Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit
dem Verhältnis zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit
kann in Deutschland mittlerweile auf über zwei Jahrzehnte
Forschungsarbeit zurückblicken. Und sie hält –
zum Leidwesen manch interessierten Praktikers – gleich mehrere
Erklärungen parat. Von der Determination des Journalismus
durch die PR über das Paradigma der wechselseitigen Abhängigkeit
bis hin zur jüngsten Modellierung einer Tauschbeziehung ist
scheinbar für jeden Geschmack etwas dabei.
Kaum ein Erklärungsansatz geht jedoch auf Interaktionsbeziehungen
zwischen zielgerichtet handelnden Akteuren ein. Was bringt Journalisten
und Öffentlichkeitsarbeiter in Interaktion: Ist es wirklich
die vielbeschworene Abhängigkeitssituation zwischen beiden
Seiten? In einer hierzu durchgeführten Untersuchung wurden
370 Tageszeitungsjournalisten und 190 DPRG-Mitglieder in Berlin
und Brandenburg befragt. Journalisten und PR-Fachleute erhielten
jeweils spiegelbildliche Fragebögen, die sich in Wortlaut
und Reihenfolge der Fragen nur wenig unterschieden.
Wichtigstes Ergebnis: Trotz diverser Möglichkeiten der Ansprache
relevanter Teilöffentlichkeiten nutzen PR-Fachleute hauptsächlich
die Medien als Sprachrohr. Andererseits sehen die meisten Journalisten
gerade in PR auch ein Störpotenzial für ihre Berichterstattung.
Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter verfolgen deshalb
bei persönlichen Treffen unterschiedliche Strategien: PR-Fachleuten
geht es in Interaktionen um die Bewältigung ihrer Abhängigkeit
von journalistischen Leistungen, Journalisten um den Abbau von
Störpotenzialen und Zielkonflikten seitens der PR.
Dies birgt – vorsichtig interpretiert – auch wichtige
Erkenntnisse für die Praxis. Die starke Selbstbeschränkung
von PR auf Medienberichterstattung verstärkt einerseits Abhängigkeiten.
Andererseits entsteht so für Journalisten der Eindruck eines
verschleiernden Durcheinanders, dem nur mühsam relevante
Informationen abzugewinnen sind. Obwohl diese Einsichten intuitiv
und auch wahrlich nicht neu sind, belegen die Untersuchungsergebnisse
ihre ungebrochene Aktualität.
Literaturhinweis:
Steffen Rinas: Interdependenz oder Interferenz? Eine Untersuchung
der Interaktionsbeziehungen von Journalisten und Öffentlichkeitsarbeitern.,
Magisterarbeit, Arbeitsbereich Öffentlichkeitsarbeit am Institut
für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien
Universität Berlin, Berlin 2004
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