Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 21 / August 2009 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  

Thema

Europagetwitter und Kreidekreis


"StudiVZ, twitter, facebook – neue Medien nutzen! Kultur, Bildung, Handygebühren, Klima – Themen wählen, die ankommen! Krumme Gurke - Mythen schnell entmythisieren!" Das waren einige der Vorschläge, die 20 junge Medienmacher bei einem Workshop "Europa mal anders" unterbreiteten. EU-Kommission, Jugendpresse Deutschland e.V. und Heinz-Schwarzkopf-Stiftung hatten vor der Europawahl zur Diskussion eingeladen, wie man junge Menschen für Europa interessiert und an die Wahlurne lockt.

Vieles davon haben Europäisches Parlament, EU-Kommission und ihre Partner auf allen Ebenen in ihrer Kampagne zur Europawahl umgesetzt. Und trotzdem: Die Erstwähler blieben in Scharen weg, nur knapp über 20 Prozent von ihnen gaben in Berlin ihre Stimme ab. Reicht es also nicht, die Jugendlichen über die neuen Medien anzusprechen? Zu erwarten, dass sie einem nachtwittern oder ein Kommentar zum Gurkenblog schreiben?

Ja, wir müssen die Jugendlichen dort erreichen, wo sie sich tagtäglich für ein paar Stunden bewegen: in den Social Networks im World Wide Web. Doch die meiste Wach-Zeit verbringen sie in der Regel immer noch in der Schule, in der Ausbildung oder in der Uni. Wenn es darum geht, Jugendlichen europäische Themen näher zu bringen und in ihnen ein Selbstverständnis als Bürger Europas zu wecken,  haben Lehrerinnen und Lehrer eine Schlüsselfunktion. Und auch hier gilt: Gesät wird im Frühjahr.

Eine Studie der EU-Kommission über die europäische Dimension in Rahmenlehrplänen deutscher Bundesländer hat gezeigt, dass Europa immer noch zu wenig Aufmerksamkeit im Unterricht findet. Die Vermittlung europäischer Themen in einzelnen Fächern und Jahrgangsstufen weist große Unterschiede auf, und Lehrkräfte beklagen die Komplexität europäischer Themen und den fehlenden Zugang zu geeigneten Informationen.

Die EU-Kommission hat deshalb einen Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf die Bereitstellung von ergänzenden Unterrichtsmaterialien, den Besuch in und von Schulen sowie Angebote zur Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern gelegt.

Für die Grundschule haben wir – professionell beraten vom renommierten Grundschulpädagogen Prof. Dr. Rudolf Schmitt - "Entdecke Europa – Europa in der Grundschule" herausgegeben. Die kostenlosen Arbeitsblätter mit begleitendem Lehrerheft können fächerübergreifend und für verschiedene Klassenstufen angewendet werden. Die erste Auflage von 30 000 Exemplaren war innerhalb von vier Wochen vergriffen. Eine zweite folgt Ende des Jahres.

Um die Lehrer wirkungsvoll zu unterstützen, müssen die Materialien an die jeweiligen Lehrpläne - 16 in Deutschland -  angepasst sein. Deshalb arbeitet die EU-Kommission in Deutschland eng mit den Bundesländern zusammen. Gemeinsam mit dem Land Berlin, dem LISUM Berlin-Brandenburg und der Europäischen Akademie Berlin hat sie den Europa-Koffer für Lehrkräfte der 9., 10. und 13. Jahrgangsstufen erstellt. Mit seinen praktischen Beispielen, wie die EU alle Bürger im Alltag betrifft, ist er mittlerweile ein Vorbild für andere Bundesländer geworden. 200 Koffer für  Berlin waren binnen kurzer Zeit vergriffen. Auch die für September geplante Neuauflage erfreut sich schon großer Nachfrage.  Nach diesem Erfolg planen Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg ähnliche Koffer. 

Europa braucht informierte und engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihrer Überzeugung die jungen Europäer von heute und morgen anstecken, mündig und aktiv dieses Europa mitzugestalten. Ihnen versucht die Europäische Kommission mit ihren Angeboten an Materialien und Fortbildungen ein kompetenter Ansprechpartner zu sein.  

Detlev Clemens
Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland
Leiter der Kommunikationsabteilung