
Astrid Drabant-Schwalbach |
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Selten einig sind sich
PR-Praktiker und PR-Theoretiker in der Feststellung, dass strategisch
geplante, systematische, kurz: konzeptionelle Öffentlichkeitsarbeit
einen immer größeren Stellenwert erhält.
Die Vorstände großer Unternehmen z.B. lassen sich inzwischen
mehr und mehr davon überzeugen, dass der Unternehmens-Reputation
als Einflussfaktor im Wettbewerb eine immer größere
Bedeutung zukommt. Zu schmerzhaft haben viele von ihnen erfahren
müssen, dass die Korrektur einer einmal erworbenen Negativ-Reputation
– wenn überhaupt! – nur langfristig möglich
ist – ein weites Feld für strategisch geplante, systematische
Öffentlichkeitsarbeit, die im besten Fall präventiv
betrieben wird, indem sie Entwicklungen antizipiert, Trends analysiert
und den notwendigen Dialog mit den relevanten Teilöffentlichkeiten
bereits im Vorfeld herbeiführt.
Wie nun sieht ein fundiertes Kommunikationskonzept aus? Über
welche Bestandteile sollte es verfügen? Da man eine prägnante
Antwort auf diese Frage selbst in PR-Lehrbüchern oft vergeblich
sucht, soll im folgenden der Versuch unternommen werden, diese
aus Praktiker-Sicht in einer Art Crash-Kurs zu geben.
Konzeptionelles Arbeiten – Grundvoraussetzung
seriöser, zielgerichteter Öffentlichkeitsarbeit
Geht man davon aus, dass die übergeordnete, langfristige
Zielsetzung von PR die Herstellung von Glaubwürdigkeit, Akzeptanz
und nicht zuletzt Vertrauen bezogen auf eine bestimmte Institution
in der Öffentlichkeit ist, so muss die Frage erlaubt sein,
was mich denn in die Lage versetzt, derart hochgesteckte und abstrakte
Ziele zu erreichen.
Um die einzelnen Arbeitsschritte eines PR-Konzepts planen zu können,
muss ich diese übergeordneten Ziele operationalisieren, d.h.
handhabbar machen, und in konkrete Kommunikationsziele herunterbrechen.
Das kann ich aber nur, wenn verschiedene Voraussetzungen erfüllt
sind. So benötige ich zum einen gesicherte Kenntnisse über
die spezifischen Rahmenbedingungen, unter denen PR agieren soll,
zum anderen über die konkrete Ausgangssituation, die ich
vorfinde.
Mit der Analyse der in- und externen Rahmenbedingungen beginnt
folglich die systematische Erarbeitung eines PR-Konzepts. Anhaltspunkte
hierfür geben neben der kontinuierlichen Auswertung relevanter
Medien das Me-thodenset der empirischen Sozialforschung. Ergebnisse
der Markt- und Meinungsforschung lassen sich zur Analyse externer
Rahmenbedingungen ebenso nutzen wie z.B. Trendanalysen, Kaufverhalten
und politisches Stimmungsbarometer.
Externe Rahmenbedingungen verändern sich z.B. mit der immer
schnelle-ren und global zeitgleichen Informationsverarbeitung,
die insbesondere Auswirkungen auf die Kapitalmarkt-Kommunikation
hat. Hinzu kommt eine zunehmend schnellere Veränderung der
Medienlandschaft, die mit einer rasanten Fluktuation in den jeweiligen
Medien Hand in Hand geht. Die immer medienwirksamer agierenden
Kritik-Gruppen z.B. ergänzen das Bild. Sie verstehen ihrerseits
ihr PR-Handwerk bestens und befriedigen die hohe Erwartungshaltung
seitens der Öffentlichkeit oftmals besser als Un-ternehmen
solcher Branchen, die in jüngster Zeit unter einen hohen
Legitimationsdruck gerieten, da sie mit einem großen Vertrauensverlust
in der Öffentlichkeit zu kämpfen hatten.
Die Kenntnis der internen Rahmenbedingungen beinhaltet für
das Beispiel Unternehmen neben der gesamten Produkt- und Tätigkeitspalette,
also sämtlicher Geschäftsfelder, die Grundzüge
der Unternehmenspolitik samt festgeschriebenem Unternehmensleitbild
und Grundsätzen für spezielle Bereiche, z.B. Führungsgrundsätze
bzw. Leitideen für den Umweltschutz. Selbstverständlich
gehört die Positionierung eines Unternehmens samt Überblick
über die relevanten Märkte ebenso zu den unverzichtbaren
Vor-aussetzungen wie die zentralen Aussagen der Unternehmensstrategie,
der sich sämtliche kommunikative Aktivitäten unterzuordnen
haben.
Neben die Kenntnis der Rahmenbedingungen tritt eine umfangreiche
Analyse der vorgefundenen Ausgangssituation. Sie misst, etwa in
Form einer Image-Analyse, den Ist-Zustand eines Unternehmens an
dem in den Unternehmensgrundsätzen formulierten Soll-Zustand
und ermöglicht dem Konzeptioner, ein Stärken-/Schwächen-Profil
zu erstellen, das wünschenswerterweise von einem umfassenden
Benchmarking ergänzt wird. Auf dieser Grundlage schließlich
kann eine Kommunikationsstrategie entwickelt werden, die konkrete
Ziele formuliert und den Prozeß beschreibt, der in Gang
gesetzt werden muß, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
Einer der wichtigsten Teilschritte in diesem Prozess ist die Identifizierung
der für die Zielerreichung wesentlichen Zielgruppen und deren
Gewichtung.
Erst nach diesen konzeptionellen Grundsatzarbeiten können
die konkreten, nun aber auch begründbar relevanten Maßnahmen
vorgeschlagen werden, deren Umsetzung schließlich die Realisierung
des Konzeptes bedeutet und deren Evaluierung wiederum in einer
neuen Beschreibung der (hoffentlich) veränderten Ist-Situation
resultiert, womit sich der konzeptionelle Kreis schließt.
Eine derart systematisch-konzeptionelle Vorgehensweise ist das
Herzstück jeder seriösen PR-Arbeit. Sie ist in jedem
einzelnen Schritt geplant und sowohl für den Auftraggeber
als auch für die angesprochenen Zielgruppen nachvollziehbar
und überprüfbar. Dies ist insbesondere in Zeiten notwendig,
in denen der konkrete Nutzen kommunikativer Aktivitäten immer
häufiger nachgefragt wird. Systematische, strategisch geplante
und kontrollierbare Öffentlichkeitsarbeit wird zum Erfolgsfaktor
für Institutionen, da sie in der Lage ist, Verständnis
und Glaubwürdigkeit zu erzielen, Missverständnisse zu
klären, Vorurteile abzubauen, Vertrauen zu stärken und
Transparenz zu schaffen.
Astrid Drabant-Schwalbach
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