Herbst also wieder. Wer jetzt kein Haus hat,
baut sich keines mehr. Bringt doch alles nix. Schuld ist nicht
bloß der drohende Wegfall der Eigenheimzulage. Nein. Auch
die Debatte des Sommerlochs 2003 hat ja gezeigt, dass viele junge
Frauen die Mark Brandenburg verlassen. Da muss ich mir nich' auch
noch n' Haus an die Backe holen. Wir wissen doch genau: Zurück
bleiben letztendlich die "Deppen". Die "Verblödeten".
Sagt Professor Matthiesen vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung
und Strukturplanung in Erkner bei Berlin.
Auch Herr Mara vom Berliner Tagesspiegel notierte das diesen Sommer
gerne, weil er in der Mark nach all den Jahren immer noch Überraschungen
ausmacht und bald jeden Tag als mehr oder weniger auktorialer
Erzähler kompetent über ihr Wohlergehen zu berichten
weiß. Was Herr Mara schreibt, macht Politik. Der macht die
Gefühle. Da kannst Du Dich aber drauf verlassen. An dieser
Stelle ein herzliches Dankeschön aus der metropolitanen Streusandbuechse.de.
Time is money, Mehrfachverkäufe in den armen Redaktionen
dito. Macht ja nix. So funktioniert das nun mal heute in der märkischen
Medienmechanik. Keine Vorwürfe, keine Vorurteile, keine Ressentiments,
keine Rechtfertigungen. Einfach nur mal als Feststellung. Flugs
endet der Hochsommer mit Empörung.
Natürlich ist der Ministerpräsident nicht amüsiert.
Der märkische Tourismusboss steht mit Rücken und Spreewaldgurke
an der Wand, weil Ostköche angeblich nichts können.
Dabei hat Matthiesen doch nur sagen wollen, dass es ihm, dem umsichtigen
Regionalforscher, um die Vermeidung eines negativen Außenbildes
geht. Was soll's. Neulich hat Herr Mara vom Berliner Tagesspiegel
mit zwei Kollegen dann noch den Innenminister des Landes Brandenburg
im Interview gefragt, wie er denn die Äußerungen des
Professors fand. Der Innenminister zeigte sich irritiert. Insgesamt
wirkt das alles wie ein dialektischer Dreiklang ohne Netz und
doppelten Boden in einer verschworenen Gemeinschaft. Da guckst
Du nicht rein. Der Skandal beginnt also immer noch dort, wo ihm
die Presse in Mark und selbstgekürter Metropole ein Ende
bereitet. Und der nächste Sommer kommt bestimmt.
Gerhard Mahnken
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