Kommunikationsarbeit für wissensbasierte Institutionen
wird immer wichtiger. Für den „Referenzraum“
der DPRG-Landesgruppe Berlin/Brandenburg gilt das ganz besonders.
Ein Merkmal kann die Hauptstadtregion im europäischen Wettbewerb
schon heute aufzeigen: Nämlich die hohe Dichte universitärer
und außerunivesitärer Einrichtungen. Angesichts chronisch
knapper Kassen ist es nicht so ganz leicht, diese Unique Selling
Proposition weiter auszubauen. Welche konzeptionellen Orientierungspunkte
gibt es in dieser Situation des flächendeckenden Kampfes
um die Ressource Aufmerksamkeit?
Vom Vermitteln zum Verständigen
Die Hauptfrage ist: Geht es nur um die Steigerung der Akzeptanz
in der Öffentlichkeit oder um die kritische Begleitung wichtiger
gesellschaftlicher Fragen durch Gelehrte und deren professionales
Umfeld, wie wir sie gerade etwa zum Themenkomplex Genforschung
haben? Die PUSH- Bewegung (Public Understanding of Science and
Humanities) ist hier wegweisend, denn sie zeigt einen integrierten
Ansatz, indem sie auf „öffentliches Verständnis“
und nicht allein auf einen Vermittlungsanspruch abzielt. Zwischen
Vermitteln und Verständnis schaffen liegen Welten: Hier geht
es nicht um Image-Optimierung mittels klassischer Instrumente,
sondern um einen reflexiven Transfer wissenschaftlichen Wissens
im Sinne einer dialogischen Beziehung zwischen dem System Wissenschaft
und öffentlichen Teilsystemen. Es geht eben um Verständigung.
Peter Weingart sieht in der Forderung eines öffentlichen
Verständnisses für die Wissenschaft zwei übergreifende
Zielsetzungen: den Erhalt der Innovationsfähigkeit der Gesellschaft
und die öffentliche Zustimmung zur staatlichen Förderung
der Wissenschaft. Diese doppelte Zielsetzung stehe auch hinter
der Public-Understanding of Science-Bewegung, die an mehrere Vorläufer
anschließe: „In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun-derts,
getragen von einer Welle der Fortschrittsbegeisterung und des
in den gebildeten Schichten verbreiteten Szientismus, hatten populari-sierende
Zeitschriften und Bücher Hochkonjunktur ... Die zweite Bewegung
dieser Art entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem in den
USA. Als 1957 mit dem sowjetischen Sputnik der erste Satellit
in eine Erdumlaufbahn gebracht worden war, löste dieses Ereignis
einen Schock über den vermeintlichen Rückstand der amerikanischen
gegenüber der sowjetischen Wissenschaft aus ... Den Medien
kam wiederum die Rolle der Übersetzer und Propagandisten
zu ... 1
Gerade diesen Part will PUSH nun nicht besetzen, das asymmetrische
Verhältnis zwischen den wissenschaftlichen Expertensystemen
und den „Laien“ soll keineswegs negiert werden. PUSH
erkennt unterschiedliche Deutungsmuster an, sie sind sogar wesentlich
für die Umsetzung dieses Konzepts: Ungleiche Wissensstrukturen
ermöglichen auch einen dynamischen Transferprozess. Wichtige
Partner für die „Wissenschaft im Dialog“ sind
von daher die allgemeine Öffentlichkeit ebenso wie die nationale
und internationale transdisziplinäre Scientific Community
aber auch Verantwortliche im politischen Bereich, Vertreter der
Wirtschaft, Gewerkschaften, kultureller Institutionen, Religionen
und anderer gesellschaftlicher Gruppen, Kinder und Jugendliche,
Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie
Medienleute.2 Der innovative Beitrag der aus Großbritannien
kommenden PUSH- Bewegung liegt maßgeblich in ihrer Motivationskraft,
mit der sie Experten und Nicht-Experten zusammenführt.
Wäre doch gelacht, wenn das demnächst nicht auch in
der Hauptstadtregion einmal stärker und mit vereinten wissenschaftspolitischen
Kräften in diese Richtung gehen könnte. Der Markt ist
da.
Gerhard Mahnken
1 Weingart, Peter: Aufklärung von oben oder die Pflege
des Dialogs – die plötzliche Entdeckung von public
understanding of science in Deutschland. In: Gegenworte. Zeitschrift
für den Disput über Wissen. 3. Heft. Hg.: Berlin-Brandenburgische
Akademie der Wissenschaften. Berlin.1999, S. 64.
2 Vgl. „Wirtschaft und Wissenschaft“. Hg.: Stifterverband
für die Deutsche Wissenschaft. Essen. Heft 3/1999 und 1/
2000.
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