Von Konzeptionsriesen, Umsetzungszwergen und ihren Verwandten
Ich weiß nicht mehr genau, wer mich auf diesen
Spruch gebracht hat. Ich glaube, es war ein Kunde aus dem Kreditgewerbe,
der mit der Binsenweisheit „Lasst uns nicht als Konzeptionsriesen
starten, um als Umsetzungszwerge anzukommen“ vor einer allzu
einseitigen Fokussierung auf das strategisch-konzeptionelle Geschäft
im Verhältnis zur Umsetzungspraxis warnte. Dies mag für
bestimmte Branchen und Situationen ja tatsächlich so sein,
der Alltagserfahrung eines PR-Professionals entspricht dies m.E.
jedoch nicht.
Mir jedenfalls fallen quer durch die Reihen unserer Kommunika-tions-Zunft
eher konzeptionelle Schwächen auf, die ihre Korrespondenz im
re-aktiven und unreflektierten Verhalten mancher Öffentlichkeitsarbeiter
finden. So betrachtet sollte man also eher vor den Konzeptionszwergen
warnen, die ihr Heil fast ausschließlich im Umsetzen oder
- wie es in Denglish heißt - „im doing“ suchen.
Zwar haben wir alle bei Dörrbecker, Schulze-Fürstenow
oder anderswo gelernt, dass wir alles daran setzen sollten, die
Dinge pro-aktiv anzugehen und zu steuern. In der schnöden Wirklichkeit
des Alltags jedoch wird diese Haltung auf dem Altar der Aktualität
und Tageshektik allzu häufig geopfert. Es ist nicht wirklich
neu, jedoch immer wieder ärgerlich, dass die Sachzwänge
es angeblich gar nicht erst zulassen, sich selbst häufiger
in den Modus der Nachdenklichkeit und der Reflexion zu begeben,
um die (strategisch) richtige Vorgehensweise oder das passende Timing
herauszufinden. Dass dadurch jedoch auf Dauer die Qualität
des „outputs“ Schaden nimmt, wenn das kopflose Agieren
und das Herumwursteln aus dem Bauch heraus überhand nimmt,
darf als gesicherte Tatsache betrachtet werden.
Was tut nun der PR-Profi, der sich letztmals vor Jahr und Tag selbst
den Tort eines umfänglicheren Konzeptionsprozesses angetan
hat, um hier nicht im Dickicht des Geschäftsalltags stecken
zu bleiben? Wie kann der anspruchsvolle Öffentlichkeitsarbeiter
wieder zu einer ausgewogenen Balance zwischen Konzeption und Realisation,
zwischen Strategie und Alltagspraxis finden? - Wir haben natürlich
auch kein Allheilmittel gegen die oben beschriebene Krankheit. Gleichwohl
werden wir im nächsten Frühjahr ein „Konzeptions-
und Strategie-Training für Fortgeschrittene“ anbieten,
dass Sie durchaus als Anschlag auf ihre grauen Zellen betrachten
dürfen. Wir konnten die beiden namhaften Konzeptions-Trainerinnen
und Fachbuch-Autorinnen Renée Hansen (ehem. Fissenwert) sowie
Stephanie Schmidt dafür gewinnen, Ende Februar 2004 ein Tages-Seminar
in Berlin zu diesem Thema abzuhalten. Ich bin sicher, es wird einen
Riesenspaß machen, sich mit motivierten Kollegen einen Seminartag
lang wieder einmal in die „Märchenwelt“ der Kommunikations-Konzeption
zu begeben. Am Ende könnte der Ertrag darin liegen, wieder
ein Gefühl dafür zu bekommen, in welchem Verwandtschaftsverhältnis
man selbst zu den oben beschriebenen Fabelwesen steht.