Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 13/Mai 2005 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
Inhalt
  Editorial
  Thema
Die Insel boomt - Erfolgreiche PR-Arbeit der Briten
  Interview
Prof. Dr. Günter Bentele im Gespräch
  Thema
Building Winning Reputations
  Portrait
Burkhard Tewinkel
  Schlüsselbegriffe
Inszenierung
 

Ortstermin
Neujahrsempfang der DPRG

  Termin
LV-Wahlen am 24.5.
  Modellversuch ÖA Informelles Netwerk
 

Kommentar
Aufbau Ost

 

Junioren:
Potential für die Zukunft

  Journalismus und PR: Vom Kalkül des Plauderns
 

Kommentar
Kochs Rezepte + Refelexionen

  Termine
  Impressum
Archiv
 


Streusandbüchse 12/05

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strato

 
 
„Aufbau Wost“ – Endlich Auswege aus der Ossi-Wessi-Falle?

- Von Gerhard Mahnken-

Ort und Zeitpunkt in Berlin hätten Anfang Februar nicht besser sein können für das „Kolloquium Aufbau Ost“ unter Federführung der „4R“, dem Zusammenschluss der raumwissenschaftlichen Einrichtungen also, die es in der Leibniz-Gemeinschaft gibt. Dies sind: Das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) und nicht zuletzt die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL). Um es gleich vorweg zu sagen: Das Kolloquium zeigte einen deutlichen Richtungswechsel an und passte zu den Schlagzeilen, die es gerade zum Thema gab. Schlagzeilen, die sich vor allem um rechtlich gestützte Zuverlässigkeit in der Förderpraxis und um mehr Eigenverantwortung bei der Mittelverteilung in den unterschiedlichen Förderräumen drehten.

Im Licht des Atriums der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund in Berlins Mitte gab es hie und da zwar wieder gefügige Textbausteine, die besagten Aufbau Ost seit 15 Jahren von höchster Stelle untermauern, damit wir in der Republik nur nicht ins Wanken kommen. Jetzt, zur Halbzeit, kamen aber auch neue Perspektiven ins Spiel. Karl-Dieter Keim, Initiator des Kolloquiums, sagte, er stimme dem Vorschlag prinzipiell zu, in den kommenden Jahren eine stärker prozessorientierte und vergleichend angelegte Forschung zum Politikfeld Aufbau Ost zu betreiben. Keim meinte, es könne hierfür sogar ein eigenständiges Schwerpunktprogramm formuliert werden, etwa mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder mit Stiftungen. Dabei müssten zwei Aspekte stärker ins Blickfeld gerückt werden, zum einen sollten die Bedingungen für einen erfolgreichen institutionellen Wandel untersucht und zum anderen Beiträge für ein integriertes Entwicklungsmodell erarbeitet werden. Entscheidend für Keim dabei: So ein Modell sollte nicht mehr nur nach den üblichen Wachstumsindikatoren entwickelt werden, sondern viel stärker als bisher innovative kulturräumliche Aspekte berücksichtigen.

Ein deutlicher Hinweis, der die schlichten Wachstumsrhetoriken vergangener Jahre ablösen könnte. Jetzt also begreifen, dass es bei der Aufbau-Ost-Politik nicht nur um Kohle, sondern vor allem um Kreativität geht? Wenn man dem in dieser Sache politisch höchst erfahrenen Kurt Biedenkopf glaubt, der das Kolloquium mit einer scharfen Analyse abschloss, war ein Großteil an Kreativität gleich Anfang der Neunziger spurlos vom Winde verweht. Auch er, Biedenkopf, stellte hoffentlich neue Weichen in den Köpfen der Kolloquiums-Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft, wenn er konstatierte, dass die jahrelange Vernachlässigung „nicht ökonomischer Faktoren“ ein raumpolitisches Vakuum hatte entstehen lassen, in dem alles, was nicht explizit wirtschaftlich dahergekommen war, unbeachtet blieb.

Zu den erquicklichen Momenten dieses Kolloquiums gehörte denn auch Biedenkopfs Credo, mehr Mut zur Verschiedenheit in Süd, Ost, Nord und West aufzubringen und die (Bundes-) Politik endlich aus der ausgeleierten Ost-West-Perspektive zu befreien.

Schließlich gelte es zu begreifen, dass die demografische Entwicklung mit ihren wirtschaftsräumlichen Folgen sich bald auch im Westen der Republik zeigen werde. Da wäre ja auch nicht West gleich West. Wenn man das kapierte, wäre alles zwar immer noch ganz schön komplex, aber eben nicht mehr so unsäglich kompliziert. Eine Einsicht, die bestimmt auch die jüngere Generation hilfreich fände, denn nur die, so Biedenkopf, entscheide künftig den Wettbewerb der Regionen. Und zwar auf beiden Seiten der Elbe.


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