
| Ausgabe 18 / Oktober 2007 | |||
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KommentarKochs Rezepte und Reflexionen50 Jahre DPRG – Zeit für eine „Initiative 50plus“ auf Verbandsebene?
Matthias Koch Die Konjunktur läuft zur Zeit rund. Die Auftragsbücher der PR-Industrie sind allerorts gefüllt. Aber zunehmend mehren sich ernst zu nehmende Stimmen, die besagen, dass die allgemeine Wirtschaftsentwicklung auch durch die aktuelle internationale Finanzmarktkrise in den nächsten Monaten wieder verhaltener verlaufen wird. Welche Auswirkungen wird dies auf die Kommunikationsbranche haben? Wie wird sich das Geschäft in den nächsten sechs, zwölf, achtzehn Monaten weiterentwickeln? Welche Konsequenzen hat das für die Nachfrage an PR-Dienstleistungen? Was bedeutet das insbesondere für den PR-Arbeitsmarkt, was für den einzelnen PR-Professional? Unabhängig davon, wie sich die Wirtschaftslage weiterentwickeln wird, können wir davon ausgehen, es auch zukünftig mit hoch volatilen Finanzmärkten sowie mit kräftig schwankenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun zu haben. Im Einzelfall heißt das auch für die erfolgsverwöhnte Kommunikationsbranche: knappe Kassen, knappe Budgets, schwache Nachfrage und – zumindest vorübergehende – Arbeitslosigkeit. Dabei ist es egal, ob es sich dabei um „echte“ – also staatlich anerkannte – oder „versteckte“ Arbeitslosigkeit handelt. Es ist zu vermuten, dass es spätestens beim nächsten Konjunktureinbruch wieder eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen aus unserer Zunft gibt, denen es wirtschaftlich schlecht geht und die aus eigener Kraft kaum aus diesem elenden Zustand herausfinden. Mit anderen Worten: Mir geht es darum, den Blick auf diejenigen in unserer Glitzerbranche zu richten, die – ohne eigenes Verschulden – im Schatten stehen und dort ohne fremde Unterstützung nicht mehr herauskommen können. Es geht also um die PR-Profis, die etwa aus Altersgründen keinen neuen Angestelltenjob mehr finden und sich „zwangsselbständig“ machen müssen. Oder z.B. um diejenigen Freiberufler, die sich nur so gerade über Wasser halten, etwa wegen Krankheit, schwieriger persönlicher Umstände oder anderer Gründe, welche die Sozialversicherung euphemistisch als „Wechselfälle des Lebens“ bezeichnet. Wie kann diesem traurigen Zustand abgeholfen werden? Zunächst ist zu sagen: Eine Patentlösung, die diese schwierige Thematik komplett und schnell lösen könnte, ist nicht in Sicht. Das heißt jedoch nicht, als ältester und wichtigster Berufsverband gar nichts zu tun. Mir scheint im Gegenteil nach 50 Jahren DPRG die Zeit reif für eine branchenspezifische „Initiative 50plus“. Gemeint ist damit weniger die Unterstützung bedürftiger älterer Berufskollegen, sondern vielmehr ein Sozialwerk für die Public-Relations-Branche - unabhängig vom Alter. Bislang fehlen sowohl Basisstudien zur sozialen Lage der Branche und eine Institution, die sich ganz klassisch um die Unterstützung bedürftiger Kollegen kümmert. Mit der
Gründung eines Sozialwerks für die Branche durch unseren Berufsverband würde
die DPRG sowohl gesellschaftspolitisch als auch verbandsintern punkten: Was
könnte besser Corporate Social
Responsibility zeigen als selbst Verantwortung für die in Schwierigkeiten
geratenen Berufskollegen zu übernehmen? Was transportierte besser den Gedanken,
dass die DPRG ihren Mitgliedern „Heimat“ für die gesamte aktive Berufszeit sein
will, wie es unser Präsident Ulrich Nies formuliert? Und was würde schließlich
die DPRG besser vom Verbandswettbewerb unterscheiden? Wie sich dies auf eine
moderne, finanzstarke und effiziente Art ins Werk setzen lässt, das wäre
durchaus den Schweiß der Besten in Form von Nachdenken, Diskutieren und Handeln
wert. Vorsitzender der DPRG- Landesgruppe
Berlin-Brandenburg |