„Auch eine Stadt der Dienstleistungen wie Berlin braucht
neben einem industriellen Rückgrat Forschung und Technologie.
Die Wissenschaftsstadt Berlin hat dies erkannt und bietet mit
ihren Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen
tausenden von Wissenschaftlern gute Rahmenbedingungen für
ihre alltägliche Arbeit. Hier sehen wir unsere Chancen für
die Zukunft, hier eröffnen sich die Entwicklungsspielräume
...“. Das meint Berlins Regierender Klaus Wowereit in der
berlinboxx im Internet. Über Brandenburg sagt er da nichts.
Ist ja auch nicht seine Baustelle. Oder? Nun ist das Internet,
wie wir alle wissen, geduldiger als manche Vertreter der denkenden
Zunft. Und angesichts solch vollmundiger Versprechungen tut sich
die unübersehbare Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit
auf.
Dass tausende von Wissenschaftlern gute Rahmenbedingungen für
ihre alltägliche Arbeit haben, wirkt vor der Hintergrundfolie
unendlicher Streichdebatten des Berliner Senats zynisch. Es ist
eher so, dass sich zurzeit tausende von Wissenschaftlern in ihrer
Existenz – auch durch die Wissenschaftspolitik von Edelgard
Bulmahn - gefährdet sehen. Darüber können auch
versteckte Sonntagsreden nicht hinwegtäuschen.
Dabei liegen die wenigen Potenziale, die unsere Hauptstadtregion
hat, vor allem in den so genannten wissensbasierten Institutionen.
Weil sowohl Berlin als auch Brandenburg rohstoffarm und küstenfern
sind, brauchen sie zur Stärkung ihrer Konkurrenzfähigkeit
im Netz der europäischen Metropolregionen vor allem die Ressourcen
Human- und Sozialkapital. Sie bilden die Grundlage, von der sich
die politischen und administrativen Entscheidungsträger hier
eine zukunftsfähige Regionalentwicklung versprechen. Es bleibt
abzuwarten, ob die gegenwärtigen Landespolitiken tauglich
sind, um ein regionales Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln,
das sich um das Thema Wissen dreht. Nach einer Phase der euphorischen
Bekundungen muss die Wissenschaftspolitik nun endlich Farbe bekennen.
Sie kann nicht mehr länger mit den Universitäten und
außeruniversitären Einrichtungen der Region angeben,
bis sich die Balken biegen und gleichzeitig die Politik des konzeptionslosen
Streichens vorantreiben.
Ob nun die Länderfusion kommt oder nicht. Berlin und Brandenburg
brauchen ein gemeinsames regionales Raumbild. Es lässt sich
jedoch nur entwerfen, wenn diejenigen Akteure, die hier mit Fragen
des räumlichen Marketings befasst sind, zu einer belastbaren
Positionierung kommen. Die Hauptstadtregion kann sich langfristig
eben nicht das Bild einer „Region für alle Fälle“
geben.
Wer sich die Potenziale und die bisherigen regionalpolitischen
Entwicklungsansätze in Brandenburg und Berlin genauer anschaut,
erkennt bald, dass wir hier ein Image brauchen, dass sich –
durchaus dem historischen Entwicklungspfad der europäischen
Aufklärung folgend – an Wissenschaft, Forschung und
Kultur orientiert. Eine Positionierung in diese Richtung kann
aber nur gelingen, wenn im räumlichen Marketing dieser eigentliche
Wert auch für die Menschen in der Region deutlich wird.
Wir Kommunikationsleute sollten die „Scientific Community“
deshalb nicht sich selbst überlassen. Diese ehrgeizige Kommunität
ist meistens ohnedies mehr mit sich selbst beschäftigt als
mit sozialräumlichen Strukturfragen. Wenn in der Region nicht
endlich ein „kollektives Bewusstsein“ für deren
Eigenwert entsteht, ist der Zug irgendwann endgültig abgefahren.
Damit es nicht soweit kommt, müssen die Kommunikationsprofis
der Region - und hier vor allem die Kolleginnen und Kollegen der
DPRG- Landesgruppe Berlin/Brandenburg - mit „in die Bütt“.
Oder?
Gerhard Mahnken
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