
| Ausgabe 21 / August 2009 | |||
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Interview„Sie wollen wie Erwachsene behandelt werden …“Im Gespräch mit Nicolai Schley, Geschäftsführer der ElementarFilm Medienproduktion über politische Jugendkommunikation
Nicolai Schley, Wie können Jugendliche mit dem Medium Film für politische Themen sensibilisiert werden? Welche Vorteile bietet das Medium gegenüber anderen, um junge Menschen zu aktivieren und für Politik zu begeistern? Die Redaktion der „Streusandbüchse“ sprach mit Nicolai Schley, Geschäftsführer der ElementarFilm Medienproduktion über politische Jugendkommunikation. Redaktion: Herr Schley, wie nutzen Sie das Medium Film in der politischen Jugendkommunikation? Schley: Es gibt aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten, Filme in der politischen Kommunikation mit Jugendlichen zu nutzen. Zum einen kann man gemeinsam mit Jugendlichen einen Film zu politischen Themen herstellen. Zum Beispiel im Rahmen eines Filmworkshops. Dadurch setzen sich die Jugendlichen intensiv mit bestimmten Inhalten auseinander. Es gibt aber auch die Variante, einen Informationsfilm für Jugendliche zu drehen. Bei unseren Filmen, die speziell für Jugendliche konzipiert sind, spielen gesellschaftspolitische Themen, wie beispielsweise der demografische Wandel oder Fragen der Migration, eine große Rolle. Redaktion: Sind solche Informationsfilme für Jugendliche nicht ziemlich langweilig? Schley: Nein, wenn wir sie produzieren nicht ... Das Medium Film ist bei Jugendlichen sehr beliebt. Außerdem sind Filme in den hier angesprochenen Kontexten in der Regel kurz. Wenn man nur wenige Minuten zur Verfügung hat, darf man sich nicht in Details verlieren. Wir vermitteln deshalb kurze, verständliche Botschaften. Trotzdem zeigen wir im Film die gesamte Bandbreite eines Themas auf. Auf diese Weise erzeugen wir Neugierde, die durch den Film selbst nicht befriedigt wird. Das macht den Jugendlichen Lust auf mehr. Redaktion: Worauf muss man besonders achten, wenn man Jugendliche ansprechen möchte? Schley: Bei einem Informationsfilm mit politischem Inhalt geht es ja darum, Jugendlichen etwas bewusst zu machen. Dafür ist es wichtig, mit den Inhalten an den wichtigen Fragen und Perspektiven der Lebensphase anzudocken. Natürlich darf man bei Jugendlichen nicht das gleiche Vorwissen wie bei Erwachsenen voraussetzen, manche Fachbegriffe müssen erklärt werden, doch ganz wichtig ist, die Jugendlichen ernst zu nehmen. Sie wollen wie Erwachsene behandelt werden. Staatstragend daher zu kommen kann uncool sein, aber nichts ist peinlicher als „gewollt cool“, dafür sind Jugendliche sehr sensibel. Und man sollte natürlich die Sehgewohnheiten der Jugendlichen aufgreifen, also flotte, clippige Erzählweisen nutzen oder sich beispielsweise in der Bildsprache an Serien orientieren die gerade „in“ sind. Redaktion: Wie hat die Arbeit mit den Jugendlichen deren Sichtweise auf Politik verändert? Schley: In unseren Filmworkshops erarbeiten Jugendliche gemeinsam Inhalte und setzen sie um. Kommen die Teilnehmer aus unterschiedlichen europäischen Nationen, entsteht schnell so etwas wie ein erweitertes europäisches Bewusstsein. Außerdem motiviert es Jugendliche ungemein, wenn sie selber kreativ sein und Ideen entwickeln können. Das weckt Interesse an dem Gegenstand und an dem Thema, mit dem sie sich beschäftigen. Sie beginnen, sich politische Fragen zu stellen. Wenn es um den eigenen Film geht, sind inhaltliche Sachfragen, die vorher noch langweilig erschienen, plötzlich sehr spannend und wichtig. Da sitzen viele dann nach einem anstrengenden Workshoptag noch am PC, um zu recherchieren. Bei all dem zeigt sich, dass der Prozess der Filmherstellung selbst schon „politisch“ ist. Filmemachen ist Teamarbeit. Außerdem geht es in unseren Workshops darum, zu kommunizieren, Arbeitsteilung zu organisieren, sich miteinander auf eine gemeinsame Richtung zu einigen und diese dann an der Realität zu erproben. Die kurze Film- und Produktionszeit zwingt alle Beteiligten dazu, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen. Redaktion: Vielen Dank!
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