
Prof. Dr. Günter Bentele |
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Drabant-Schwalbach:
Bei der Verabschiedung von Prof. Barbara Baerns von der Freien
Universität im vergangenen Jahr wurde die Vermutung geäußert,
der Begriff „Public Relations“ habe gute Chancen,
in nicht allzu ferner Zukunft zum Unwort des Jahres gekürt
zu werden. Ist die Negativ-Besetzung des PR-Begriffes überhaupt
noch zu korrigieren ?
Bentele: Ich glaube zwar nicht,
dass ein solches Szenario eintreten wird, aber: es ist –
auch international – so, dass der Begriff „Public
Relations“ meist zumindest ambivalent, wenn nicht überwiegend
negativ benutzt oder verstanden wird. Dies liegt großenteils
an dem negativen Gebrauch in der journalistischen Berichterstattung,
aber sicher ist auch unprofessionelles oder unethisches Verhalten
von PR-Praktikern daran nicht schuldlos. Da Images meist sehr
langlebig sind, bin ich skeptisch, ob man innerhalb der nächsten
10 oder 15 Jahre von diesem Image herunterkommen kann.
Drabant-Schwalbach: Sie haben
des Öfteren geäußert, der Begriff „Public
Relations“ sei Ihnen ohnehin zu eng, und Sie nutzten lieber
den Begriff „Kommunikation“ zur Charakterisierung
unseres differenzierten Berufsfeldes. Was spricht Ihrer Meinung
nach für den Kommunikationsbegriff ?
Bentele: Für die Nutzung
des Kommunikationsbegriffs sprechen zumindest zwei Gründe:
Zum einen ist es ja tatsächlich die Analyse, Planung, Organisation
und Kontrolle, also die Steuerung von Kommunikationsprozessen
von Organisationen mit ihren Öffentlichkeiten bzw. Stakeholdergruppen,
die im Mittelpunkt von Public Relations bzw. Öffentlichkeitsarbeit
stehen, also im eigentlichen Sinn „Kommunikationsmanagement“.
Zum anderen hat sich – ausgehend vom angelsächsischen
Sprachbereich – international der Begriff „Communication
Management“ längst etabliert, wenn nicht schon durchgesetzt.
Drabant-Schwalbach: Nun beanspruchen ja mehrere Berufsgruppen
den Kommunikationsbegriff zur Beschreibung ihrer spezifischen
Tätigkeit. Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, um den
Begriff „Kommunikation“ als akzeptierten Oberbegriff
für kommunikatives Handeln zu etablieren ?
Bentele: Durch das – sachgemäße
– Benutzen des Begriffs. Es ist zu beobachten, dass der
Begriff „Kommunikation“ auch von der Werbung benutzt
wird, und in der Tat ist ja Werbung ebenfalls ein Kommunikationsprozess.
Journalismus zählt als ein spezifischer Typ ebenfalls zur
öffentlichen Kommunikation. Wenn die Unterschiede zwischen
PR, Journalismus, Werbung, Marketing (und Propaganda) klar sind,
kann einerseits ja (z.B. durch Begriffe wie „integrierte
Unternehmenskommunikation“ oder „Organisationskommunikation“)
der Oberbegriff benutzt werden und die eher traditionellen, gerade
genannten Begriffe als Begriffe für spezifische Bereiche.
Dass Pressearbeit (media relations) oder Investor Relations ebenfalls
Teilbereiche des Kommunikationsmanagements sind, ist von der Sachlogik
her völlig klar, wenngleich der organisatorische Ort solcher
Abteilungen häufig nebengeordnet ist.
Drabant-Schwalbach: Inwieweit
könnten Ihrer Meinung nach die jeweiligen Kommunikationsverbände
bei der Etablierung eines „neuen“ Kommunikationsbegriffes
behilflich sein ?
Prof.Bentele: Ich denke nicht,
dass der Kommunikationsbegriff neu erfunden oder definiert werden
müsste. Der wurde und wird auch wesentlich in der Wissenschaft
und nicht in Verbänden definiert. Wichtig ist, dass man einerseits
die Begriffe klar genug und logisch definiert, (was ja gerade
bei der Benutzung von Kernbegriffen von Verbänden nicht immer
der Fall ist) und andererseits die untergeordneten Bereiche ebenfalls
klar als (logisch) untergeordnet betrachtet, auch wenn sie in
Unternehmen und anderen Institutionen organisatorisch anders „aufgehängt“
sind. „Öffentlichkeitsarbeit“ steht logisch nicht
neben der „Pressearbeit“, nur weil in Ministerien
häufig zwei nebengeordnete Abteilungen dieses Namens existieren.
„Investor Relations“ bleibt sachlogisch ein Teilbereich
von „Public Relations“, auch wenn in Unternehmen ganz
unterschiedliche Abteilungen existieren.
Drabant-Schwalbach: Sehen Sie in Deutschland mittelfristig
die Chance für einen neuen Dachverband „Kommunikation“,
der sämtliche Sparten unseres Berufsfeldes mit ihren Einzelverbänden
vertritt ? Wäre dies Ihrer Ansicht nach wünschenswert
?
Prof.Bentele: Die Chancen sehe
ich, jedoch mir fehlt der Glaube. Meine Lebenserfahrung sagt mir,
dass Konkurrenzdenken ( das ich nicht negativ sehe), aber auch
Eifersüchteleien, Profilierungsstrategien diese Chancen mindern.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein „Gesamtverband Kommunikation“
nun wirklich besser wäre als verschiedene Verbände für
Werbekommunikation (BDW, Deutscher Kommunikationsverband), Public
Relations (DPRG, Deutscher Pressesprecherverband, DIRK etc.),
Journalismus (djv, verdi) etc. Erstens haben unterschiedliche
Kommunikationsberufe teilweise ja auch andere gesellschaftliche
Funktionen in der öffentlichen Kommunikation (z.B. Journalismus
und PR), andererseits kann Konkurrenz auch bei Kommunikationsverbänden
das Geschäft beleben (und tut dies meiner Beobachtung nach
auch).
Drabant-Schwalbach: Herr Prof.Bentele, wir danken Ihnen
für dieses Gespräch.
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