
Matthias Koch
|
|
Im März 2004 ist das neue DPRG-Medium „Kommunikationsmanager“
erschienen. Zusammen mit dem F.A.Z.-Institut hat unser Verband eine
niveauvolle publizistische Plattform entwickelt, die sich im Kampf
um die Köpfe der Kommunikationsprofis nicht zu verstecken braucht.
Dass sich damit der Wettbewerb unter den bereits bestehenden PR-Fachzeitschriften
noch einmal verschärfen wird, liegt auf der Hand. Je nach Zählweise
kann der interessierte PR-Professional sein Wissen mittlerweile
mit mindestens vier fachspezifischen Publikationen erweitern. Hierzu
zählen der „PR-Report“ aus Hamburg, das „PR-Magazin“
aus Remagen-Rolandseck, das „Public Relations Forum“
aus Nürnberg und eben der „Kommunikations-manager“
aus Frankfurt. Wenn man „Politik und Kommunikation“
sowie den „Pressesprecher“, beides Medien aus dem Berliner
Politikverlag Helios, mit dazu rechnet, sind es sogar sechs PR-
Fachmedien. Ganz zu schweigen von den weiteren Branchen-Diensten
wie kress, w&v und anderen.
Dieser Boom bei den PR-Fachzeitschriften ist ungewohnt und gibt
zum Nachdenken Anlass. Lange Jahre gab es zwei bis drei Fachorgane,
die sich mit den besonderen Fragestellungen der PR-Profis beschäftigt
haben und die man gelesen haben sollte. Nunmehr hat sich die Pflichtlektüre
auf bereits sechs erhöht. Und das für die relativ kleine
Leserschar von etwas 30.000 PR-Leuten, die es schätzungsweise
in Deutschland gibt. Aber welche Trends, welche Entwicklungen stehen
hinter dieser neuen Vielfalt? Hat etwa die Relevanz der PR-Themen
zugenommen? Steht der neuen Quantität an Fachmagazinen auch
eine neue Qualität an Journalismus gegenüber? Gibt es
einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung auf dem PR-Markt und
der Entwicklung auf dem Markt der PR-Fachpublikationen?
Zunächst bedeutet der Aufschwung unter den Fachmagazinen auch
eine erfreuliche Vielfalt an Meinungen und Hintergründen zu
PR-spezifischen Themen. In dieser Breite und auch Tiefe wurden PR-Inhalte
bislang nicht diskutiert. Das kann man sicherlich als Indiz für
einen zunehmenden Reifegrad der gesamten Branche betrachten: Die
PR ist endgültig aus ihren Kinderschuhen heraus. Die Ausdifferenzierung
geht jedoch auch damit einher, dass es keiner Publikation mehr gelingt,
die gesamte Themenbreite der Kommunikation in den Blick zu nehmen.
Ein Gesamtbild von der Unternehmenskommunikation über die Agenturszene
bis hin zum Non-Profit-Bereich findet kaum statt, ein Austausch
zwischen diesen Segmenten ebenso wenig. In unserer Branche bildet
sich offenbar ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ab, sie
zerfällt in immer kleinere, in sich abgeschlossene Welten,
die sich untereinander nur noch begrenzt austauschen. Das jedoch
können sich Kommunikationsprofis auf Dauer nicht leisten, wenn
sie als Wissensträger für sich in Anspruch nehmen, zwischen
verschiedenen Interessen und gesellschaftlichen Gruppen vermitteln
zu können.
Matthias Koch
drucken
<<zurück
|