
| Ausgabe 16 / November 2006 | |||
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KommentarKoch’s Rezepte und ReflektionenDPRG reloaded – die Geschäftsstelle kommt nach Berlin
Matthias Koch Die DPRG Geschäftsstelle wechselt Ende des Jahres von Bonn nach Berlin. Damit hat unser Berufsverband auch eine Riesen-Chance, sich neu aufzustellen und sein Markenprofil zwei Jahre vor seinem 50sten Geburtstag nachhaltig zu schärfen: „DPRG reloaded“ könnte man es nennen. Mit dem Umzug nach Berlin geht allerdings auch einher, dass die Geschäftsstelle in ihrer bisherigen Struktur und personellen Besetzung nicht mehr weiterexistieren werden. Ein großer Schnitt in der Geschichte unseres Clubs der PR-Professionals ist die Verlegung des Hauptsitzes also auch. Was bedeutet sie sonst noch? Welche Chancen und welche Risiken liegen hierin verborgen? Hierauf will ich versuchen, eine kurze, subjektive Einschätzung aus Berliner Sicht zu geben. Die DPRG wurde 1958 im „alten Westen“ von 16 Industrie-PR-Profis gegründet. Die Firmen der Gründerväter lesen sich wie das Who is Who der bundesrepublikanischen Großindustrie. Public Relations waren damals eine elitäre Angelegenheit und wurde in kleinen gesellschaftlich hoch angesiedelten Zirkeln gelebt. Es gab jedoch noch kein Uni-Institut, das sich mit dem Thema wissenschaftlich auseinandergesetzt hätte und einen anerkannten Ausbildungsweg zu diesem neuen, schillernden Beruf gab es auch noch nicht wirklich. PR war als Berufsbild damals ebenso unbekannt wie seine Protagonisten. Damals glich die DPRG also einem kleinen, hochkarätigen Industrie-Club. Heute, knapp ein halbes Jahrhundert später, haben sich die Dinge – auch durch die Arbeit unseres Berufsverbandes – wesentlich geändert: Public Relations sind inzwischen fast schon ein Modeberuf. Es gibt mehrere Ausbildungsgänge, sowohl stark akademisch geprägt als auch eher an praktischen Belangen ausgerichtet. Und viele talentierte junge Leute zieht der PR-Beruf wie magisch an. Spätestens seit der PR-getriebenen Aids-Kampagne Mitte der 80er Jahre wurden PR- Agenturen marktfähig und bekommen seither auch Kommunikations-Budgets in siebenstelligen Größenordnungen anvertraut. Die DPRG hat inzwischen keinen Club-Charakter mehr sondern versteht sich als der wichtigste Berufsverband für PR-Professionals – egal wo der Job angesiedelt ist. Hier finden sich PR-Fachleute aus Wirtschaft, Behörden, Verbänden, Institutionen, Kirchen, Agenturen sowie Mitglieder in Ausbildung und Studium. Um diesem Dach-Charakter als Berufsverband auch wirklich zu entsprechen, bietet der Umzug nach Berlin beste Chancen. Mit ihm ist allerdings auch ein Change-Prozess verknüpft, den die Mitglieder und Gremien unseres ehrenamtlich geprägten Verbandes auch mitgehen, besser noch: mitgestalten sollten. Anders als im gemütlichen Bonn weht der Wind der DPRG hier nämlich rauher ins Gesicht. Niemand hat auf uns gewartet und wir müssen es erst (wieder) lernen, unsere Stimme im Konzert der (Kommunikations-) Verbände zu erheben, Position im tagtäglichen Medienspektakel zu beziehen und uns auch – wenn nötig - durchzusetzen. Dies ist aber auch eine echte Chance, die DPRG insgesamt neu aufzustellen und fit für die Zukunft zu machen. Schließlich sind branchenübergreifende bzw. branchen-relevante Aufgaben, etwa im Bereich der Ausbildung (Zertifizierung) oder im Bereich der Qualität (PR-Preise) nach wie vor stark geprägt von DPRG-Vertretern und werden auch von ihnen weiterentwickelt. Die Marke DPRG könnte hier in Berlin weiter aufgeladen und zukunftsfähig gemacht werden: „DPRG reloaded“ könnte hierfür die Devise heißen. Der Landesverband Berlin/Brandenburg, der sich hierin seit Jahren übt, wird seine Expertise gern zur Verfügung stellen. Denn ohne Guidance wird auch dieser Change-Prozess nicht funktionieren. Herzlich Matthias Koch Vorsitzender der DPRG-Landesgruppe Berlin/Brandenburg |