EU – Osterweiterung, Polen, neuer Markt, neue Chancen,
Herausforderungen der Stunde! Alle diese Begriffe sind nicht nur
den PR – Beratern bekannt. Wo stecken aber diese Potenziale
und Chancen, wenn man über Polen wenige Informationen hat?
Wie sieht die PR -Branche bei dem größten östlichen
Nachbarn Deutschlands und zugleich größtem neuen EU
-Land aus?
Was sagt die Statistik? Eine der interessanten Untersuchungen
über den polnischen PR-Markt wurde Anfang 2000 durchgeführt.
Die Datenerhebung für das PR-Verständnis und die Aktivitäten
in Polen wurden in einem Methodenmix-Verfahren aus Befragung und
Interview mittels Fragebogen gewonnen. Hierbei wurde eine repräsentative
Gruppe von 374 einheimischen polnischen Firmen befragt. In den
Produktions-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen kamen Manager
und Mitarbeiter zu Wort. Die Unternehmen wurden nach ihrem Gründungsdatum
vor und nach 1989 und nach Branchen kategorisiert, die Mitarbeiterzahl
wurde in unter und über 50 eingestuft.
Die Ergebnisse zeigen, dass die vor 1989 gegründeten polnischen
Firmen häufiger PR betreiben (36,8 Prozent) als die neuen
(22,36 Prozent). Fast 28 Prozent der Organisationen gaben an,
mit den Medien zusammen zu arbeiten, 26,18 Prozent nutzen Veröffentlichungen
zur Verbesserung des Firmenimages. Aber lediglich 3,46 Prozent
führen Imagekampagnen durch und 2,31 Prozent betreiben eine
präventive Krisen- PR.
Hier fehlt also professionelle PR. Womit ist das zu begründen?
Sind sich die Firmen der Wichtigkeit von PR für langfristige
Ziele nicht bewusst?
Hierfür liefert die Umfrage einige Antworten: Den Unterschied
zwischen Werbung und PR kennen lediglich 12 Prozent der Mitarbeiter
und ca. 40 Prozent haben von PR noch nie gehört.
Das bestätigt auch die Zuweisung der PR-Aufgaben in der
Unternehmenshierarchie.

Vorläufige Wirtschaftskrise?
52 Prozent der befragten Firmen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen
exportieren, geben zu, die PR vernachlässigt zu haben, weil
dafür Finanzmittel oder qualifizierte Mitarbeiter fehlen.
Anzeichen einer Wirtschaftskrise? Die Profis wären jedenfalls
bestimmt gekommen, wenn sie gebraucht und entsprechend entlohnt
worden wären.
Zu den meisten PR-Nutzern zählen Handelsfirmen (54,8 Prozent),
aber nur 15,07 Prozent der Produktionsorganisationen betreiben
PR bewusst. Die meisten PR-Aktivitäten werden in den Firmen
mit Fremdkapital betrieben. Von der Erfahrung, dass die PR-Aktivitäten
noch nicht ausgeprägt sind, sprechen auch die PR-Praktiker.
Sie finden seitens der Leitung kaum Verständnis und Unterstützung
für ihre Arbeit. Nur 24,79 Prozent der befragten Firmen gaben
an, sie sähen keine Hindernisse bei ihrer PR-Entwicklung.
Gleichwohl ist ein großer Markt vorhanden: 38, 219 Millionen
Menschen, darunter 62 Prozent in den Städten sprechen dafür.
Und die jährlichen PR-Ausgaben wachsen - im Jahr 2003 waren
es 35 Mio. €.
Die ersten grenzüberschreitenden Projekte sind nach der EU-Erweiterung
schon da. Die Wojewodschaft Westpommern (Zachodniopomorskie) braucht
zum Beispiel Branding-Spezialisten. Und in Berlin hat die DPRG-
Landesgruppe Berlin/Brandenburg im Juli 2004 ein interessantes
Treffen in der polnischen Botschaft organisiert. Es gilt: Wer
schnell agiert, der gewinnt.
Mikolay Masluk
Kontakt:Masluk@gmx.net
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