Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 10/November 2003 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
Inhalt
  Editorial
  Thema: Konzeption
Systematisches Kommuni-
kationsmagement
  Thema: Konzeption
Wer nicht denken will,
fliegt raus
  Blick vom Elfenbeinturm
Zum Konzept PUSH
  Science Stop
Besuch bei der FTD
  Portrait
AUSSCHNITT- Medienbeobachtung
  Kommentar
Kochs Rezepte und Reflexionen
  Vielfalter Hochul-PR
  Rezension
Wolken über weitem Land
  Märkische
Herbst-Glosse
  Termine
  Impressum
Archiv
 

Streusandbüchse 01/01
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Streusandbüchse 09/03
Streusandbüchse 10/04
Streusandbüchse 11/04

 
 
Kommentar
Kochs Rezepte und Reflexionen

Matthias Koch

 

  Von Konzeptionsriesen, Umsetzungszwergen und ihren Verwandten

Ich weiß nicht mehr genau, wer mich auf diesen Spruch gebracht hat. Ich glaube, es war ein Kunde aus dem Kreditgewerbe, der mit der Binsenweisheit „Lasst uns nicht als Konzeptionsriesen starten, um als Umsetzungszwerge anzukommen“ vor einer allzu einseitigen Fokussierung auf das strategisch-konzeptionelle Geschäft im Verhältnis zur Umsetzungspraxis warnte. Dies mag für bestimmte Branchen und Situationen ja tatsächlich so sein, der Alltagserfahrung eines PR-Professionals entspricht dies m.E. jedoch nicht.

Mir jedenfalls fallen quer durch die Reihen unserer Kommunika-tions-Zunft eher konzeptionelle Schwächen auf, die ihre Korrespondenz im re-aktiven und unreflektierten Verhalten mancher Öffentlichkeitsarbeiter finden. So betrachtet sollte man also eher vor den Konzeptionszwergen warnen, die ihr Heil fast ausschließlich im Umsetzen oder - wie es in Denglish heißt - „im doing“ suchen. Zwar haben wir alle bei Dörrbecker, Schulze-Fürstenow oder anderswo gelernt, dass wir alles daran setzen sollten, die Dinge pro-aktiv anzugehen und zu steuern. In der schnöden Wirklichkeit des Alltags jedoch wird diese Haltung auf dem Altar der Aktualität und Tageshektik allzu häufig geopfert. Es ist nicht wirklich neu, jedoch immer wieder ärgerlich, dass die Sachzwänge es angeblich gar nicht erst zulassen, sich selbst häufiger in den Modus der Nachdenklichkeit und der Reflexion zu begeben, um die (strategisch) richtige Vorgehensweise oder das passende Timing herauszufinden. Dass dadurch jedoch auf Dauer die Qualität des „outputs“ Schaden nimmt, wenn das kopflose Agieren und das Herumwursteln aus dem Bauch heraus überhand nimmt, darf als gesicherte Tatsache betrachtet werden.

Was tut nun der PR-Profi, der sich letztmals vor Jahr und Tag selbst den Tort eines umfänglicheren Konzeptionsprozesses angetan hat, um hier nicht im Dickicht des Geschäftsalltags stecken zu bleiben? Wie kann der anspruchsvolle Öffentlichkeitsarbeiter wieder zu einer ausgewogenen Balance zwischen Konzeption und Realisation, zwischen Strategie und Alltagspraxis finden? - Wir haben natürlich auch kein Allheilmittel gegen die oben beschriebene Krankheit. Gleichwohl werden wir im nächsten Frühjahr ein „Konzeptions- und Strategie-Training für Fortgeschrittene“ anbieten, dass Sie durchaus als Anschlag auf ihre grauen Zellen betrachten dürfen. Wir konnten die beiden namhaften Konzeptions-Trainerinnen und Fachbuch-Autorinnen Renée Hansen (ehem. Fissenwert) sowie Stephanie Schmidt dafür gewinnen, Ende Februar 2004 ein Tages-Seminar in Berlin zu diesem Thema abzuhalten. Ich bin sicher, es wird einen Riesenspaß machen, sich mit motivierten Kollegen einen Seminartag lang wieder einmal in die „Märchenwelt“ der Kommunikations-Konzeption zu begeben. Am Ende könnte der Ertrag darin liegen, wieder ein Gefühl dafür zu bekommen, in welchem Verwandtschaftsverhältnis man selbst zu den oben beschriebenen Fabelwesen steht.


Matthias Koch

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