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  Ausgabe 17 / Mai 2007 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  

Interview

Energie und Kommunikation

Lekker Strom: Wir nehmen uns auf die Schippe und damit heben wir uns ab

Interview mit Heike Klumpe von Nuon Deutschland




Heike Klumpe, Leiterin Unternehmenskommunikation
Nuon Deutschland

Frau Klumpe, stört es Sie, wenn wir Nuon Deutschland als David bezeichnen, der gegen Goliath kämpft?

Nein, überhaupt nicht. Jedes Kind weiß ja, das Goliath von David besiegt wurde. Aber im Ernst: Ich finde es interessant, dass sich dieses Bild in den Medien verselbständigt hat. Denn weder im Marketing noch in der PR spielt Nuon mit diesem Vergleich.  Aber er ist natürlich griffig. Da kommt ein Newcomer, belebt endlich wieder den Wettbewerb und fordert die „bösen“ Monopolisten heraus. Eine schöne Geschichte für Journalisten, aber unser Ziel ist nicht gegen das „Böse“ zu kämpfen.

Aber über Schlagzeilen wie „Nuon bringt Vattenfall zum Zittern“ haben Sie sich dennoch gefreut?

Jeder Artikel freut mich, der die Verbraucher lehrt, dass Wettbewerb wirkt, dass es Alternativen gibt  und der darüber aufklärt, dass der Wechsel des Strom- oder Gasanbieters nicht nur möglich, sondern kinderleicht in wenigen Minuten getan ist. Nur Wettbewerb garantiert, dass sich Preise im Markt entwickeln. Nur so können wir auch in Zukunft eine sichere und faire Energieversorgung garantieren. Nuon Deutschland möchte als Motor für mehr Wettbewerb wahrgenommen werden. Wir haben den Wettbewerb im Gasmarkt eröffnet, da waren wir Pionier. Das sind die Bilder, die wir kommunizieren möchten. Nuon, die tun was für fairen Wettbewerb. Davon haben am Ende alle etwas.

David gegen Goliath klingt schöner

Wenn es Sie beruhigt: Nuon Deutschland kann auch spontan und witzig sein. Das haben wir mit der Kampagne für „lekker Strom“ bewiesen. In diese Idee unserer Lead Agentur Publicis Berlin haben wir uns sofort verliebt. Wir hätten ja auch sagen können: Oh je, Strom und lekker, das passt doch nicht zusammen, womöglich flattern uns noch Briefe von erzürnten Eltern ins Haus, weil ihre Kinder wegen uns an der Steckdose naschen.

Solche Reaktionen gab es nicht?

Nein, zum Glück nicht.

Warum hat der Slogan „lekker Strom“ so gut funktioniert?

 Weil „lekker“ und Strom eben nicht zusammenpasst. Strom ist doch im Grunde genommen ein langweiliges Produkt. Und jetzt kommen wir und preisen „lekker Strom“ an. Wir nehmen uns auf die Schippe und damit heben wir uns - wie ich finde – wohltuend ab.  

Inwiefern?

Nehmen Sie doch die aufwändig und teuer entworfenen Imagewelten vieler Konzerne: Bei uns bist Du sicher, bei uns fühlst Du dich wohl. Und dazu laufen dann schöne junge Frauen mit Blumen im Haar über Frühlingswiesen. Das langweilt die Verbraucher doch und was die Glaubwürdigkeit angeht habe ich so meine Zweifel.

Solche Bilderwelten haben in Ihren Überlegungen nie eine Rolle gespielt?

Nein. Wir setzen auf Typo-Kampagnen, die trotzdem aufmerksamstark sind und unseren Wunsch nach Vertriebsorientierung am besten umsetzen. Außerdem setzen wir stark auf PR, denn es gibt großen Aufklärungsbedarf, den Sie mit Werbung allein nicht leisten können. Jüngere Umfragen belegen, dass die Verbraucher Informationen an die Hand bekommen wollen, die sie schnell ins Bild setzen. Auf unseren Plakaten sehen Sie den Slogan „lekker Strom“ und die wichtigsten Produktinformationen. Zum Beispiel die einjährige Preisgarantie oder „garantiert atomstromfrei“. Hinzu kommen die Internetadresse und Telefonnummer. Geholfen haben sicher auch unsere knalligen Unternehmensfarben gelb/lila.

Sie hatten anfangs eine Hand voll Slogans. Allein „lekker Strom“ ist übrig geblieben.

Das ist richtig. „Lekker Strom“ hat einfach die meisten Sympathien erzeugt. Inzwischen ist „lekker Strom“ fast so etwas wie eine Marke geworden. Für unserer Herbstkampagne hatte sich Publicis dann etwas ganz besonderes ausgedacht: Wir haben „lekker Strom“ den Stecker geschenkt und über diesen Umweg dem unsichtbaren Strom ein grafisch dargestelltes „Gesicht“ gegeben. Damit ließ sich herrlich spielen. „Alle Stecker feiern lekker“ oder „Liebe Stecker lieben lekker“. Auch diese Kampagne war sehr erfolgreich. Dank ihr haben wir die 100.000er Grenze bei den Kundenzahlen überschritten.

Frau Klumpe, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Heike Klumpe ist Leiterin der Unternehmenskommunikation von Nuon Deutschland.

Interview: Christoph Blase