
| Ausgabe 18 / Oktober 2007 | |||
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GastbeitragVom Rand sieht man mehrDAS Magazin kommt schon lange an als AußenseiterDAS MAGAZIN ist eine amüsante Monatszeitschrift, die Kultur, Alltag und Gesellschaft staunend durchstreift, Ränder entdeckt, Sinn für Novitäten und Skurriles aller Art hat und dabei auf Qualitätsjournalismus setzt. Markenzeichen sind die illustrierten Cover. Das Blatt erscheint überregional, die Auflage liegt bei 60 000 Exemplaren, die Hälfte davon sind Abos; ein Einzelheft kostet 3,00 Euro. DAS MAGAZIN, 1924 erstmals erschienen, nach dem Krieg 1954 in der DDR wieder aufgelegt, hat sich als eine der wenigen ostdeutschen Zeitschriften im vereinten Deutschland behauptet. Die FAZ erklärte das Blatt charmanterweise gar zum »New Yorker des Ostens«. Eine Nummer kleiner tut es auch: Das »SZ-Magazin« ist hierzulande auf einer ähnlichen geistigen Umlaufbahn. Der ungewöhnliche Mix aus Leben, Liebe, Literatur und Leichtigkeit kommt auch bei Westdeutschen an, die mehr sein wollen als Zielgruppenbeute für Anzeigenstrategien von Hochglanzblättern. Am MAGAZIN mögen sie den ironischen Grundton und die Tatsache, dass ihnen hier nicht eingeredet wird, was sie zu denken, zu kaufen und zu bewundern haben. Das Ost-West-Verhältnis der Neuabonnenten ist seit drei Jahren ausgeglichen, hätte der Verlag mehr Geld für Marketing, wäre die Zeitschrift zwischen Kiel und Augsburg wohl längst bekannter. Ein Goldesel ist sie nicht, die Herstellung ist aufwändig, die Anzeigeneinnahmen sind übersichtlich. Herausgegeben wird DAS MAGAZIN im Eigenverlag, es rangiert, was Gehälter und Honorare angeht in etwa auf Taz-Niveau und genießt ansonsten die Unabhängigkeit. Die jetzige Redaktion ist seit sechs Jahren im Amt. Damals war Berlin noch eine Zeitschriftenwüste. Tageszeitungen gab es hier immer viele, aber Illustrierte kamen dann doch aus Städten, wo das Leben mehr Glanz und Leichtsinn bot, Hamburg, München, Düsseldorf. Das ist nun anders geworden. Die Hauptstadt-Gesellschaft hat sich formiert und steht für Nahaufnahmen bereit. «Vanity Fair« bezog hier mit viel Brimborium Stellung, die gerade wiederaufgelegte, bunte Zeit-Beilage entsteht keine 300 Meter entfernt. Zuvor hatten sich schon »Monopol«, »Cicero«, »Dummy« und »Literaturen« von hier aus auf die Suche nach dem Zeitgeist der neuen Republik gemacht. DAS MAGAZIN, Anfang der 90er Jahre noch als einer der wenigen Berliner Solisten belächelt, ist inzwischen also in bester Gesellschaft. Als Außenseiter zwar, aber vom Rand sieht man bekanntlich mehr als im Getümmel.- Von Manuela Thieme, Chefredakteurin - Weitere Informationen unter www.dasmagazin.de |