Drei große Universitäten, vier künstlerische
Hochschulen und sieben Fachhochschulen, dazu einige private Einrichtungen
– Berlin ist ein gutes Pflaster auch für die Hochschul-PR.
Davon überzeugte sich der Arbeitskreis Wissenschaftskommunikation
bei seinem Science-Stop in der Humboldt-Universität (HU)
am 21. August 2003. Eingeladen hatten die Pressesprecherin der
HU, Susann Morgner, und ihre Kollegin von der Fachhochschule für
Technik und Wirtschaft (FHTW), Gisela Hüttinger. Sie präsentierten
detailliert und durchaus problembewusst Ziele, Instrumente und
Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit ihrer Einrichtungen
und gingen in einer sehr angeregten und offenen Diskussion keiner
Frage aus dem Wege.
Hochschul-PR in Berlin ist, wie kaum anders zu erwarten, heute
vor allem politische PR – im (haushalts)politischen „Kampf
um das liebe Geld“. Die Hochschulpolitik steht deshalb im
Vordergrund der Ziele und Inhalte der aktuellen Öffentlichkeitsarbeit:
Reaktionen auf aktuelle Senatsentsche-idungen – Mittelkürzungen,
Standortverlagerungen bzw. deren Stornierung, Vertragsvorlagen
usw. usf. – sind der Öffentlichkeit möglichst
schnell und nachvollziehbar zu vermitteln. Den Wert der Hochschule,
ihre Bedeutung am Standort Berlin bewusst zu machen, wird als
vorrangige Aufgabe definiert. Die HU will sich dabei als exzellente
Universität von Weltrang profilieren. Die FHTW mit ihrem
vielfältigen Angebot möchte als einzigartig unter Berlins
Fachhochschulen erkannt werden.
Nicht nur im politischen Bereich ist Krisen-PR angesagt, auch
auf anderen Schauplätzen in den Hochschulen müssen nicht
selten PR-Maßnahmen zur Krisenbewältigung eingesetzt
werden.
Die Wissenschafts-PR, d.h. der Transport neuester Forschungsergeb-nisse
in die Öffentlichkeit, rückt neben den tagespolitischen
Anforderungen oft in den Hintergrund. Aber sie bleibt eine genuine
Aufgabe der entsprechenden Referate und Abteilungen. In erster
Linie stellen die Hochschulen ihr Expertenwissen zur Verfügung.
Die HU ist mit ihrer Expertendatenbank z. B. in den informationsdienst
wissenschaft (idw) integriert. Außerdem haben die Hochschul-Pressestellen
natürlich die Aufgabe, neueste Ergebnisse aus der Forschung
über die Multiplikatoren in den Redaktionen von Print, Hörfunk
und TV einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Möglichst
zeitnah und möglichst verständlich. Das ist nicht immer
einfach, denn viele Wissenschaftler akzeptieren ihre Pflicht zur
Information gegenüber der Öffentlichkeit – deren
Erfüllung mit zusätzlicher Arbeit verbunden ist –
nur ungern. Oder sie sind nur unvollkommen in der Lage, komplizierte
Sachverhalte einfach darzustellen. Hier fungieren die Mitarbeiter
der Pressestellen als Agitatoren, Berater und Übersetzer.
Wichtig für das Funktionieren des Unternehmens Hochschule
ist die interne Kommunikation. Diese ist an der HU in den letzten
Jahren durch den Umzug der Naturwissenschaftler nach Adlershof
ein heißes Thema geworden. An der FHTW ist sie es längst,
denn diese Fachhochschule ist traditionell auf fünf Standorte
verteilt. Besonders in der internen Kommunikation, aber nicht
nur dort, spielen die vielfältigen Publikationen eine Rolle,
deren Redaktion und Erstellung in den Händen der Öffentlichkeitsarbeiter
liegt: Hochschulzeitungen, Imagebroschüren, Newsletter und
nicht zuletzt die Homepage.
Veranstaltungsmanagement und VIP-Betreuung ergänzen das Spektrum
der Aufgaben, die Hochschul-PR-Leute schultern. Die personelle,
ganz zu schweigen von der finanziellen, Ausstattung der Pressestellen
wird deren Vielfalt und Umfang kaum gerecht. Gisela Hüttinger
kann sich als Einzelkämpferin an der FHTW auf studentische
Hilfskräfte stützen, verfügt jedoch nicht über
feste, entsprechend qualifizierte Mitarbeiter. Das Referat Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit an der HU ist zahlenmäßig
zwar besser besetzt, kann aber mit dem vorhandenen Personal dem
Umfang der anfallenden Arbeit häufig ebenfalls nicht auf
dem erforderlichen Niveau entsprechen. Freie Stellen für
gut ausgebildete PR-Fachleute – davon kann die Hochschul-PR
in Berlin nur träumen. Bleibt, im gegebenen Rahmen das Beste
zu leisten. Dafür ist den (zumeist) PR-Damen im Hochschulbereich
größter Respekt zu zollen.
Christine Titel
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