Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 20 / Dezember 2008 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
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Editorial

Gesundheitsregion Berlin/Brandenburg 

Medicus curat, natura sanat. Diese antike Binsenweisheit hat mein alter Freund Jörg Z. früher gern mal zwischendurch und ungefragt in den Schulunterricht einfließen lassen. Damit konnte er die damals noch frischen 68er-Lehrer immer schwer verunsichern. Und das, obwohl er bis heute nicht das Kleine Latinum hat. Er wird das angeblich im Alter nachholen. Der Arzt behandelt, die Natur heilt: Hat dieser alte Angeber-Spruch überhaupt noch irgendeine Bedeutung? Und wenn ja, wer oder was ist dann die Natur?

Auf jeden Fall hat sie immer etwas mit Zeit zu tun. Die Zeit heilt Wunden. Mit dieser Ausgabe heben wir deshalb wieder einmal ein Zukunftsthema auf den Tisch, dass uns in der Region seit Jahren beschäftigt: Es geht in der zwanzigsten streusandbuechse.de um die Gesundheitsregion Berlin/Brandenburg. Viele Experten sehen den Gesundheitssektor inzwischen nämlich als den Entwicklungspfad, der uns in der deutschen Hauptstadtregion in eine prosperierende Wirtschaftentwicklung führen soll.

Der Tropf muss weg. Es regt sich nach den komplizierten Operationen, die der Transformationsprozess der letzten zwanzig Jahre mit sich gebracht hat, allenthalben neuer Mut. Überzeugen Sie sich selbst, liebe Leserin, lieber Leser. Unser Schwerpunktthema beleuchtet zunächst Gisela Kempny. Sie ist Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Pathologen, der jetzt in Berlin „in einem Konglomerat von Gesundheitsadressen“ liegt. Auch haben sich Maria Borgmann und Harald Dudel für Sie umgesehen. Lassen Sie sich überraschen, welche neuen Möglichkeiten sich in Mark und Metropole bieten. Denn eines ist klar: Der Gesundheitsmarkt wird weiter wachsen und er bleibt auf professionelle Kommunikation und gute Netzwerke angewiesen. Bleiben Sie dafür allzeit fit und kommen Sie gesund ins neue Jahr. Mit oder ohne Latinum. Wirklich wichtig sind jetzt vor allem Vitamine und viel natürliches Licht.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen

Gerhard Mahnken

 

Thema

Pathologie – Erneuter Aufbruch vom Ausgangspunkt


- Von Gisela Kempny -

„Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen.“ Das war die Auffassung des in Berlin wirkenden Rudolf Virchow, dem Begründer der modernen Pathologie. Jede Krebsdiagnose, die heute gestellt wird, stammt von einem Pathologen. Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt hat sich das Fach vom Ende des Krankheitsprozesses, der Obduktion, bis zu seinen frühesten Anfängen vorgeschoben und ist heute auch aus der Früherkennung von Krebsprozessen des Gebärmutterhalses, der Brust, des Darms und der Haut nicht wegzudenken. Trotz des so breit gefächerten Einsatzgebietes ist die Zahl der Pathologen sehr klein. Mit 0,4 % der gesamten Ärzteschaft und gerade einmal 1.000 Mitgliedern des Verbandes bei insgesamt 315.000 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten ist es klar, dass das Fachgebiet ein Darstellungsproblem hat und mehr oder weniger immer eins haben wird. Lange Zeit begnügte man sich mit einer Arbeit, die ebenso wie das Fachgebiet eher im Verborgenen stattfand. Die Verbandssitze Göttingen, Mönchengladbach und Gelsenkirchen beschrieben eher die deutsche Peripherie. Zum 01.07.2008 nun haben wir den Sprung ins Zentrum der Gesundheitspolitik nach Berlin vollzogen.

Die Geschäftsstelle liegt fünf Fußminuten vom neuen Bahnhof der Hauptstadt entfernt und mitten in einem Konglomerat von „Gesundheitsadressen“: die KBV, die Bundesärztekammer, die Deutsche und die Berliner Krebsgesellschaft sind fußläufig oder mit zwei S-Bahnstationen zu erreichen. Nebenan bauen die Privatärztlichen Verrechnungsstellen ihr neues Domizil und das Comprehensive Cancer Center liegt Tür an Tür. Die Charité, die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes und die Zentrale des Marburger Bundes sind fast in Rufweite. So wie die Pathologie heute wieder mehr im Mittelpunkt steht als früher, hat auch die Geschäftsstelle ihre Abgeschiedenheit aufgegeben und sich mitten ins Getümmel gestürzt.

Aber das Wesen der Veränderung ist weniger geographisch. Mit der Anwesenheit in Berlin haben wir vor allem das Konzept unserer Geschäftsstellenarbeit verändert: hin zu mehr Präsenz, mehr Öffentlichkeit und mehr Kooperation. Die gewählten Räume unterstützen diese Funktion. Ganz bewusst haben wir drei weitere Büros in unseren Komplex mit aufgenommen, die an nahestehende medizinische Verbände untervermietet werden. Der Bedarf war enorm, die Warteliste lang. Der stilvolle Konferenzsaal mit neuester Konferenztechnik sowie ein kleinerer Besprechungsraum steht für die Termine aller Beteiligten zur Verfügung. Gesprächs- und Verhandlungspartner kommen zur Konferenz und machen sich ein konkretes Bild. Sie verbinden „Pathologie“ jetzt nicht mehr nur mit einigen (wechselnden) Personen, sondern auch mit der Organisation an sich und ihren Arbeitsräumen. Der Bundesverband wird sicht- und fassbarer und damit auch erinner- und kontaktierbarer als in der bisherigen eher virtuellen Erscheinungsform – ein Vorteil mit Langzeitwirkung. Und so betreiben wir jetzt „Medizin im Großen“ am Ursprungsort der modernen Pathologie.

Gisela Kempny  ist Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Pathologen

 

Thema

Vorkämpfer für gesundheitliche Prävention

Ulf Fink baut in der Region Berlin/Brandenburg zukunftsfähige Netwerke auf


- Von Maria Borgmann -

Gesundheitsprävention und Qualitätskontrolle in der Medizin und Gesundheitswirtschaft sind die beiden großen Ziele, für die Ulf Fink seine ganze berufliche Erfahrung und sein in Jahrzehnten gesponnenes Netzwerk engagiert einsetzt. Der studierte Diplomvolkswirt begann seine Karriere 1967 im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung unter Hermann Katzer und hatte als CDU-Mitglied zahlreiche hohe Ämter inne. In Berlin war er 1981-1989 Senator für Gesundheit und Soziales, 1985-1992 Mitglied des Abgeordnetenhauses und 1991-1993 Vorsitzender des Landesverbandes der CDU Brandenburg.

Von früh auf galt sein Interesse sozialen und gesundheitspolitischen Fragen, und so hat er z.B. schon in den 1970er Jahren in Nordrhein-Westfalen die ersten Sozialstationen ins Leben gerufen und war 1981 der „Miterfinder“ dieser segensreichen Einrichtung in Berlin. Seit nicht mehr die Politik im Vordergrund der beruflichen Tätigkeit steht, widmet sich Ulf Fink mit aller Kraft und Leidenschaft den beiden erwähnten Themen, die für die Gesundheitspolitik grundlegend sind. 2003 gründete er den Verein „Gesundheitsstadt Berlin“, dem 170 Mitglieder angehören, darunter alle deutschen Banken „und das ganze Feld der Gesundheitswirtschaft.“ 1995 rief er die WISO-Gruppe ins Leben, die Kongresse und Tagungen, Gutachten und Studien sowie Projekte zu sozioökonomischen Themen initiiert. 1996 führte die Gruppe dann unter seiner Leitung den ersten Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin durch, heute neben der Düsseldorfer MEDICA der größte medizinische Kongress in Deutschland.

Fink geht es um die Vernetzung von Partnern und Aktivitäten, die sonst nicht zustande kämen und die auch die Wertschöpfungsketten in Berlin und Brandenburg sichtbar machen. Immer wieder betont er das konkurrenzlos große Potenzial der Region auf dem gesundheitspolitischen und -wirtschaftlichen Gebiet. Awareness ist ein Schlüsselwort, das er immer wieder benutzt und mit dem er aufmerksam macht auf die Qualität in der Medizin, die in Deutschland im Prinzip hochleistungsfähig, aber auch verbesserungswürdig ist und mehr Transparenz braucht. Er rief z.B. den Klinikvergleich im „Tagesspiegel“ ins Leben und entwickelt den Pflegeheimvergleich weiter. Das bedeutet: Alle Aktivitäten, die er anstößt und durchführt, haben auch einen direkten praktischen Nutzwert für die Bürgerinnen und Bürger, ein Ziel, das für Fink zentrale Bedeutung hat. Mehr Qualität statt Quantität ist die Devise, und so setzt er sich auch für Medizinische Versorgungszentren ein, die zum wichtigen Wirtschaftszweig werden und durch Synergien nicht nur dem Kranken nutzen, sondern auch in der Prävention mehr leisten können als der „einzelkämpferische“ Arzt.

No aging, Älterwerden mit gesundheitlichem Wohlbefinden, funktioniert nur mit Prävention. „Die Älteren sind ein Segen, eine Hoffnung für das Land“, so seine Überzeugung, nur müssen sie gesund bleiben. Das ist das „Megathema“ unserer Zeit, und so plant er für 2010 eine Leitkongress-Messe für langes gesundes Leben. Insbesondere die Prävention in Metropolen sieht Fink als ein spezielles Problem, übrigens auch eine besser gerüstete Katastrophenmedizin, wie sie z.B. nach Terroranschlägen gefordert ist. Bei diesem Thema nimmt die Berliner Charité eine führende Rolle ein.

Was den Präsidenten des Kneipp-Bundes e.V. in Harnisch bringt, ist die Tatsache, dass „unser Gesundheitswesen zu 95 % auf Heilung und nur zu 5 % auf Prävention ausgerichtet ist, also haben wir ein Krankenheilungs- und nicht ein „Gesundheitssystem!“ Das möchte Fink mit aller Kraft ändern und dazu beitragen, dass z.B. nicht mehr 30 Milliarden € Kosten für Krankenversicherung und Arbeitsausfälle infolge von Diabetes und Folgekrankheiten anfallen statt der erforderlichen 10 Mrd. für Prävention, bezogen auf die kommenden 10 Jahre. „Wir brauchen ein abgestuftes Vorgehen von Staat, Sozialversicherung und Privaten“, so sein Credo, „eine Belohnung der Gesundheitsbewussten.“ Zu mehr Eigenverantwortung und gesundheitsbewusstem Verhalten, das schon im Kindergarten gefördert werden sollte, will er mit entsprechenden Kampagnen aufrufen ähnlich der AIDS-Kampagne, die er als Berliner Gesundheitssenator begründet hat.

Partnerschaften mit Moskau und der Türkei auf gesundheitspolitischem Gebiet liegen ihm am Herzen, aber auch ein Europa-Projekt zur Verbesserung der Krankenhauskapazitäten. Die Liste seiner Ziele ließe sich fast endlos fortsetzen. Gefragt nach seinen Hobbies nennt er u.a. Tennis und Gitarrespielen (Skiffle-Musik). Und warum immer wieder die Liebe zur Türkei? „Wer Griechenland sucht, findet es in der Türkei.“ Auch das ein „typischer Fink“!

 

Thema

Kommunizieren bis der Arzt kommt

Aktion zur Darmkrebs-Früherkennung bei Bayer Schering


- Von Harald Dudel -

Dass ein engagiertes Pharma-Unternehmen in Sachen Gesundheitsförderung nicht nur nach außen, sondern auch erfolgreich nach innen wirken kann, belegte unlängst Bayer Schering Pharma mit einer spektakulären Aktion: Der Betriebsärztliche Dienst engagierte für die Berliner Firmenzentrale Arzt und Kabarettisten Dr. Eckehard von Hirschhausen, um die Berliner Mitarbeiter zur Darmkrebs-Früherkennung zu motivieren. Die ungewöhnlich hohe Beteiligung der Mitarbeiter zeigt, wie ein gezieltes Zusammenspiel zwischen Unternehmensleitung, betriebsärztlichem Dienst und Interner Kommunikation erfolgreich funktionieren kann.

Wie kommuniziert man Gesundheitsthemen, über die man nicht spricht? Am Besten überhaupt nicht, das dürfte die wohl gängigste Variante sein. Wenn aber die Erfordernis groß und die Chance auf Heilung erheblich ist, dann lohnt sich eine kommunikative Anstrengung allemal. So wie beim Thema Darmkrebs, an dem rund 30.000 Menschen hierzulande jährlich sterben, durch Früherkennung aber größtenteils gerettet werden könnten. Also heißt es, dafür unter den Mitarbeitern zu werben.

Doch im Vorfeld der angestrebten Publikumsbeteiligung muss erst einmal das Interesse der Zielgruppe geweckt und hartnäckige Hemmschwellen überwunden werden. Dies gelang hier offensichtlich: Bei Bayer Schering Pharma in Berlin waren es über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Firmen-Auditorium und einen großen Zusatzraum mit insgesamt über 600 Teilnehmern zur Mittagspause überfüllt haben. Diverse Anrufe und E-Mails sowie eine außerordentlich hohe Klickrate im Intranet belegten auch die hohe Aufmerksamkeit im Nachgang.

Worin bestanden nun die Erfolgsfaktoren dieser Mitarbeiter-Aktion?

An erster Stelle zu nennen sind sicherlich die Sinnhaftigkeit des Themas sowie die Übereinstimmung der nach außen gerichteten Mission eines Pharmaherstellers mit den Angeboten für die Mitarbeiter („innen ist wie außen“). Ebenso zählt der Individuell erfahrbare Nutzwert für die Teilnehmer dieser Früherkennungsaktion: Schließlich bekommen sie gegen eine geringe Schutzgebühr einen ebenso komfortablen wie zuverlässigen Test, der normalerweise von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt wird.

Als kräftiger Erfolgsfaktor erwies sich in diesem Fall auch die Unterstützung durch einen Vorstand, der als „Chief Medical Officer“ selbst Arzt ist und seine Aufgabe auch intern mit großem Engagement wahrnimmt.

Und obwohl eigentlich selbstverständlich: Der konsistente Medieneinsatz. Im Vorfeld der Aktion per Intranet, Handzettel und Plakat. Während der Veranstaltung durch Videoübertragung in einen benachbarten Raum. Und im Nachgang: Angebot einer DVD-Aufzeichnung für alle, die nicht dabei sein konnten, sowie ein Artikel in der Mitarbeiterzeitung.

Auch die angemessenen (aber nicht üppigen) Mittel für professionelle PR-Arbeit stärkten den kommunikativen Auftritt. Sie machten die attraktive Einbindung eines Prominenten wie Dr. Eckehard von Hirschhausen möglich. Voraussetzung zur Nutzung dieses Promi-Effekts als Zugpferd ist allerdings auch der in Unternehmen nicht selbstverständliche Mut zum gezielten Einsatz von Unterhaltungselementen angesichts ernsthafter Themenstellungen. Häufig gilt es ja in deutschen Firmen und Behörden sich mit der Ansicht auseinanderzusetzen, dass Unterhaltung unseriös und daher zu unterlassen sei.

Last but not least: Unterstützend wirkte auch der ethische Aspekt, sich mit der eigenen Früherkennung auch für andere engagieren zu können. Denn die eingenommenen Beträge aus der Test-Abgabe kamen ausnahmslos dem angesehenen Krankenhausclown-Verein „Rote Nasen“ zur Aufheiterung bettlägeriger Krankenhaus-Kinder zugute. Über € 2.500 Mitarbeiter-Spendengelder für die „Roten-Nasen“ im ersten Anlauf – inzwischen bei circa 4.000 Euro – sprechen für sich.

Dass sich eine gelungene Früherkennungs-Kampagne auch noch bei der Felix Burda Stiftung als Wettbewerbs-Beitrag anmelden lässt, dürfte eine Wiederholung für PR-Kollegen in anderen Firmen sicher nicht unattraktiver machen. Auch unter diesem Aspekt ist eine Aktion „Unternehmen gegen Darmkrebs“ ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen.

Stichwort: Felix-Burda-Stiftung

Die Felix Burda Stiftung engagiert sich seit 2002 für die betriebliche Darmkrebsvorsorge. Mehr als 400 Unternehmen wurden bislang von der Stiftung angesprochen und über 90 Firmen haben die Darmkrebsvorsorgeaktion im Rahmen ihres betrieblichen Vorsorgemanagements durchgeführt. Zusätzlich wurden noch zahlreiche Unternehmensaktionen über die Ansprache durch den TÜV Süd und den BKK im Unternehmen e.V. initiiert.

Seit 2004 werden innovative Unternehmensaktionen auch jährlich in der Kategorie „Prevention at Work" mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet.

 

Ergebnisse Mitgliederumfrage

Ergebnisse Mitgliederumfrage: Starkes Interesse für Web 2.0, Lobbying und Public Affairs – Mitglieder sind zufrieden mit der Arbeit der DPRG Landesgruppe Berlin/Brandenburg


 

Neue Mitglieder*

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Neue Rubrik

Dudels MediaMarker

In der neuen Rubrik „Dudels MediaMarker“ nimmt unser Technik engagiertes Vorstandsmitglied Harald Dudel ab sofort Produkte und Trends mit PR-Praxisbezug aufs Korn


ZEN-Wachheit oder PowerPoint-Nickerchen?

Wirksames rezeptfreies Schlafmittel ohne Nebenwirkung gesucht? Wie wäre es mit einer PC-Präsentation im Stil von PowerPoint und ähnlicher Business-Slideware? Denn egal ob bei Unternehmensstrategien, Absatzplanungen oder PR-Kampagnen – in der Mehrzahl dieser Präsentations (un)fälle stellt sich beim Zuschauer zuverlässig der gleiche Erfolg ein: Wegnicken. Und hinterher kann sich kaum jemand an die mitunter mühsam vermittelten Folieninhalte erinnern. Egal ob überflüssiger Überblendungs-Firlefanz zum Einsatz kam oder – deutschtypisch – zu viel Inhalt in viel zu kleiner Schrift auf die Folienfläche entsorgt wurde.

Es ist einfach ermüdend und das in aller Welt. So drastisch sieht es jedenfalls der in Japan lebende Autor und Präsentations-Spezialist Garr Reynolds in seinem Buch „ZEN oder die Kunst der Präsentation“. In dem beim PC-Buchverlag Addison-Wesley erschienenen Band setzt der Präsentations-Professor den global streuenden Slideware-Sandmännern ein erfrischendes japanisches Bento-Menue dagegen.

Bento-Menue? Ja, richtig gelesen, denn das in japanischen Bahnhöfen angebotene Snack-Kästchen für Reisende hat alles, was überladenden PC-Präsentationen meist fehlt: Es ist klar aufs Wesentliche konzentriert, bekömmlich, ästhetisch und vor allem frei von jedwedem (Über-)Blendungsschnickschnack.

Damit sind wir beim Kern der Sache, denn Klarheit und Schnickschnackfreiheit sind dem Autor ein Anliegen. Statt kritiklos alles einzubauen, was das Programm an Effekten anbietet, sollte der Präsentator bewusst entscheiden, welche Informationen er seinem Publikum vermitteln und was er dort bewirken will. Möglichst in funktionaler Schlichtheit. So erklärt sich auch der Buchtitel „Zen Präsentation“: Was die Anhänger dieser fernöstlichen Philosophie als Meditationstechnik praktizieren, läuft wie eine gute Präsentation auf Wachheit und Konzentration auf das Wesentliche hinaus. Und für diese konzentrierte Wachheit als Voraussetzung fürs Ankommen beim Publikum liefert Autor Reynolds auf rund 230 Seiten anschaulich-überzeugende Beispiele aus Industrie, Werbung und Wissenschaft.

Mit anregenden Kommunikations- und Designrezepten und hilfreichen Links ist dieses Buch ein inspirierender Vertreter der Kategorie „das werde ich das nächste Mal aber anders machen“. Allen, die im PR-Umfeld präsentieren müssen, sei es ausdrücklich empfohlen.

Auch die Frage, ob Sie das nächste Mal lieber das Licht ausknipsen sollten beim Präsentieren, können Sie sich nach Lektüre selbst beantworten: Eindeutig ja – sofern Ihre Zuschauer fortan noch bequemer schlafen sollen.

Reynolds, Garr: Zen oder die Kunst der Präsentation. Mit einfachen Ideen gestalten und präsentieren. Deutsche Ausgabe beim Addison-Wesley Verlag, München 2008. ISBN 978-3-8273-2708-6. 230 Seiten, € 29,95.

 

Kommentar

Koch's Rezepte und Reflexionen

Zwischen Bretton Woods und Köln – Anmerkungen zum DPRG-Change-Prozess


 

Umzug

Neues Domizil der DPRG Bundesgeschäftsstelle in Berlin


 

AK Unternehmer

Arbeitskreis für PR-Unternehmerinnen und Unternehmer im Landesverband Berlin/Brandenburg gegründet