
| Ausgabe 20 / Dezember 2008 | |||
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ThemaPathologie – Erneuter Aufbruch vom Ausgangspunkt- Von Gisela Kempny - „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen.“ Das war die Auffassung des in Berlin wirkenden Rudolf Virchow, dem Begründer der modernen Pathologie. Jede Krebsdiagnose, die heute gestellt wird, stammt von einem Pathologen. Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt hat sich das Fach vom Ende des Krankheitsprozesses, der Obduktion, bis zu seinen frühesten Anfängen vorgeschoben und ist heute auch aus der Früherkennung von Krebsprozessen des Gebärmutterhalses, der Brust, des Darms und der Haut nicht wegzudenken. Trotz des so breit gefächerten Einsatzgebietes ist die Zahl der Pathologen sehr klein. Mit 0,4 % der gesamten Ärzteschaft und gerade einmal 1.000 Mitgliedern des Verbandes bei insgesamt 315.000 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten ist es klar, dass das Fachgebiet ein Darstellungsproblem hat und mehr oder weniger immer eins haben wird. Lange Zeit begnügte man sich mit einer Arbeit, die ebenso wie das Fachgebiet eher im Verborgenen stattfand. Die Verbandssitze Göttingen, Mönchengladbach und Gelsenkirchen beschrieben eher die deutsche Peripherie. Zum 01.07.2008 nun haben wir den Sprung ins Zentrum der Gesundheitspolitik nach Berlin vollzogen. Die Geschäftsstelle liegt fünf Fußminuten vom neuen Bahnhof der Hauptstadt entfernt und mitten in einem Konglomerat von „Gesundheitsadressen“: die KBV, die Bundesärztekammer, die Deutsche und die Berliner Krebsgesellschaft sind fußläufig oder mit zwei S-Bahnstationen zu erreichen. Nebenan bauen die Privatärztlichen Verrechnungsstellen ihr neues Domizil und das Comprehensive Cancer Center liegt Tür an Tür. Die Charité, die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes und die Zentrale des Marburger Bundes sind fast in Rufweite. So wie die Pathologie heute wieder mehr im Mittelpunkt steht als früher, hat auch die Geschäftsstelle ihre Abgeschiedenheit aufgegeben und sich mitten ins Getümmel gestürzt. Aber das Wesen der Veränderung ist weniger geographisch. Mit der Anwesenheit in Berlin haben wir vor allem das Konzept unserer Geschäftsstellenarbeit verändert: hin zu mehr Präsenz, mehr Öffentlichkeit und mehr Kooperation. Die gewählten Räume unterstützen diese Funktion. Ganz bewusst haben wir drei weitere Büros in unseren Komplex mit aufgenommen, die an nahestehende medizinische Verbände untervermietet werden. Der Bedarf war enorm, die Warteliste lang. Der stilvolle Konferenzsaal mit neuester Konferenztechnik sowie ein kleinerer Besprechungsraum steht für die Termine aller Beteiligten zur Verfügung. Gesprächs- und Verhandlungspartner kommen zur Konferenz und machen sich ein konkretes Bild. Sie verbinden „Pathologie“ jetzt nicht mehr nur mit einigen (wechselnden) Personen, sondern auch mit der Organisation an sich und ihren Arbeitsräumen. Der Bundesverband wird sicht- und fassbarer und damit auch erinner- und kontaktierbarer als in der bisherigen eher virtuellen Erscheinungsform – ein Vorteil mit Langzeitwirkung. Und so betreiben wir jetzt „Medizin im Großen“ am Ursprungsort der modernen Pathologie. Gisela Kempny ist Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Pathologen |