Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 10/November 2003 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
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Systematisches Kommuni-
kationsmagement
  Thema: Konzeption
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fliegt raus
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  Vielfalter Hochul-PR
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Rezension
Klaus Skibowski: Wolken über weitem Land

 

 

Eine Reise in eine vergangene Welt mit Zukunft

Er ist einer der Bekanntesten in der PR-Szene. Ein engagierter und eloquenter Interessenvertreter der Angehörigen freier Berufe (und ihrer Steuerfragen) in der DPRG. Und eine literarische Entdeckung: Klaus Skibowski, genannt "-ski". Seine 2002 unter dem Titel "Wolken über weitem Land" erschienene "Familiengeschichte aus Masuren" verdient eine breite Öffentlichkeit. Skibowski setzt darin Masuren, dem ehemals ostpreußischen Land zwischen Deutschland, Polen und Rußland ein Denkmal, einem "Land, in dem alle Herrlichkeit auf Erden zu Hause ist."

Eingebettet in die "große Politik" zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und der Nachwendezeit der 1990er Jahre entwirft der Autor eine über drei Generationen reichende Familiensaga, die auf authentischen und autobiografischen Grundlagen beruht. Sie beginnt in einem der eisigen masurischen Winter 1894, in der Stadt Lyck (heute das polnische Elk) in einer Landschaft, die geprägt war von "unbegrenzter Weite(,) einmalig im beengten Europa", in dem Berlin und Preußen weit weg, Polen und Rußland umso näher waren. Skibowski beschreibt eine im Winter wie im Sommer farbenprächtige Landschaft voller Seen und Weite,am äußersten Rande. Der Kleinstadt verlieh der "direkte Kontakt mit dem großen Rußland an jedem Markttag eine ungewöhnliche Großzügigkeit." Die vor allem nach Osten gehenden Eisenbahnverbindungen führten die Einwohner des Städtchens aus der beschaulichen Abgeschlossenheit heraus.

Die Geschehnisse der beiden Weltkriege spiegeln sich im Schicksal der im Mittelpunkt stehenden Familie Brodowski, wobei man in "Ottchen" den Autor wiedererkennt. Die Familie teilt die Erlebnisse vieler Vertriebener und siedelt sich im bundesrepublikanischen Deutschland an. Bereits 1957 unternimmt der Journalist Brodowski eine erste Reise nach Osten. Er begegnet der alten Heimat und dem neuen Staat. In ihm, der kurz zuvor Israel besucht und wohl zu den Ersten gehört hatte, der die Aussöhnung Israels mit Deutschland aktiv betrieb, formt sich auch und gerade in seiner Arbeit das Bild eines neuen Europa, zu dem das polnische Masuren ebenso gehört wie die westeuropäischen Länder,
wenngleich es ihn später nicht reizte, in ein kommunistisches Land zu fahren, "selbst wenn es dort nur wenige gläubige Kommunisten gab."

Er bleibt aber seiner Heimat im Herzen immer verhaftet und fährt bald nach der Wende 1990 wieder nach Ostpreußen, was "keine Mühe mehr machte, seit Karol Wojtyla, Walesa und andere Polen wieder in die europäische Völkerfamilie zurückgeführt haben ... Es war wie eine Offenbarung. Sie fuhren durch ein Land, in dem sie sich zu Hause fühlten, obwohl sie seit langem hier nicht mehr lebten."

Die Quintessenz dieser Familiengeschichte und damit Klaus Skibowskis: "Ottchen sagte jetzt nicht mehr:`So war es früher`. Für ihn war Masuren Heute geworden - nicht Vergangenheit, kein Land wie jedes andere, aber ein Land mit Zukunft und nicht mit Vergangenheit ... Und wenn Heimat als Brücke zur Welt verstanden wird, mit der Chance zur Begegnung, und nicht als Instrument zur Abwehr anderer, sondern zur Gemeinsamkeit, dann war Masuren jetzt neu Heimat geworden."

In einer Zeit des Streits darüber, wo ein Vertriebenen-Mahnmal stehen sollte, haben diese Worte am Ende von Klaus Skibowskis "Wolken über weitem Land" ein besonderes Gewicht. Dass der polnische Botschafter in Deutschland, Dr. Andrzej Byrt, das Buch in seiner Berliner Residenz präsentiert hat und eine polnische Übersetzung geplant ist, spricht für die auch politische Bedeutung dieses Werkes, mit dem "-ski" einen eindrucksvollen Beweis seines literarischen Könnens geliefert hat.

Klaus Skibowski: Wolken über weitem Land.
Eine Familiengeschichte aus Masuren.
Verlag Langen Müller, München 2002.
416 S., 19.90 Euro

Maria Borgmann

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