Verständnis schaffen liegen Welten: Hier geht es nicht um Image-Optimierung mittels klassischer Instrumente, sondern um einen reflexiven Transfer wissenschaftlichen Wissens im Sinne einer dialogischen Beziehung zwischen dem System Wissenschaft und öffentlichen Teilsystemen. Es geht eben um Verständigung. Peter Weingart sieht in der Forderung eines öffentlichen Verständnisses für die Wissenschaft zwei übergreifende Zielsetzungen: den Erhalt der Innovationsfähigkeit der Gesellschaft und die öffentliche Zustimmung zur staatlichen Förderung der Wissenschaft. Diese doppelte Zielsetzung stehe auch hinter der Public-Understanding of Science-Bewegung, die an mehrere Vorläufer anschließe: „In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun-derts, getragen von einer Welle der Fortschrittsbegeisterung und des in den gebildeten Schichten verbreiteten Szientismus, hatten populari-sierende Zeitschriften und Bücher Hochkonjunktur ... Die zweite Bewegung dieser Art entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem in den USA. Als 1957 mit dem sowjetischen Sputnik der erste Satellit in eine Erdumlaufbahn gebracht worden war, löste dieses Ereignis einen Schock über den vermeintlichen Rückstand der amerikanischen gegenüber der sowjetischen Wissenschaft aus ... Den Medien kam wiederum die Rolle der Übersetzer und Propagandisten zu ... 1

Gerade diesen Part will PUSH nun nicht besetzen, das asymmetrische Verhältnis zwischen den wissenschaftlichen Expertensystemen und den „Laien“ soll keineswegs negiert werden. PUSH erkennt unterschiedliche Deutungsmuster an, sie sind sogar wesentlich für die Umsetzung dieses Konzepts: Ungleiche Wissensstrukturen ermöglichen auch einen dynamischen Transferprozess. Wichtige Partner für die „Wissenschaft im Dialog“ sind von daher die allgemeine Öffentlichkeit ebenso wie die nationale und internationale transdisziplinäre Scientific Community aber auch Verantwortliche im politischen Bereich, Vertreter der Wirtschaft, Gewerkschaften, kultureller Institutionen, Religionen und anderer gesellschaftlicher Gruppen, Kinder und Jugendliche, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Medienleute.2 Der innovative Beitrag der aus Großbritannien kommenden PUSH- Bewegung liegt maßgeblich in ihrer Motivationskraft, mit der sie Experten und Nicht-Experten zusammenführt.

Wäre doch gelacht, wenn das demnächst nicht auch in der Hauptstadtregion einmal stärker und mit vereinten wissenschaftspolitischen Kräften in diese Richtung gehen könnte. Der Markt ist da.


Gerhard Mahnken

1 Weingart, Peter: Aufklärung von oben oder die Pflege des Dialogs – die plötzliche Entdeckung von public understanding of science in Deutschland. In: Gegenworte. Zeitschrift für den Disput über Wissen. 3. Heft. Hg.: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Berlin.1999, S. 64.

2 Vgl. „Wirtschaft und Wissenschaft“. Hg.: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Essen. Heft 3/1999 und 1/ 2000.

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