


Gerhard Mahnken,
Chefredaktion
Die Verlagslandschaft Berlin-Brandenburg
Ex oriente lux mal wieder. In
Zeiten der andauernden Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Kulturkrise gibt es in der
Weltgesellschaft der virtuellen Optionenvielfalt immer noch das Fassbare. Auch
‚im Osten’. Das Buch zum Beispiel.
Zu den wichtigen
Arbeitgebern in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg gehören inzwischen (wieder)
Verlage. Meint man gar nicht. Sie sind und bleiben offenbar die
Verbindungsstellen zwischen den kreativen Berufs- und Handelsgruppen – vereint
unter dem gemeinsamen Dach des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Verlage
machen uns fit für die Arbeit in der so genannten Wissensgesellschaft. Mit dem
Wissen eben, dass sie etwa über den Buch- und Zeitschriftenhandel unter die
Leute bringen.
Lesen Sie in dieser Ausgabe über
die zur Zeit wohl interessanteste Verlagslandschaft Deutschlands:
Berlin-Brandenburg. Immer mehr Autorinnen und Autoren zieht es hier hin. Es
gibt zahlreiche wissensbasierte Einrichtungen, wie wir sie in anderen europäischen
Metropolräumen in dieser Dichte vergeblich suchen. Das zieht Texturen und Texte
nach sich. Und Arbeitsplätze, die textuelle Güter und Dienstleistungen
konzipieren, entdecken, herstellen, lektorieren, bearbeiten, übersetzen, gestalten,
vertreiben und verwalten. Und nicht nur das: Verlage mischen sich in
öffentliche Belange ein. Das ist ihr Grundmotiv und sie nehmen damit eine für
die PR-Zunft zentrale Funktion in modernen Gesellschaften ein: nämlich als
Intermediäre.
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Thema
Cornelsen Verlag
Zwischen Buch und Web 2.0 – Eine Berliner Erfolgsgeschichte
- Von Jasmine Ait-Djoudi -
Alles begann 1946 in
einer Drei-Zimmer-Atelierwohnung in Berlin-Wilmersdorf. Hier gründete Franz
Cornelsen direkt nach dem Krieg einen Schulbuchverlag mit dem festen Ziel, damit
einen Beitrag zur friedlichen Völkerverständigung zu leisten. Früh sollten
Kinder lernen, andere Länder und Kulturen zu verstehen und das geschieht am
besten über die Sprache. So entstand 1948 mit Peter Pim and Billy Ball das erste Englisch-Lehrwerk für Volksschulen.
Dieses Schulbuch gründete den Erfolg des Verlegers und der aufstrebende
Schulbuchverlag vergrößerte sich stetig. Personell wie räumlich. In der Wahl der Verlagshäuser blieb
Franz Cornelsen stets Berlin oder genauer dem Bezirk Wilmersdorf treu. Stationen
waren unter anderem eine Villa in der Binger Straße, in den 70er Jahren wurde wegen
der stark gestiegenen Mitarbeiterzahl kurzzeitig ein Domizil in der
Lützowstrasse gefunden bis dann in den 90er Jahren das ehemalige Institut der
Theaterwissenschaften der FU in der Mecklenburgische Straße zum Verlagshaus
wurde. Das erste eigene Haus entstand direkt daneben und ist bis heute der
Verlagssitz. Noch einmal wurde im Jahr 2004 nach der Fusion mit dem Volk und
Wissen Verlag vergrößert: Schräg gegenüber entstand für nun insgesamt 800
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Cornelsen Verlags ein modernes Bürohaus. Eine
Berliner Erfolgsgeschichte mit Tradition.
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Findling-Verlag
Geheimtipp
Der Findling-Verlag erschließt die Mark Brandenburg für Besucher und Gäste
Buchpremiere auf der
Buchmesse in Leipzig 2007
"Gerhardt Hauptmann
und seine Häuser
Hiddensee – Erkner –
Schreiberhau – Agnetendorf"
Ein literarischer Reiseführer
mit den Autoren
Wolfgang de Bruyn und
Antje Johanning
Informationen zu den
Gerhart-Hauptmann-Häusern
finden Sie unter
www.gerhart-hauptmann.org
- Von Margot Prust & Inge Bärisch -
1998 erschien mit dem
Bild-Text-Band „Streifzüge – Neuenhagen gestern und heute“ die erste
Publikation des Findling Verlages. Wir
wählten den programmatischen Namen „Findling“ für unseren Verlag. Fest
verbunden mit der märkischen Erde entstehen seither Text-Bild-Bände über
Städte, Gemeinden, Landschaften und vor allem die Menschen Brandenburgs. Das inhaltliche
Konzept bedient in seiner ganzen Breite und Vielfalt die Themen
Regionalliteratur und -geschichte, Kunst, Kultur, Natur und Naturschutz. Insbesondere
die Text-Bild-Bände über Orte, Landschaften und die Menschen Ostbrandenburgs,
wie „Zwischen Oder und Spree“, „Historische Ansichten aus dem Kreis Lebus“ u.
a., fanden und finden ein breites Lesepublikum. Besonderer
Beliebtheit erfreuen sich unsere kleinen kulturhistorischen, literarischen bzw.
touristischen Reiseführer, wie z. B. „Die märkische Eiszeitstraße“, „Das
Oderbruch – Liebe auf den zweiten Blick“ und „Gerhart Hauptmann und seine
Häuser“. Diese
Bücher leisten einen wichtigen Beitrag, die Mark Brandenburg für Besucher und
Gäste zu erschließen und das Zusammenwachsen der Region Berlin-Brandenburg zu
fördern.
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be.bra
be.bra wie Berlin und Brandenburg
Berlin-Brandenburg personifiziert:
Das Autoren-Duo Volker Wieprecht
und Robert Skuppin promotet.
FOTO Christian Härtel (© be.bra verlag)
- Von Andreas Holleczek -
Nichts bleibt wie es ist, in
Berlin schon gar nicht. Nehmen wir das Jahr 1989. Ulrich Hopp erinnert sich:
„Wir hatten ein groß angelegtes Projekt am Laufen. Ein Buch über Berlin, mit
austauschbarem Text, um es mehrsprachig zu halten. Bei der großen Auflage
lohnte sich schon damals der Druck in China. Da fiel die Mauer. Und wir hatten plötzlich
einen Dampfer auf hoher See, voller Bücher über eine Mauer, die es so nicht
mehr gab…“ Damit hatte Hopp seine Lektion fürs Leben schon gelernt, als er fünf
Jahre später ein eigenes Haus gründete, den be.bra
verlag: „Es war klar, dass nichts bleiben würde, wie es war.“ Der
Verlagsname war Programm. Kein zweiter Ort der Welt hätte es in diesem Moment an
Geschichtsträchtigkeit mit Berlin und Brandenburg aufnehmen können. Der be.bra verlag sollte von diesem
Standortvorteil profitieren. Das Programm umfasste die Themenfelder Berliner Geschichte,
Kultur, Architektur und – natürlich – Zeitgeschichte. Hier hatte auch
Regionalliteratur, das Buch mit Kiezbezug, noch zentrale Bedeutung. Doch wie
gesagt, nichts bleibt...
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Gastbeitrag
Vom Rand sieht man mehr
DAS Magazin kommt schon lange an als Außenseiter
DAS MAGAZIN ist eine
amüsante Monatszeitschrift, die Kultur, Alltag und Gesellschaft staunend
durchstreift, Ränder entdeckt, Sinn für
Novitäten und Skurriles aller Art hat
und dabei auf Qualitätsjournalismus setzt. Markenzeichen sind die
illustrierten Cover. Das Blatt erscheint überregional, die Auflage liegt bei 60
000 Exemplaren, die Hälfte davon sind Abos; ein Einzelheft kostet 3,00 Euro.
DAS MAGAZIN, 1924 erstmals
erschienen, nach dem Krieg 1954 in der DDR wieder aufgelegt, hat sich als eine
der wenigen ostdeutschen Zeitschriften im vereinten Deutschland behauptet. Die
FAZ erklärte das Blatt charmanterweise gar zum »New Yorker des Ostens«. Eine
Nummer kleiner tut es auch: Das »SZ-Magazin« ist hierzulande auf einer
ähnlichen geistigen Umlaufbahn.
- Von Manuela Thieme, Chefredakteurin -
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Portrait
Bücher sind sein Leben – Detlef Bluhm
- Von Maria Borgmann -Dass er einmal ein erfolgreicher Schriftsteller, Geschäftsführer des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und ehrenamtlich in verschiedenen literaturbezogenen Institutionen tätig sein würde, wurde ihm nicht an der Wiege gesungen. Aber schon als 13jähriger hatte Detlef Bluhm die gesamte Kinder- und Jugendliteratur der nächstgelegenen Stadtbibliothek gelesen und durfte – nach vorheriger Genehmigung durch den Bibliothekar – die Bücher der Erwachsenenbibliothek ausleihen. Bücher sind integraler Bestandteil seines Lebens, seit er lesen kann, und auch beruflich wollte er immer mit Büchern zu tun haben. Er jobbte in Buchhandlungen während Schulzeit und Studium, absolvierte seine buchhändlerische Ausbildung bei Kiepert, arbeitete als Buchhändler und war als Herausgeber tätig, zum Beispiel bei Fannei & Walz für die Reihe „Berliner Texte“, in der das immer noch aktuelle Werk von Karl Scheffler „Berlin – ein Stadtschicksal“ wiederaufgelegt wurde.
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Buchhandel
Gemeinsam unter einem großen Dach
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vereint alle Handelsstufen der Branche
- Von Claudia Paul -
Im Mittelpunkt der Arbeit des Börsenvereins steht das Buch
als Leitmedium unserer Gesellschaft. Es ist Wirtschafts- und Kulturgut in
einem. Geist und Kultur finden ihren Niederschlag vor allem in Büchern, und
deren Entstehung, Vervielfältigung und Verbreitung fördert der Börsenverein mit
all seinen Möglichkeiten. Als bedeutende Kulturinstitution hat der Verband der
Buchhandlungen und Verlage den Anspruch, das geistige und kulturelle Leben
Deutschlands mitzugestalten. Er veranstaltet die Frankfurter Buchmesse und
verleiht jährlich den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie den
Deutschen Buchpreis. Er organisiert Leseförderungswettbewerbe und engagiert
sich für den UNESCO-Welttag des Buches. Gegründet wurde der
Verband bereits 1825 als „Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu
Leipzig“. Seit dieser Zeit setzt sich der Börsenverein als Berufsverband für wirtschaftlich und politisch optimale
Rahmenbedingungen ein. Dazu gehören heute insbesondere die
Mittelstandsförderung, der Erhalt der Buchpreisbindung und ein faires
Urheberrecht.
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Glosse
Schantelmanns Tschörni
Achim Kühne-Henrichs über das alltägliche Englischlernen während des Bahnreisens
Die Deutsche Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, ein
moderner serviceorientierter Mobilitätsdienstleister zu sein. Da gehört es zum
guten Ton, dass die Fahrgäste auch auf englisch begrüßt werden.
„On behalf of Deutsche Bahn I welcome all new
passengers”, hören wir den Zugchef über Bordmikrophon. Und er umfängt uns mit
einer souveränen Weltläufigkeit: „We wish you a pleasant journey.”
Soweit das Konzept. Der Zugchef persönlich am Mikro.
Auf deutsch und englisch. International, global, personal.
Warum werden nicht automatische Ansagen eingespielt?
Weil die Deutsche Bahn ins 21. Jahrhundert gestartet ist. Und da sollen die Mitarbeiter
nun mal mitkommen. Persönlich. Kommunikativ. Fremdsprachlich. Zum Nutzen der
Gäste Deutschlands. Und zur Förderung unseres Images in der Welt.
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Stichwort
"Integration"
SOS. Save our souls. In regelmäßigen Wellen taucht
das Thema ‚Integration’ an der politischen und medialen Oberfläche auf.
Unterschwellig ist ‚Integration’ indes ein Dauerthema vor allem in
Agglomerationsräumen. Dennoch: Das Orientierungswissen darüber bleibt in
unseren Städten und Regionen auch nach jahrzehntelangen Suchmanövern im
gesellschaftspolitischen Bermudadreieck spurlos verschwunden. Was heißt das
schon, Integration’? Viel zu komplex sind die Prozessbedingungen, die dabei ins
Spiel kommen, als dass wir sie über Stammtischparolen aushandeln lassen dürfen,
die bei Bedarf ihren mühelosen Tauchgang immer wieder bis in die
gesellschaftspolitische Mitte schaffen. Zu diesem Ergebnis kamen auch die
Teilnehmer einer Tagung zum Thema „Familienwissen. Wissen für Familien“ zu der
das SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit am 26. September 2007 eingeladen hatte.
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