
| Ausgabe 20 / Dezember 2008 | |||
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KommentarKoch's Rezepte und ReflexionenZwischen Bretton Woods und Köln – Anmerkungen zum DPRG-Change-Prozess
Im November 2008 hat Bundespräsident Köhler eine Grundsatzrede vor dem „European Banking Congress 2008“ gehalten. Köhler rechnet dort mit Banken und „Bankern“ ab. Bei genauerer Betrachtung jedoch gibt er einen kritischen Kommentar zur aktuellen Lage von Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt. Ein Kommentar, der in vielen Passagen Hinweise enthält, aus denen sich zwanglos auch Analogien und Hinweise für unsere Profession ableiten lassen. 1944 legte die Konferenz von Bretton Woods, die Köhler in seiner Rede erwähnt, den Grundstein für eine marktwirtschaftliche, arbeitsteilige Weltwirtschaftsordnung nach dem II. Weltkrieg. Gut zehn Jahre später im Jahre 1958 gründeten in Köln – auf Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland – 16 Persönlichkeiten aus der deutschen Industrie die DPRG als ersten deutschen Verband zur Interessensvertretung von Public Relations Professionals. Einer der wichtigsten Köpfe dieser Gründung war Albert Oeckl, der den Begriff der „Öffentlichkeitsarbeit“ erfand und den Verband über viele Jahre mit seiner PR-Definition prägte. Für ihn und die Kollegen „im Club“ war PR „das bewusste, geplante und dauerhafte Bemühen, gegenseitiges Vertrauen in der Öffentlichkeit aufzubauen und zu pflegen.“ Vertrauen war der zentrale Begriff eines für lange Zeit gültigen PR-Verständnisses, zumindest im deutschsprachigen Raum. Und Vertrauen war auch eine wichtige Basis für das „System von Bretton Woods“. Bretton Woods und Köln hatten eines gemeinsam: Sie erfolgten aus einem Grundkonsens für eine gemeinsame Sache – hier die neue Weltwirtschaftsordnung, dort die neue „Vertrauens“-Ordnung in der Kommunikation und der Public Relations. Spätestens mit der globalen Finanzmarktkrise im Jahr 2008 ist der Konsens von Bretton Woods endgültig verloren gegangen und bedarf nun eines grundlegenden Erneuerungsprozesses. Nach Köhler sollte dieser Prozess in einer neuen, internationalen Wirtschafts- und Finanzordnung bestehen, die sich dadurch legitimiert, dass sie sich in den Dienst der globalen Menschheitsaufgaben (z.B. Armut, Klimawandel) stellt. Expressis verbis fordert er eine Revitalisierung der sozialen Marktwirtschaft, wobei er für das „europäische Modell von Freiheit“ plädiert, welches sich „an sozialen Ausgleich bindet“. Des Weiteren spricht er insbesondere die „kreativen Köpfe“ des Landes an, sich aktiv an diesem Erneuerungsprozess zu beteiligen, der sich letztendlich am Gemeinwohl orientiert. Auch in unserer Branche ist der Grundkonsens der Gründerväter im Laufe der Jahrzehnte offenbar abhanden gekommen. Alte, lieb gewonnene, aber inzwischen „patinöse“ oder gar verbrauchte Begriffe und Systeme der Public Relations taugen heute nicht mehr, neue und vor allem nachhaltige sind noch nicht gefunden. Der Begriff „PR“ etwa ist in manchen Kontexten so etwas wie ein Schimpf- und Schmähwort (PR-Gag) geworden. Was liegt also näher, als sich in einem grundlegenden Erneuerungs- und Change-Prozess der gemeinsamen Fundamente zu versichern und zu klären, was konsensfähig ist und neue Wegmarken und Messlatten für die Zukunft der Branche in Richtung Kommunikationsmanagement zu finden. Genau dies macht zur Zeit die DPRG mit ihrem frisch angestoßenen „Change-Prozess“, der bundesweit und auf allen Verbandebenen geführt wird bzw. geführt werden soll. Eine Orientierung unserer Profession an den „globalen Menschheitsaufgaben“ könnte dabei auch ein gewisser Kompass sein, Nabelschau und Branchen-Egoismen zu überwinden. Bringen Sie sich also ein, um an einem „zweiten Köln“ für die deutsche „PR-Zunft“ mitzuwirken und mitzugestalten. Mischen Sie aktiv mit und diskutieren Sie den neuen Weg des Verbandes in die nächsten fünf Jahrzehnte. Denn: „Kommunikation geht weiter!“ |