Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 11/April 2004 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
Inhalt
  Editorial
  Thema
Wissenschaftsjourna-lismus - Sprachrohr der Wissenschaft
  Thema
Wissenschaftsstandort Berlin/Brandenburg
  Glosse
Kinder-Uni - ein Erfolgskonzept für Erwachsene
  Ortstermin
Abschied von Prof. Baerns an der Freien Uni Berlin
  Workshopbericht
Bilder und Bericht vom Konzeptionsworkshop
  Kommentar
Kochs Rezepte und Reflexionen
  Forum Kulturge-schichte der Technik und Wissenschaft
  Kommentar
Die verordnete Elite
  Junioren machen Medien-Workshop
  PR-Patenschaft
  Neue Mitglieder
  Termine
  Impressum
Archiv
 

Streusandbüchse 01/01
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Wissenschaftsstandort Berlin/Brandenburg
Kommunikationsprofis müssen jetzt mitmischen

„Auch eine Stadt der Dienstleistungen wie Berlin braucht neben einem industriellen Rückgrat Forschung und Technologie. Die Wissenschaftsstadt Berlin hat dies erkannt und bietet mit ihren Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen tausenden von Wissenschaftlern gute Rahmenbedingungen für ihre alltägliche Arbeit. Hier sehen wir unsere Chancen für die Zukunft, hier eröffnen sich die Entwicklungsspielräume ...“. Das meint Berlins Regierender Klaus Wowereit in der berlinboxx im Internet. Über Brandenburg sagt er da nichts. Ist ja auch nicht seine Baustelle. Oder? Nun ist das Internet, wie wir alle wissen, geduldiger als manche Vertreter der denkenden Zunft. Und angesichts solch vollmundiger Versprechungen tut sich die unübersehbare Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf.
Dass tausende von Wissenschaftlern gute Rahmenbedingungen für ihre alltägliche Arbeit haben, wirkt vor der Hintergrundfolie unendlicher Streichdebatten des Berliner Senats zynisch. Es ist eher so, dass sich zurzeit tausende von Wissenschaftlern in ihrer Existenz – auch durch die Wissenschaftspolitik von Edelgard Bulmahn - gefährdet sehen. Darüber können auch versteckte Sonntagsreden nicht hinwegtäuschen.
Dabei liegen die wenigen Potenziale, die unsere Hauptstadtregion hat, vor allem in den so genannten wissensbasierten Institutionen. Weil sowohl Berlin als auch Brandenburg rohstoffarm und küstenfern sind, brauchen sie zur Stärkung ihrer Konkurrenzfähigkeit im Netz der europäischen Metropolregionen vor allem die Ressourcen Human- und Sozialkapital. Sie bilden die Grundlage, von der sich die politischen und administrativen Entscheidungsträger hier eine zukunftsfähige Regionalentwicklung versprechen. Es bleibt abzuwarten, ob die gegenwärtigen Landespolitiken tauglich sind, um ein regionales Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln, das sich um das Thema Wissen dreht. Nach einer Phase der euphorischen Bekundungen muss die Wissenschaftspolitik nun endlich Farbe bekennen. Sie kann nicht mehr länger mit den Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen der Region angeben, bis sich die Balken biegen und gleichzeitig die Politik des konzeptionslosen Streichens vorantreiben.
Ob nun die Länderfusion kommt oder nicht. Berlin und Brandenburg brauchen ein gemeinsames regionales Raumbild. Es lässt sich jedoch nur entwerfen, wenn diejenigen Akteure, die hier mit Fragen des räumlichen Marketings befasst sind, zu einer belastbaren Positionierung kommen. Die Hauptstadtregion kann sich langfristig eben nicht das Bild einer „Region für alle Fälle“ geben.

Wer sich die Potenziale und die bisherigen regionalpolitischen Entwicklungsansätze in Brandenburg und Berlin genauer anschaut, erkennt bald, dass wir hier ein Image brauchen, dass sich – durchaus dem historischen Entwicklungspfad der europäischen Aufklärung folgend – an Wissenschaft, Forschung und Kultur orientiert. Eine Positionierung in diese Richtung kann aber nur gelingen, wenn im räumlichen Marketing dieser eigentliche Wert auch für die Menschen in der Region deutlich wird.

Wir Kommunikationsleute sollten die „Scientific Community“ deshalb nicht sich selbst überlassen. Diese ehrgeizige Kommunität ist meistens ohnedies mehr mit sich selbst beschäftigt als mit sozialräumlichen Strukturfragen. Wenn in der Region nicht endlich ein „kollektives Bewusstsein“ für deren Eigenwert entsteht, ist der Zug irgendwann endgültig abgefahren. Damit es nicht soweit kommt, müssen die Kommunikationsprofis der Region - und hier vor allem die Kolleginnen und Kollegen der DPRG- Landesgruppe Berlin/Brandenburg - mit „in die Bütt“. Oder?

Gerhard Mahnken




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