
Renée Hansen (rechts) und Stephanie
Schmidt |
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Zugegeben, Joseph Beuys
hat die Dinge immer ziemlich radikal formuliert und dachte wohl
nicht gerade an PR als er seinen Spruch „Wer nicht denken
will, fliegt raus“ prägte. Aber seine Forderung ist
goldrichtig, wenn es um eine zentrale Leistung in der PR-Arbeit
geht – um das Erarbeiten von Kommunikationskonzepten. Dass
Konzeptionstechnik als ein methodisches Vorgehen zum Handwerkszeug
von Beratern gehört, ist unbestritten. Landauf, landab entstehen
in Unternehmen, Organisationen und Agenturen PR-Konzepte, Kommunikationskonzepte,
Projekt- und Detailkonzepte. Nun ist Papier bekanntlich geduldig.
Und die Dunkelziffer nicht umgesetzter Kommunikationskonzepte
lässt sich nur erahnen. Schubladenkonzepte, die aus selbiger
kommen und ebendort landen, sind nicht nur Zeit- und Ressourcenverschwendung.
Wer die Aufgabe ernst nimmt, ärgert sich besonders, weil
jede strategische Stangenware dem Vorurteil Vorschub leistet,
dass Konzepte nur teuer verkaufte Maßnahmenpläne oder
Akquisepapiere und am Ende austauschbar sind. Das beantwortet
aber noch nicht die Frage, warum nicht alle Konzepte umgesetzt
werden. Gibt es wirklich „gute“ und „schlechte“?
Und woran lassen sich diese voneinander unterscheiden?
Eigentlich ist es ganz einfach: Konzepte sind dann gut, wenn sie
die Kommunikationsaufgabe lösen. Dazu sollte man erstens
wissen, was genau eigentlich die Kommunikationsaufgabe ist, zweitens
eine Lösung formulieren, die plausibel auf den richtigen
Schlussfolgerungen basiert und drittens einen gangbaren, umsetzungsfähigen
Weg aufzeigen. Ob das Konzept wirklich gut, im Sinne von wirkungsvoll
und zielführend ist, zeigt sich am Ende, wenn das Kommunika-tionsproblem
oder die –aufgabe wirklich gelöst worden sind. Wer
die Praxis kennt, weiss, dass das in den meisten Fällen alles
andere als einfach ist.
Der Konzeptionsprozess ist eine schrittweise
Klärung.
Kommunikative Lösungen sind keine Liste von Standard-maßnahmen
oder „witzigen Ideen“. Sie sind Denkarbeit, weil der
Kern der Lösung in der Strategie liegen muss. Der Konzeptionsprozess
ist eine schrittweise Klärung. Wer Kommunikation plant, macht
sich ein Bild vom Umfeld der Kommunikationsaufgabe, grenzt sie
ein, wägt ab, hat Arbeitshypothesen, verwirft, entscheidet
und entwickelt Szenarien, um Lösungsansätze auf die
Probe zu stellen. Erst wenn in diesem analytischen und strategischen
Denkprozess die Kommunikationsaufgabe intellektuell gelöst
worden ist, ist die Grundlage geschaffen, um einen wirkungsvollen
und umsetzbaren individuellen Maßnahmen-plan darauf aufzubauen.
Produkteinführung ist nicht gleich Produkteinführung,
Medienmanagement ist nicht gleich Medienmanagement, Krise ist
nicht gleich Krise. Es wird keine Standardlösungen geben,
weil es in PR und Öffentlichkeitsarbeit keine Standardsituationen
gibt.
Daneben hat ein gutes, maßgeschneidertes Kommunika-tionskonzept
noch eine zweite, sehr wichtige Funktion. Es dient der Risikominderung
für eine ganz spezifische Situation. Denn es hilft dabei,
Geld für Kommunikations-maßnahmen optimal einzusetzen,
Maßnahmen richtig aufeinander abzustimmen, unterschiedliche
Interessen zu berücksichtigen, Unternehmensziele zu unterstützen
und einen konsistenten Auftritt nach innen und außen abzusichern.
Auch hier wird klar: Nur individuelle konzeptionelle Lösungen
werden diese Risikominderung leisten können und haben deswegen
einen besonderen Wert. Konzeptionstechnik kann als Methode helfen.
Das Denken ersetzt sie nicht.
Renée Hansen und Stephanie Schmidt
Die Autoren sind Verfasser des Buches "Konzeptionspraxis.
Eine Einführung für PR- und Kommunikationsfachleute.
Mit einleuchtenden Betrachtungen über den Gartenzwerg."
erschienen im März 2002 im
F.A.Z. Verlag
Renée Hansen ist Director bei Burson-Marsteller
in Frankfurt. Stephanie Schmidt ist selbstständige Kommunikationsberaterin
in Berlin.
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