Die Relevanz sozialer Kompetenz
scheint für Führungskräfte und Berater ein Dauerthema zu sein.
Schließlich überzeugen PR-Berater im Kundenkontakt nicht zuletzt auch
aufgrund ihrer von Empathie und Wertschätzung geprägten Kommunikation.
Grund genug, das scheinbar weiche Thema „soziale Kompetenz“ ein wenig
näher zu beleuchten. Alexander Moritz sprach für streusandbuechse.de
mit der Fachtrainerin Sandra Eisenmann über Möglichkeiten und Grenzen
sozialer Kompetenz.
Frau Eisenmann, was genau verstehen Sie unter „sozialer Kompetenz“?
Eisenmann: Soziale Kompetenz umfasst für mich ein Zusammenspiel von Selbstbewusstsein, im Sinne von „mir selbst darüber im Klaren sein, was ich tue“ und der Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Handeln voll und ganz zu übernehmen.
Darüber hinaus die Fähigkeit, eigene Ziele im Abgleich mit den Zielen des Umfelds so zu verfolgen, dass sie nicht nur akzeptiert sondern auch im Sinne des Allgemeinwohls verstanden werden.
Was macht soziale Kompetenz im Arbeitsalltag so wichtig?
Eisenmann: Überall dort, wo Menschen zusammentreffen, entscheiden hauptsächlich soziale Fähigkeiten über die Zukunft von Personen, Beziehungen und Organisationen. Soziale Intelligenz wurde gerade in den letzten Jahren zu einem bedeutenden – und viel diskutierten – Kriterium für erfolgreiches Miteinander im beruflichen und privaten Bereich.
Können Sie die Relevanz dieses „weichen“ Themas durch „harte“ Zahlen belegen?
Eisenmann: Nach einer IBM-Studie sind karriereförderlich: zu 60 Prozent gute Kontakte, zu 30 Prozent das Auftreten und nur zu 10 Prozent die Fachkompetenz. David Goleman spricht der Fachkompetenz in seinem Bestseller "Emotionale Intelligenz" zwar noch 25 Prozent Anteil am Berufserfolg zu, doch es hat sich herumgesprochen: der Intelligenzquotient ist längst nicht mehr das Maß aller Dinge.
Ist „soziale Kompetenz“ trainierbar?
Eisenmann: Man kann soziale Kompetenz trainieren. Allerdings ist dazu eine offene Haltung und Neugier auf eigene Entwicklungsfelder erforderlich und der Wunsch, sich selbst in diese Richtung weiterzuentwickeln. Die innere Haltung eines Menschen ändert sich jedoch nur, wenn er dadurch einen Gewinn vor allem für sich selbst und erst im zweiten Schritt für andere sieht. Tiefer liegende Glaubenssätze und Grundüberzeugungen zu verändern, die sozial kompetentes Verhalten behindern (wie zum Beispiel „Ich muss alles selbst machen“ oder „Ich bin verantwortlich dafür, dass meine Mitarbeiter motiviert sind“) bedeutet jedoch oft, sich auf einen längeren Prozess des Umdenkens einzulassen. Dafür sind verschiedene Techniken zur Verbesserung der Kommunikation sehr hilfreich und leicht erlernbar.
Warum ist „soziale Kompetenz“ überhaupt ein Trainingsthema? Ist uns das „Soziale“ nicht in die Wiege gelegt?
Eisenmann: Eine Art von sozialer Kompetenz wird jedem mit in die Wiege gelegt, passend zu dem sozialen System, in dem er aufwächst.
Betriebswirtschaftlich wurden Menschen lange Zeit nur als Betriebsmittel gesehen. Heute wird deutlich, dass Menschen der Erfolgsfaktor im Unternehmen sind. Daher ist es notwendig sich zu fragen, wie kann ich meine Mitarbeiter unterstützen in ihrem Miteinander, in ihren Beziehungen zu einander, damit sie in Balance bleiben und gute Ergebnisse abliefern. Gute Mitarbeiter sind umkämpft, deshalb ist es wichtig, ihnen einen Anreiz zur Identifikation mit dem Unternehmen zu geben. Hierbei spielen persönliche Bindungen und das Arbeitsklima eine große Rolle.
In Zeiten der Veränderung und der Beschleunigung entsteht viel Unsicherheit. Eine verlässliche Beziehungsebene gibt dabei Stabilität.
Was sind Bestandteile dieser Trainings?
Eisenmann: Soziale Kompetenz ist ein weites Feld. In meinem Trainingskonzept wird der Fokus auf einige wenige Aspekte sozialer Kompetenz gerichtet, die jedoch maßgeblich für alle angrenzenden Bereiche von Bedeutung sind. Dazu gehören „Empathie“, „Umgang mit Emotionen“, „Wertschätzung“, „Wahrnehmung“ und „transparente Kommunikation“. Die hier gewählten Schwerpunkte greifen ineinander und bilden gemeinsam eine fundierte Grundlage in der Interaktion mit Menschen.
Wie macht sich ein Zuwachs an „sozialer Kompetenz“ bemerkbar?
Eisenmann: Veränderungen finden oft nur in kleinen Schritten statt, die dennoch viel bewegen können. Ein großer Lernerfolg ist erreicht, wenn eigene Glaubensätze oder innere Haltungen verändert sind und dies im sozialen Umfeld wahrgenommen und auch vom Umfeld integriert wird. Zum Beispiel, wenn sich jemand von dem Glaubenssatz löst „Ich muss es selbst machen“ und endlich lernt so zu delegieren, dass andere ihm die Arbeit gerne abnehmen.
Sandra Eisenmann ist Fachtrainerin für „soziale Kompetenz“. Sie arbeitet in Frankfurt und hat für managerSeminare ein CD-Trainingskonzept zum Thema „Soziale Kompetenz“ veröffentlicht.
Sandra Eisenmann: Soziale Kompetenz. CD-Trainingskonzept. managerSeminare Verlags GmbH, Bonn 2007.