
| Ausgabe 20 / Dezember 2008 | |||
|
Neue RubrikDudels MediaMarkerIn der neuen Rubrik „Dudels MediaMarker“ nimmt unser Technik engagiertes Vorstandsmitglied Harald Dudel ab sofort Produkte und Trends mit PR-Praxisbezug aufs Korn
ZEN-Wachheit oder PowerPoint-Nickerchen? Wirksames rezeptfreies Schlafmittel ohne Nebenwirkung gesucht? Wie wäre es mit einer PC-Präsentation im Stil von PowerPoint und ähnlicher Business-Slideware? Denn egal ob bei Unternehmensstrategien, Absatzplanungen oder PR-Kampagnen – in der Mehrzahl dieser Präsentations (un)fälle stellt sich beim Zuschauer zuverlässig der gleiche Erfolg ein: Wegnicken. Und hinterher kann sich kaum jemand an die mitunter mühsam vermittelten Folieninhalte erinnern. Egal ob überflüssiger Überblendungs-Firlefanz zum Einsatz kam oder – deutschtypisch – zu viel Inhalt in viel zu kleiner Schrift auf die Folienfläche entsorgt wurde. Es ist einfach ermüdend und das in aller Welt. So drastisch sieht es jedenfalls der in Japan lebende Autor und Präsentations-Spezialist Garr Reynolds in seinem Buch „ZEN oder die Kunst der Präsentation“. In dem beim PC-Buchverlag Addison-Wesley erschienenen Band setzt der Präsentations-Professor den global streuenden Slideware-Sandmännern ein erfrischendes japanisches Bento-Menue dagegen. Bento-Menue? Ja, richtig gelesen, denn das in japanischen Bahnhöfen angebotene Snack-Kästchen für Reisende hat alles, was überladenden PC-Präsentationen meist fehlt: Es ist klar aufs Wesentliche konzentriert, bekömmlich, ästhetisch und vor allem frei von jedwedem (Über-)Blendungsschnickschnack. Damit sind wir beim Kern der Sache, denn Klarheit und Schnickschnackfreiheit sind dem Autor ein Anliegen. Statt kritiklos alles einzubauen, was das Programm an Effekten anbietet, sollte der Präsentator bewusst entscheiden, welche Informationen er seinem Publikum vermitteln und was er dort bewirken will. Möglichst in funktionaler Schlichtheit. So erklärt sich auch der Buchtitel „Zen Präsentation“: Was die Anhänger dieser fernöstlichen Philosophie als Meditationstechnik praktizieren, läuft wie eine gute Präsentation auf Wachheit und Konzentration auf das Wesentliche hinaus. Und für diese konzentrierte Wachheit als Voraussetzung fürs Ankommen beim Publikum liefert Autor Reynolds auf rund 230 Seiten anschaulich-überzeugende Beispiele aus Industrie, Werbung und Wissenschaft. Mit anregenden Kommunikations- und Designrezepten und hilfreichen Links ist dieses Buch ein inspirierender Vertreter der Kategorie „das werde ich das nächste Mal aber anders machen“. Allen, die im PR-Umfeld präsentieren müssen, sei es ausdrücklich empfohlen. Auch die Frage, ob Sie das nächste Mal lieber das Licht ausknipsen sollten beim Präsentieren, können Sie sich nach Lektüre selbst beantworten: Eindeutig ja – sofern Ihre Zuschauer fortan noch bequemer schlafen sollen. Reynolds, Garr: Zen oder die Kunst der Präsentation. Mit einfachen Ideen gestalten und präsentieren. Deutsche Ausgabe beim Addison-Wesley Verlag, München 2008. ISBN 978-3-8273-2708-6. 230 Seiten, € 29,95. |