Ein Bericht vom Science-Stop des Arbeitskreises
Wissenschaftskommunikation
Arbeitsalltag bei der Financial Times
Deutschland
Der 3. Science Stop führte den Arbeitskreis Wissenschaftskommunikation
in diesem Sommer zur Financial Times Deutschland (FTD) in die
Redaktion nach Berlin-Mitte.
Gastgeber war Sebastian Dullien, Redakteur im Ressort Weltwirtschaft
bei der FTD, der zu-nächst seinen Arbeitsablauf bei der FTD
vorstellte. Dieser beginnt gegen 9.45 Uhr mit einem Blick in die
Tagespresse, vor allem in das Handelsblatt und die Frankfurter
Allgemeine Zeitung als „Hauptkonkurrenten“ der FTD.
Ihr schließt sich eine Ressort-Konferenz zu aktuellen innenpolitischen
Themen an. Anschließend diskutieren die weltwirtschaftlichen
Kolleg/innen die Wirtschaftslage und legen die Themen fest, die
an dem Tag zu bearbeiten sind. Gegen 11.00 Uhr beginnt die erste
Recherche. Um 11.30 Uhr findet eine Schaltung mit den Hambur-ger
und Frankfurter Redaktionskollegen statt. Es folgt eine allgemeine
„Manöverkritik“ zur Vortagsausgabe. Anschließend
beginnt dann das eigentliche journalistische Tagesgeschäft:
Online- und Offline-Recherche, Telefonate führen, Termine
auf Presseveranstaltungen wahrnehmen, Zusammenstellen von Graphiken
und Daten etc. Gegen 17.00 Uhr müssen die ersten Beiträge
fertig sein, die anschließend redigiert werden. Der Andruck
der Seite eins erfolgt um 21.20 Uhr, in Berlin ist für Seite
1 erst um 22.30 Uhr Redaktionsschluss. Die FTD produziert nur
werktags.
Zur Unterlegung tagesaktueller Informationen dienen Primärquellen
in Form wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Studien, Gutachten
und Prognosen, unter anderem die Frühjahrs- und Herbstprognosen
der „sechs führenden deutschen wirtschaftswissenschaftlichen
Forschungs-institute“, statistischen Ämter, volkswirtschaftlichen
Abteilungen privater Kreditinstitute sowie von politisch relevanten
Akteuren wie der Europäischen Zentralbank, Europäischen
Uni-on oder Bundesregierung. Das Augenmerk richtet sich auf direkte
Informationen aus den genannten Institutionen. Von geringerem
Interesse sind Agenturmeldungen. Im Focus des FTD-Redakteurs stehen
vor allem Fragen nach der Bilanzwirksamkeit, Marktverwertbarkeit
sowie dem Lesernutzen.
Der Mehrwert von Pressestellen in
wissenschaftlichen Einrichtungen für Journalisten
In unserem Gespräch ging es vor allem um die Zusammenarbeit
von Journalisten, Öffentlichkeitsarbeitern und Wissenschaftlern
und um die Herausforderung, wissenschaftliche Inhalte journalistisch
so aufzubereiten, dass sie für die Leserschaft verständlich
– und interessant – sind (Public Understanding).
Sebastian Dullien sieht es als wichtig an, dass Öffentlichkeits-arbeiter/innen
in Pressestellen mindestens „vom Fach“ sind und dies
durch ein einschlägiges Studium unter Beweis gestellt haben.
Darüber hinaus sollten sie wissen, für wen die Inhalte,
die sie „verkaufen“, relevant und durch wen sie gegebenenfalls
marktverwertbar sind. Letzteres ist einer der Gründe, wa-rum
Journalisten sich lieber direkt an den zuständigen Wissenschaftler
wenden und nicht den Umweg über die Pressestellen nehmen.
Die Schnelligkeit von Informationen ist dabei im Zeitungswesen
ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Daher ist der Journalist
auf Informationen per Telefon, -fax oder E-Mail angewiesen. Kritisch
sieht Sebastian Dullien in diesem Zu-sammenhang, dass es in Forschungsinstituten
und Banken zur Kanalisierung von Anfragen an die Pressestelle
kommt. Der Wissenschaftler selbst ist „von außen“
oft nicht erreichbar.
Last but not least: Ein paar Mediadaten
zur FTD
Die FTD erscheint seit dem Frühjahr 2000. Die Leserschaft
ist „jung, relativ gut ausgebildet und verdienend und sehr
männlich“, so Sebastian Dullien. Bei den Lesern möchte
sie sich als „Arbeitsmittel für Entscheidungsträger“
verstanden wissen. Die Auflage liegt im zweiten Quartal 2003 bei
91.400 und ist im Vergleich zum Vorjahr um 10,1 Prozent gestiegen
(s. FTD vom 15. Juli 2003, Seite 6). Die Reichweite beträgt
täglich 250.000 Exemplare; von hoher Bedeutung sind die Firmenabonnements.
Franziska Becker
Der Arbeitskreis Wissenschaftskommunikation der DPRG Landesgruppe
Berlin/ Brandenburg besteht seit Oktober 2002. Hier tauschen sich
Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen regelmäßig
über neue Entwicklungen und Erfahrungen im Bereich der Wissenschaftskommunikation
aus.
Weitere Informationen erhalten Interessierte bei:
Xenia von Maltzan, Tel.: 030-853 64 51
Nina Passoth, Tel./ Fax: 030-304 22 16, Mobil: 0163-305 23 73
E-Mail: wissenschaftskommunikation@gmx.de
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