Das hätte sich Ulrich Schamoni am 10. April 1987 auch nicht gedacht, dass aus seinem soeben gestarteten ersten Privatsender der Mauerstadt einmal derer zwei werden würden. Doch der Reihe nach. Bis zu 25 Prozent Einschaltquote verwöhnten die Froschfunker, die Ihr Programm jeden Abend mit dem Abspielen der Nationalhymne beendeten. Zum Sendeschluss um 19 Uhr folgte der Wechsel zum alternativen Radio 100. Ein fideler Kleinkrieg war die Folge, der im Abspielen einer "Klospülung" zum Programmende der Alternativen gipfelte.
Kurze Zeit später wechselte Radio 100 auf einen anderen Sendeplatz und Hundert,6 konnte von nun an seine eher konservativen Hörer rund um die Uhr beglücken. Besonders in der Zeit nach dem Ausstieg Schamonis 1992 waren die Programmmacher um Chef Georg Gafron stramm auf CDU-Kurs. Die Platzhirsche waren zu dieser Zeit schon längst andere Protagonisten des Dudelfunks geworden. Durch die Übernahme des Senders Mitte der neunziger Jahre durch Thomas Kirch kam Hundert,6 2001 ins Kielwasser der Kirch-Krise und wurde an Thomas Thimme verkauft, der antrat, um Hundert,6 wieder zur Nummer eins in Berlin zu machen. Hier schließt sich der Kreis, denn Thimme ist der Hauptakteur um das aktuelle Verwirrspiel des Berliner Senders.
Trotz schlechter MA-Zahlen meldete einigermaßen unerwartet - zumindest für den Großteil der Mitarbeiter - Thimme im April 2005 Insolvenz an. Mit ein paar Getreuen verlegte er in die Potsdamer Straße und sendete nun mit seiner Firma Medialog als 100,6 weiter - zunächst mit Billigung von Insolvenzverwalter Udo Feser. Im Mai legte die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) fest, dass der "Betrieb von Hundert,6 wieder bei der früheren Lizenznehmerin zusammengefügt" werden soll. Da die insolvente Hundert,6 Medien GmbH allerdings nicht über das nötige technische Equipment verfügte, sendete Thimme weiter. Jetzt im Herbst scheint die Lösung des Problems nah. Selbst eine "Berliner Lösung" ist in Sicht, denn zu den Interessenten gehören neben der Hotelgruppe Albeck & Zehden (Crowne Plaza und Holiday Inn), die mit Theo Baltz"metropolenorientiertes Programm" machen wollen, der Berliner TV-Sender FAB (Ziel: "Bürgerlicher Rundfunk") und der Tagesspiegel, der sich Synergien in Marketing und redaktionellem Bereich erhofft. Der geschätzte Kaufpreis liegt bei 1 bis 1,5 Millionen Euro. Doch das scheint die Hürde nicht zu sein. Schließlich sind auch Burda und Energy interessiert: "Wer ist das nicht?" zitierte der Tagesspiegel Energy-Chef Ulrich Schürgen.
Christoph Blase