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Eine Reise in eine vergangene Welt mit Zukunft
Er ist einer der Bekanntesten in der PR-Szene. Ein
engagierter und eloquenter Interessenvertreter der Angehörigen
freier Berufe (und ihrer Steuerfragen) in der DPRG. Und eine literarische
Entdeckung: Klaus Skibowski, genannt "-ski". Seine 2002
unter dem Titel "Wolken über weitem Land" erschienene
"Familiengeschichte aus Masuren" verdient eine breite
Öffentlichkeit. Skibowski setzt darin Masuren, dem ehemals
ostpreußischen Land zwischen Deutschland, Polen und Rußland
ein Denkmal, einem "Land, in dem alle Herrlichkeit auf Erden
zu Hause ist."
Eingebettet in die "große Politik" zwischen dem
ausgehenden 19. Jahrhundert und der Nachwendezeit der 1990er Jahre
entwirft der Autor eine über drei Generationen reichende
Familiensaga, die auf authentischen und autobiografischen Grundlagen
beruht. Sie beginnt in einem der eisigen masurischen Winter 1894,
in der Stadt Lyck (heute das polnische Elk) in einer Landschaft,
die geprägt war von "unbegrenzter Weite(,) einmalig
im beengten Europa", in dem Berlin und Preußen weit
weg, Polen und Rußland umso näher waren. Skibowski
beschreibt eine im Winter wie im Sommer farbenprächtige Landschaft
voller Seen und Weite,am äußersten Rande. Der Kleinstadt
verlieh der "direkte Kontakt mit dem großen Rußland
an jedem Markttag eine ungewöhnliche Großzügigkeit."
Die vor allem nach Osten gehenden Eisenbahnverbindungen führten
die Einwohner des Städtchens aus der beschaulichen Abgeschlossenheit
heraus.
Die Geschehnisse der beiden Weltkriege spiegeln sich im Schicksal
der im Mittelpunkt stehenden Familie Brodowski, wobei man in "Ottchen"
den Autor wiedererkennt. Die Familie teilt die Erlebnisse vieler
Vertriebener und siedelt sich im bundesrepublikanischen Deutschland
an. Bereits 1957 unternimmt der Journalist Brodowski eine erste
Reise nach Osten. Er begegnet der alten Heimat und dem neuen Staat.
In ihm, der kurz zuvor Israel besucht und wohl zu den Ersten gehört
hatte, der die Aussöhnung Israels mit Deutschland aktiv betrieb,
formt sich auch und gerade in seiner Arbeit das Bild eines neuen
Europa, zu dem das polnische Masuren ebenso gehört wie die
westeuropäischen Länder,
wenngleich es ihn später nicht reizte, in ein kommunistisches
Land zu fahren, "selbst wenn es dort nur wenige gläubige
Kommunisten gab."
Er bleibt aber seiner Heimat im Herzen immer verhaftet und fährt
bald nach der Wende 1990 wieder nach Ostpreußen, was "keine
Mühe mehr machte, seit Karol Wojtyla, Walesa und andere Polen
wieder in die europäische Völkerfamilie zurückgeführt
haben ... Es war wie eine Offenbarung. Sie fuhren durch ein Land,
in dem sie sich zu Hause fühlten, obwohl sie seit langem
hier nicht mehr lebten."
Die Quintessenz dieser Familiengeschichte und damit Klaus Skibowskis:
"Ottchen sagte jetzt nicht mehr:`So war es früher`.
Für ihn war Masuren Heute geworden - nicht Vergangenheit,
kein Land wie jedes andere, aber ein Land mit Zukunft und nicht
mit Vergangenheit ... Und wenn Heimat als Brücke zur Welt
verstanden wird, mit der Chance zur Begegnung, und nicht als Instrument
zur Abwehr anderer, sondern zur Gemeinsamkeit, dann war Masuren
jetzt neu Heimat geworden."
In einer Zeit des Streits darüber, wo ein Vertriebenen-Mahnmal
stehen sollte, haben diese Worte am Ende von Klaus Skibowskis
"Wolken über weitem Land" ein besonderes Gewicht.
Dass der polnische Botschafter in Deutschland, Dr. Andrzej Byrt,
das Buch in seiner Berliner Residenz präsentiert hat und
eine polnische Übersetzung geplant ist, spricht für
die auch politische Bedeutung dieses Werkes, mit dem "-ski"
einen eindrucksvollen Beweis seines literarischen Könnens
geliefert hat.
Klaus Skibowski: Wolken über weitem Land.
Eine Familiengeschichte aus Masuren.
Verlag Langen Müller, München 2002.
416 S., 19.90 Euro
Maria Borgmann
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