

Gerhard Mahnken,
Chefredaktion
Die Welt zu Gast bei Freunden: Hauptstadtregion und Fußball-WM 2006
Berlin und Brandenburg gewinnen im weltweiten Wettbewerb der Metropolregionen immer mehr Platzvorteile. Und das ist gut so. Dadurch wird die Region wieder ein Stück erkennbarer. Schon Siegfried Kracauer wusste: „Die weltstädtischen Zentren, die auch Orte des Glanzes sind, gleichen sich mehr und mehr einander an. Ihre Unterschiede vergehen.“
Eine schleichende ‚Verähnlichung’ durch die so genannte Globalisierung, durch die Überalterung der Gesellschaft, durch neue Migrationsprozesse und nicht zuletzt durch die optische und akustische Austauschbarkeit von technischer Infrastruktur und von Waren macht die Standort-Entscheidungen für „Global Players“ zur Zeit nicht einfach. Das Weltmeister-Motto: „Zu Gast bei Freunden“ bekommt im sozial- und wirtschaftsräumlichen Einerlei somit unfreiwillig auch einen doppeldeutigen Hauch des überall Vertrauten ...
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Thema
Es ist leicht, ein Fußballfan zu sein -
Wie sich die Deutsche Bahn für die Fußball-WM 2006 engagiert
In diesen bewegten Zeiten ist es nicht nur die reine Freude, als Fußballfan zu einem Spiel zu gehen. Obwohl die Eintrittskarte als Fahrschein im Nahverkehr gilt und wir außerdem Weltmeister-Tickets und -Pässe anbieten – aber Terrorfurcht, angebliche Baumängel in den Stadien und die Vogelgrippe machen nachdenklich. Die Sicherheit von Spiel und Zuschauern ist zum zentralen Thema geworden. Auch deshalb haben wir zur WM 2.200 Mitarbeiter bei DB Sicherheit am Start. Hinzu kommen die Kollegen aus der Konzernsicherheit, der zivilen Notfallvorsorge und den Security-Regionalteams. Im neuen „Sicherheitszentrum Bahn“ arbeiten 30 Mitarbeiter der Konzernsicherheit mit Beamten der Bundespolizei zusammen. Sie alle sorgen dafür, die Spiele sicher zu machen.
Die Bahn-Tochter Schenker ist der offizielle Logistikdienstleister. Und die Sicherheit hat auch beim Waren- und Gütertransport höchste Priorität. Wir kontrollieren genau, was wann als Lieferung und Nachschub in die Stadien gebracht wird. Das bedeutet, jeder Pappbecher, Fußball oder Fernsehbildschirm wird an einem „LogPoint“ genannten zentralen Kontrollposten überprüft. Außerdem hat Schenker in München ein internationales Medienzentrum eingerichtet – Kabel, Bildschirme, Mäuse – alles wird aufgestellt und wieder abgeholt.
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Thema
Ein Fan kann lieben, aber auch hämen und hassen
von Hans Dieter Baroth
Hans Dieter Baroth
Der zehnfache Fußballmeister der DDR in Folge, BFC Dynamo Berlin, sollte Anfang der 90er Jahre erneut in die Relegation zur nun vereinten Zweiten Bundesliga ziehen. Dynamo-Fan Andreas Gläser schreibt: „Nach dem abermaligen Scheitern wollte ich mir das Leben nehmen, doch ich hatte Angst davor, als Union-Ratte wiedergeboren zu werden.“ Sie hassen sich weit über die Existenz der DDR hinaus, die Anhänger von Union Berlin und dem BFC Dynamo. Andreas Gläser ist Schriftsteller. Über seine Zeit als süchtiger Fan des Mielke-Clubs veröffentlichte er ironische und hintergründige Texte in dem Buch „Der BFC war schuld am Mauerbau.“ (Aufbau-Verlag) Der Titel des Buches ist nicht ernst gemeint. Aber der Band enthält ernste und sogar makabre Storys über Liebe, Hass und Häme von Fußballanhängern in Ostdeutschland. Denn die zeichnete auch hier den Fußballfan aus – fast blinde Verehrung für seinen Club mit Lobgesängen auf den eigenen Verein, und Volkslyrik voller Schmäh gegen gewisse Gegner. Bei dem Köpenicker Kiezclub Union Berlin ist in dem Stadion an der Alten Försterei vor dem Anpfiff eine Vereinshymne auf CD zu hören, die Sitzplatzbesucher erheben sich wie beim Abspielen der dritten Strophe des Deutschlandliedes.
In dem Eifer von Fußballanhängern, den Gegner zu verhöhnen, war Deutschland nie gespalten. Der Unterschied lag nur in den Vereinsnamen. Die Zuschauer von Wismut Aue sangen in der DDR: „Zwei gekreuzte Hämmer und ein großes W., das ist Wismut Aue, unsere BSG.“ Auf des Gegners Platz mussten sie hören: „Sie kommen aus der Tiefe, sie kommen aus dem Schacht. Wismut Aue – keine Fußballmacht.“ Als Union Berlin in der Zweiten Liga gegen Erzgebirge Aue – früher Wismut – antrat, höhnten die Berliner Mitgereisten wegen des Hochwassers von einst: „Es kommt die Zeit, hoho, in der das Wasser wieder steigt.“ Fans sind kreativer als manche Literaten glauben. Ob deshalb vor Jahren von dem Autor Peter Rühmkorf ein Buch mit von ihm gesammelten Reimen auf den Wänden von öffentlichen Bedürfnisanstalten erschien – als Volkslyrik?
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Glosse
Buchungscode W.M. 2006
Aktuelle Wegreisetipps von Achim Kühne-Henrichs
Es gibt doch noch Karten! Gleich am Freitag, den 9. Juni 2006 zum Beispiel. Für das Auftaktspiel mit Figaro. Cinque, dieci, quarantatre. Alles noch da, zur Hochzeitsfeier in Salzburg. Einlass 19.45 Uhr. Spielbeginn 20.15 h. Ach so. Fußballkarten. Deutschland – Costa Rica. Auftaktspiel in München. Allianz-Arena. Anpfiff 18.00 Uhr. Karten? Hat irgend jemand noch Karten?
Seien Sie froh, wenn Sie nicht reinkommen. In den Stadien ist es laut Stiftung Warentest viel zu gefährlich. Fußball kann Sie Ihr Leben kosten. Kaum ist die Panik da, laufen alle in die falsche Richtung. Sie müssen sich gegen den Strom bewegen. Dann kommen Sie spielend überall hin. Am 9. Juni zum Beispiel mit hlx.com von Berlin Tegel nach Salzburg zu Figaros Hochzeit für schnelle 14,49 Euro.
Oder wenn am Samstag, den 10. Juni im Frankfurter Waldstadion um 15.00 Uhr die Engländer auf die Paraguayaner zustürmen, dann können Sie – anstatt zwischen Hooligans um Ihr Leben zu fürchten – noch am gleichen Abend für eben mal 15,99 Euro mit ryanair von Frankfurt-Hahn nach Bratislava fliegen. Dort haben Sie die Karten für das mozartsche Weltmeisterschaftsjahr 2006 gleich drei mal in Reichweite: Budapest, Bratislava, Wien.
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Interview
Kult ist nicht planbar
Im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba
Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba (Foto: HU)
Fußball, Fußball, Fußball – kaum eine Botschaft kommt derzeit ohne einen Verweis auf die WM 2006 aus. Gerade PR-Leute stellen sich zunehmend die Frage, ob es nicht vielleicht doch irgendwann zu viel des Guten sein könnte. Wieviel Mega-Event verträgt eine Stadt eigentlich? Genau die richtigen Fragen für Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Europäische Ethnolgie an der Humboldt-Universität zu Berlin und bekennender Fußball-Fan.
Dass eine Fußball-WM Sportfans in besonderem Maße begeistert, versteht sich von selbst. Weshalb aber greift diese Begeisterung in so starkem Maße auch auf weniger große Sportfans über?
Events erzielen kurzfristig immer eine enorme Aufmerksamkeit. Und die Fußball-WM ist zweifellos ein Mega-Event. Allein ihre Präsenz in den Medien beweist uns, wie wichtig sie ist. Berlin ist ja große Events durchaus gewohnt, erlebt sie freilich auch ambivalent. Zum einen gibt es eine hohe Identifikation mit solchen Ereignissen, zum andern aber auch immer ein wenig Stress. Und wenn es nur die Staus sind wie zur Berlinale oder bei Staatsbesuchen.
Nun bezieht sich dieses Event auf das Thema Fußball. Und Fußball ist nun einmal ein wesentliches kulturelles Bindeglied in unserer Gesellschaft. Er hat Anhänger in allen Bevölkerungsschichten, von den Eliten bis zu den Unterschichten, quer durch die Generationen und zunehmend auch unabhängig vom Geschlecht. Regional funktionieren solche Querschnitt-Events auch bei anderen Ereignissen, z. B. beim Karneval. Doch Sport und im besonderen Fußball funktionieren eben überregional und auch deshalb besonders gut, da sich seine Vermarktung entscheidend verändert hat. Fußball ist nämlich „veredelt“ worden! Er verkörpert eine hochwertige Marke und es gibt neue Fußballer-Typen, die man auch als Dressmen sieht oder wie ein Popidol anhimmeln kann. Entsprechend hat sich auch die Fankultur verändert. Mit dem Internet ist der Fan immer „dabei“ – und zum Fußball zu gehen, ist schon fast auf einer Ebene mit dem Theaterbesuch.
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Schlüsselbegriffe
Weblogs – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen
von Ulrike Propach
Eine neue Variante der World-Wide-Web-Kommunikation ist dabei, die Wohnzimmer und Konzerne zu erobern. Weblogs, ein Begriff, den Jørn Barger im Jahr 1997 als Kombination von „World Wide Web“ und „Logbuch“ prägte. Allgemein betrachtet zeichnet ein Weblog folgende Kriterien aus:
- Chronologisch rückwärts gehende Beiträge, d.h. der neueste Eintrag ist obenan
- Die Kommentierfunktion bei jedem Beitrag
- Trackback-Funktion als Verweisungsfunktion auf andere Beiträge (RSS-Benachrichtigung möglich)
Kommunikation ohne Grenzen
Weblogs gelten als Ort der freien Meinungsäußerung, die nicht dem Agendasetting von Massenmedien unterworfen sind, aber den Regeln der Netiquette folgen. Verstöße gegen – zum Teil ungeschriebene – Regeln im Verhalten im www werden thematisiert. Die heutige Variante von freiem Diskurs hat aufgrund der technischen Entwicklungen ein ganz anderes Gesicht als zu Hochzeiten von Jürgen Habermas. Bei Blogs kann der Nutzer sich passiv informieren oder aktiv diskutieren. Es überlagert sich öffentliche und interpersonale Kommunikation.
In einer Stunde online
Es ist mit den vorhandenen Bausteinen (Templates) von Anbietern möglich, innerhalb einer halben bis ganzen Stunde sich ein eigenes Weblog zu schaffen, das grafisch gut aussieht und voll funktionsfähig ist. Dadurch ist es in Konkurrenz oder Ergänzungsfunktion zu persönlichen webpages getreten, die zumeist aufwendiger in der Erstellung sind.
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