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  Ausgabe 18 / Oktober 2007 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  

be.bra

be.bra wie Berlin und Brandenburg


- Von Andreas Holleczek -

Nichts bleibt wie es ist, in Berlin schon gar nicht. Nehmen wir das Jahr 1989. Ulrich Hopp erinnert sich: „Wir hatten ein groß angelegtes Projekt am Laufen. Ein Buch über Berlin, mit austauschbarem Text, um es mehrsprachig zu halten. Bei der großen Auflage lohnte sich schon damals der Druck in China. Da fiel die Mauer. Und wir hatten plötzlich einen Dampfer auf hoher See, voller Bücher über eine Mauer, die es so nicht mehr gab…“ Damit hatte Hopp seine Lektion fürs Leben schon gelernt, als er fünf Jahre später ein eigenes Haus gründete, den be.bra verlag: „Es war klar, dass nichts bleiben würde, wie es war.“ Der Verlagsname war Programm. Kein zweiter Ort der Welt hätte es in diesem Moment an Geschichtsträchtigkeit mit Berlin und Brandenburg aufnehmen können. Der be.bra verlag sollte von diesem Standortvorteil profitieren. Das Programm umfasste die Themenfelder Berliner Geschichte, Kultur, Architektur und – natürlich – Zeitgeschichte. Hier hatte auch Regionalliteratur, das Buch mit Kiezbezug, noch zentrale Bedeutung. Doch wie gesagt, nichts bleibt...

Der Berliner Buchmarkt auch nicht – und der war und ist für den be.bra verlag mit seinem Regionalbezug entscheidend. Die zur Jahrtausendwende hin zunehmende Präsenz der großen Buchhandelsketten veränderte das Geschäft gerade in Berlin, wo vorher die kleine Buchhandlung um die Ecke immer auch ein Regal für Berliner Regionalliteratur zu bieten hatte. Berlin selbst veränderte sich auch. Aus der Stadt der Vergangenheit wurde eine der Gegenwart, in die es viele „Zugereiste“ zog. Und für sie wurde Berlin mehr und mehr zum Synonym für das Land, als dessen Hauptstadt es nun mehr und mehr fungierte. In das Programm des be.bra verlags passten jetzt auch Titel wie „Fußball spielt Geschichte. Das Wunder von Bern 1954“ von Peter Kasza.

Das Programm wurde dementsprechend vielseitiger, man könnte auch sagen: beliebiger. Nach dem roten Faden im Programm gefragt, wird der flüssige Erzähler Hopp langsamer und meint: „schwierig“. Zum Haus gehört inzwischen eine ganze Reihe mehr oder weniger separater Verlage. Neben dem be.bra verlag selbst gibt es als Imprint, also rechtlich nicht selbstständig, den berlin.krimi.verlag, der Belletristik bietet, eine Sparte, die später noch um die Japan Edition – diesmal ohne regionalen Bezug – erweitert wurde. Ferner gibt es hier die edition q und die berlin edition, die beide vom Quintessenzverlag übernommen wurden, sowie – rechtlich eigenständig – den Verlag be.bra wissenschaft, eine Konstruktion, die es ermöglicht, von der öffentlichen Förderung der publizierenden Institute und Autoren zu profitieren. Zugleich setzt man mit Nachdruck auf die Nebenrechtsvermarktung.

Ein Verlag funktioniert eben auch in Berlin nur als gewinnorientiertes Unternehmen und Hopp tut es heute nicht weh, wenn mancher bei be.bra eher an die hessische Kleinstadt denkt. Für ihn ist wichtiger, dass be.bra bei Buchhändlern als Marke für verkäufliche Titel besetzt ist. Um auch außerhalb Berlins einen Fuß in deren Tür zu kriegen, nutzt der Verlag konsequent jene Strategie, die schon in Berlin funktioniert hat: Ein Händler, der im Verlagsprogramm etwas zu seiner Region finde, öffne sich auch dem übrigen Angebot. So gibt es im Programm neben den „Berliner populären Irrtümern“ von Volker Wieprecht und Robert Skuppin inzwischen auch eine sächsische und schwäbische Variante, jeweils von dortigen Lokalgrößen verantwortet. Mit noch mehr und noch mehr Berlin lasse sich eben ein „Kleinverlag“ (Hopp) mit fünf Mitarbeitern und rund 35 Neuveröffentlichungen im Jahr nicht führen.

Kommt es dann überhaupt noch auf den Verlagsort an? Hopp: Ja! Berlin-Brandenburg bleibe einfach ein guter Standtort, egal ob andernorts größere Umsätze gemacht werden oder (vielleicht) mehr Neuerscheinungen auf den Markt kommen: „Berlin ist die Autorenstadt Nummer 1.“ Natürlich verdanke sich das auch den vielen Wissenschaftseinrichtungen in Berlin, Potsdam und Frankfurt an der Oder. Gut, dass be.bra nicht Bebra heißt.