
| Ausgabe 20 / Dezember 2008 | |||
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| Die 2004 in Berlin gegründete ElementarFilm Medienproduktion ist Spezialist für sozial- und gesellschaftspolitische Informationsfilme. ElementarFilm hat u. a. für das Bundespresseamt Filmworkshops für Jugendliche organisiert. Bei den Workshops ging es beispielsweise um die Europäische Union oder den Tag der Deutschen Einheit. Darüber hinaus drehte ElementarFilm Informationsfilme für das Jugend-Online-Portal der Bundesregierung „Schekker“. Diese behandelten gesellschaftspolitische Themen wie Integration, Rechtsstaatlichkeit oder demographischer Wandel. |

Allein im ersten Halbjahr 2009 hat Bürger Europas e.V. über 10.000 junge Leute und Europapolitiker vieler demokratischer Parteien bei Foren zusammengebracht. Welch Gelegenheit, unsere Demokratie mit Leben und frischem Wind auszufüllen. Welche Chance für junge Menschen ihren Volksvertretern mit kritischen Fragen und Statements auf den Zahn zu fühlen und für Politiker, am Puls der jungen Generation zu sein. Wirklich genutzt haben diese Chance auf beiden Seiten nur wenige. Die Mehrzahl der jungen Leute war für ein qualifiziertes, kontroverses Gespräch mit Politikern, abseits von Parolen, Klischees und Bildzeitungsüberschriften, schlicht überfordert oder einfach nicht bereit. Zu viele der Politiker hatten vergessen, dass Interesse und Lust auf Europa eng mit ihrer persönlichen Begeisterungsfähigkeit verbunden ist. Die Problemfelder in Europa sind gegenwärtig nun wirklich groß und interessant genug, um ein Feuerwerk von Fragen aus dem Publikum abzubrennen. Kein Politiker dürfte aus der Aula ohne deutliche Schweißspuren entlassen werden. Andererseits ist die EU solch ein „Steinbruch“ an mitreißender und problemgeladener Politik, dass lang anhaltender Applaus für unsere Europapolitiker durchaus erreichbar sein sollte. Mein Fazit: „Ich kann Kanzler“ war ein guter Test für unsere junge Elite. Wir brauchen „Ich kann Politik“ für die breite Mehrheit unserer jungen Menschen und bedauerlicherweise auch für viele Politiker! Nicht als Fernsehshow, sondern als lebendiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. 43 Prozent gesamteuropäische Wahlbeteiligung und das Erstarken der antieuropäischen Fraktion im Europaparlament sollten dafür ein deutlicher Warnschuss sein.
Peter Wolf
Geschäftsführer
Bürger Europas e.V.
"StudiVZ, twitter, facebook – neue Medien nutzen! Kultur, Bildung, Handygebühren, Klima – Themen wählen, die ankommen! Krumme Gurke - Mythen schnell entmythisieren!" Das waren einige der Vorschläge, die 20 junge Medienmacher bei einem Workshop "Europa mal anders" unterbreiteten. EU-Kommission, Jugendpresse Deutschland e.V. und Heinz-Schwarzkopf-Stiftung hatten vor der Europawahl zur Diskussion eingeladen, wie man junge Menschen für Europa interessiert und an die Wahlurne lockt.
Vieles davon haben Europäisches Parlament, EU-Kommission und ihre Partner auf allen Ebenen in ihrer Kampagne zur Europawahl umgesetzt. Und trotzdem: Die Erstwähler blieben in Scharen weg, nur knapp über 20 Prozent von ihnen gaben in Berlin ihre Stimme ab. Reicht es also nicht, die Jugendlichen über die neuen Medien anzusprechen? Zu erwarten, dass sie einem nachtwittern oder ein Kommentar zum Gurkenblog schreiben?
Ja, wir müssen die Jugendlichen dort erreichen, wo sie sich tagtäglich für ein paar Stunden bewegen: in den Social Networks im World Wide Web. Doch die meiste Wach-Zeit verbringen sie in der Regel immer noch in der Schule, in der Ausbildung oder in der Uni. Wenn es darum geht, Jugendlichen europäische Themen näher zu bringen und in ihnen ein Selbstverständnis als Bürger Europas zu wecken, haben Lehrerinnen und Lehrer eine Schlüsselfunktion. Und auch hier gilt: Gesät wird im Frühjahr.
Eine Studie der EU-Kommission über die europäische Dimension in Rahmenlehrplänen deutscher Bundesländer hat gezeigt, dass Europa immer noch zu wenig Aufmerksamkeit im Unterricht findet. Die Vermittlung europäischer Themen in einzelnen Fächern und Jahrgangsstufen weist große Unterschiede auf, und Lehrkräfte beklagen die Komplexität europäischer Themen und den fehlenden Zugang zu geeigneten Informationen.
Die EU-Kommission hat deshalb einen Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf die Bereitstellung von ergänzenden Unterrichtsmaterialien, den Besuch in und von Schulen sowie Angebote zur Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern gelegt.
Für die Grundschule haben wir – professionell beraten vom renommierten Grundschulpädagogen Prof. Dr. Rudolf Schmitt - "Entdecke Europa – Europa in der Grundschule" herausgegeben. Die kostenlosen Arbeitsblätter mit begleitendem Lehrerheft können fächerübergreifend und für verschiedene Klassenstufen angewendet werden. Die erste Auflage von 30 000 Exemplaren war innerhalb von vier Wochen vergriffen. Eine zweite folgt Ende des Jahres.
Um die Lehrer wirkungsvoll zu unterstützen, müssen die Materialien an die jeweiligen Lehrpläne - 16 in Deutschland - angepasst sein. Deshalb arbeitet die EU-Kommission in Deutschland eng mit den Bundesländern zusammen. Gemeinsam mit dem Land Berlin, dem LISUM Berlin-Brandenburg und der Europäischen Akademie Berlin hat sie den Europa-Koffer für Lehrkräfte der 9., 10. und 13. Jahrgangsstufen erstellt. Mit seinen praktischen Beispielen, wie die EU alle Bürger im Alltag betrifft, ist er mittlerweile ein Vorbild für andere Bundesländer geworden. 200 Koffer für Berlin waren binnen kurzer Zeit vergriffen. Auch die für September geplante Neuauflage erfreut sich schon großer Nachfrage. Nach diesem Erfolg planen Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg ähnliche Koffer.

Europa braucht informierte und engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihrer Überzeugung die jungen Europäer von heute und morgen anstecken, mündig und aktiv dieses Europa mitzugestalten. Ihnen versucht die Europäische Kommission mit ihren Angeboten an Materialien und Fortbildungen ein kompetenter Ansprechpartner zu sein.
Detlev Clemens
Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland
Leiter der Kommunikationsabteilung
Europa ist unsere Zukunft - das gilt besonders für die junge Generation. Doch viele Jugendliche haben kein Interesse an Europa oder fühlen sich politischen Gestaltungsaufgaben nicht gewachsen. Vor diesem Hintergrund hat das
Beratungsunternehmen IFOK für die Robert Bosch Stiftung die Initiative Jugend denkt Europa konzipiert. Politische Jugendkommunikation kann nur im Dialog funktionieren. Jugendliche müssen die Möglichkeit haben, sich an politischen Gestaltungsaufgaben zu beteiligen. Nur so gelingt es, junge Menschen für politische Fragen zu begeistern. Das ist eines der entscheidenden Prinzipien von Jugend denkt Europa.
Jugend denkt Europa bringt Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren mit Politikern zusammen. Spielerisch sensibilisiert das Innovationsspiel junge Menschen für Politik, begeistert sie für Europa und ermutigt sie, sich politisch zu engagieren und europäisch zu denken. Die Methodik und der Programmablauf des Innovationsspiels basieren auf der von der Wrigley GmbH unterstützten Initiative Jugend denkt Zukunft, die bereits mehr als 280 Unternehmen und über 12.000 Jugendliche zusammengebracht hat. Jugend denkt Europa ist ein fünftägiges Rollenspiel, das in verschiedenen Regionen Deutschlands sowie parallel in jeweils einem europäischen Partnerland stattfindet. Als Politiker unterschiedlicher Parteien haben die Schülerinnen und Schüler während des Spiels die Mission,
die Zukunft Europas zu gestalten. In ihrer Rolle erfahren sie, wie Europapolitik funktioniert und warum sie wichtig ist. Sie erleben die Praxis, entwickeln Visionen und beschäftigen sich mit der Frage „Wie setzen wir unsere Ideen um und wie realistisch sind sie?“. Dabei werden sie von Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik unterstützt. Am letzten Spieltag präsentieren die Jugendlichen „echten“ Politikern ihre Ideen. So wird Europa für die Jugendlichen erlebbar, Politik wird greifbar.
Unterstützt von der Robert Bosch Stiftung, in Zusammenarbeit mit dem Network of European Foundations (NEF) startete 2008 die Pilotphase von Jugend denkt Europa. Während dieser Phase beteiligten sich 18 Schulen aus ganz Deutschland an der Initiative. Mit dabei waren Schülerinnen und Schüler aus Berlin und Potsdam, aus der Metropolregion Rhein-Neckar, aus der Lausitz, aus dem Großraum Duisburg sowie aus Nürnberg und Stuttgart. Parallel dazu fand Jugend denkt Europa in Tschechien, Slowenien, Estland, Großbritannien und Spanien statt. Die Jugend denkt auch in Zukunft Europa: weitere Informationen unter www.jugend-denkt-europa.de.
Ein Personalie dieser Tage, nachzulesen in den einschlägigen Infodiensten: Christoph Crone (31) wird ab 1. Oktober neuer Geschäftsführer des Backzutatenverbands Bonn/Wien.
Um ehrlich zu sein: als erstes musste ich lachen. Es gibt offenbar tatsächlich einen „Backzutatenverband“. Mit Verbandssitz in Bonn und Wien! Was aber macht, zu welchem Zwecke und Ende braucht es einen Backzutatenverband? Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verband? Politische Bedeutung? Gesellschaftliche Relevanz? Kundennutzen? Wo es doch längst einen Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. gibt, eine Vereinigung Deutsche BackTechnik e.V., einen Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI) und natürlich den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL).
Nun, wie wir auf www.backzutatenverband.de nachlesen können, vertritt der Backzutatenverband vor allem die Unternehmen seines spezifischen Wirtschaftszweiges, einer typischen Zulieferindustrie. Dazu gehören Backmittelhersteller, aber auch Produzenten von Backgrundstoffen wie z. B. Backaromen, Rohmassen verschiedener Herkunft, Convenience-Produkten, Trennmitteln, Enzymen und Stärke. Auch Hersteller von sogenannten „Teiglingen“ sind Mitglied. Wir beginnen zu verstehen: Mit Eiern und Schmalz, Zucker und Salz, Milch und Mehl ist heute kein Kuchenteig mehr zu gewinnen. Mit herkömmlichem Safran alleine auch nicht.
Die Welt ist auch im Bäcker- und Konditorenhandwerk größer und komplexer geworden. Der Backzutatenverband selbst, gegründet (wie wir auf der Homepage lernen) am 4. November 1948, ist seinerseits Mitglied in der FEDIMA, dem europäischen Dachverband der Backmittel- und Backgrundstoffhersteller. Den Vorstandsvorsitz des Verbandes hat Bernd Dieckmann inne, Geschäftsführer der IREKS GmbH (Johann Ruckdeschel Et Söhne, Kulmbach), einem weltweit führenden Unternehmen mit über 1900 Mitarbeitern. Kooptiertes Mitglied im zehnköpfigen Verbandsvorstand ist Frau Prof. Dr. Bärbel Kniel von der biotask AG in Esslingen, die auch als 1. Vorsitzende des Backmittelinstituts e.V. fungiert.
Neben vielen klassischen Aufgaben der Verbandsarbeit kümmert sich der Backzutatenverband, wie es heißt, „um die Sammlung des branchenspezifischen Wissens, um die Marktbeobachtung und um die Förderung der wissenschaftlichen Forschung im Bereich der Lebensmitteltechnologien und –wissenschaften“. Hierzu gibt es neuerdings ein „Wissensforum Backwerk“.
Und nun wird es spannend. Denn seit mehreren Jahren engagiert sich der Verband im Leitprojekt Zöliakie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Hintergrund: Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung in Europa sind von der sogenannten Zöliakie betroffen, einer lebenslangen Unverträglichkeit auf das sogenannte „Klebereiweiß“ Gluten, das in verschiedenen Getreiden, vor allem Weizen und verwandten Pflanzen wie Dinkel, Kamut, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt. Damit ist Gluten Bestandteil vieler unserer Lebensmittel. Bei glutenempfindlichen Personen löst das Gluten eine Entzündungsreaktion im Darm mit massiver Schädigung der Dünndarmschleimhaut aus. In der Folge können nicht mehr genügend Nährstoffe über den Darm in den Körper aufgenommen werden und es treten entsprechende Mangelerscheinungen auf.
Eine Zöliakie kann sich in jedem Lebensalter entwickeln und zeigt sich dann in individuell unterschiedlichsten Formen, was eine korrekte Diagnose sehr schwierig macht. Symptome wie Magen- und Darmbeschwerden, aber auch starke Kopfschmerzen oder dauernde Müdigkeit bis hin zu schweren Langzeitfolgen infolge eines erhöhten Osteoporose- und Darmkrebsrisikos können auftreten.
Problem unserer Ernährung: Etwa achtzig Prozent der Eiweißmenge im Mehlkörper des Weizenkorns bestehen aus Gluten. Gluten wiederum setzt sich aus den sogenannten Gliadinen und Gluteninen zusammen. Bei der Anmischung des Teiges mit Wasser bilden diese beiden Gluten-Eiweiße ein netzartiges Gebilde, das den Teig durchzieht und für die Qualität der Backprodukte entscheidend ist. Die Glutenine verleihen dem Teig beim Backvorgang Festigkeit und Elastizität, die Gliadine sorgen für seine Dehnbarkeit und damit die notwendige Stabilität bei der Bildung von Gasbläschen durch die Hefen. Gemeinsam ermöglichen die beiden Eiweiße die Bildung des vom Verbraucher geschätzten, lockeren und schmackhaften Gebäcks mit poröser Krume.
Das wichtigste Ziel des oben Forschungsprojekts war deshalb, qualitativ gleichwertige Backwaren für Zöliakie-Betroffene ohne die für sie schädlichen Bestandteile des Glutens herzustellen. Mehr dazu in Wieser H., Kim J.-J., Köhler P., Folck A., Becker D.: Charakterisierung von transgenem Weizen mit stark reduziertem a-Gliadinanteil. In: Getreidetechnologie 60: 98-101 (2006).
Kurzum: Es ist den Fachleuten gelungen, mit Hilfe gentechnischer Methoden die sogenannten Alpha-Gliadingene dauerhaft auszuschalten. Forschungsportokoll: „Aus den im Gewächshaus gezüchteten Weizenpflanzen wurde das Mehl für die anschließenden Backversuche hergestellt. Dabei wurde deutlich, dass Alpha-Gliadine keine Bedeutung für die Backfähigkeit eines Weizenmehls haben: Das eingesetzte Alpha-gliadinfreie Weizenmehl lieferte einen Teig mit gleichen rheologischen Eigenschaften wie beim normalen Weizenmehl auf. Diese Ergebnisse haben aufgrund der festgestellten Toxizität der Glutenine keine Bedeutung mehr für Zöliakie-Betroffene.“
Wir sehen, es bedarf nur weniger Rechercheschritte um festzustellen, dass moderne Backzutaten aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Wir erahnen, welche Fragen in Kreisen der Backzutatenhersteller (Fachtagung 2005 „Die Chemie des Brotes“) aktuell sind. Und wir begreifen die Dimensionen moderner Forschung und Entwicklung im Backzutatengewerbe: An die acht Millionen Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit können demnächst aufatmen – und künftig dank moderner Gentechnologie sorgenfreier zum Bäcker und ins Caféhaus gehen. Große Themen und viele kleine Schritte, Abstimmungen, Fachtagungen, Expertisen, Projekte und Protokolle. Genug Arbeit also für den neuen Geschäftsführer des Backzutatenverbandes. Glück auf, Herr Crome. Dass der Laden läuft, dafür sorgt seit vielen Jahren die Verbandsgeschäftsführungsassistentin Martina Bröcker. Im September ist Jahrestagung. Im Juni gehen die Einladungen raus. Schwerpunktthema: XYZ. Deutschland, eifrig Verbändeland.

Matthias Koch
Als Georg W. Bush noch Präsident war, kannte man vor allem in den amerikanischen Medien das Phänomen des „Bush-Bashings“. Der Präsident gab hierzu im Laufe seiner langen Amtszeit auch reichlich Anlass. Einiges jedoch von diesem „Bush-Bashing“ war nur eine Art Zeiterscheinung und ließ eher auf die - mehr oder minder gut getarnten - Absichten des „Schlägers“ als auf die bösen Absichten des „Geschlagenen“ schließen.
In letzter Zeit fällt auf, dass sich – insbesondere auch Mandatsträger – unseres Berufs-verbandes bundesweit mit zunehmender Lust an einer Art „DPRG-Bashing“ beteiligen, so als würden sie von einem anderen Verband sprechen und nicht von ihrem eigenen oder gar dafür entlohnt werden. Verwundert reibt man sich die Augen oder traut seinen Ohren nicht, was es da an Bösartigkeiten oder gar übler Nachrede gibt, die an den alten Spruch in Bezug auf Parteifreunde erinnern: Feind, Erzfeind, Partei-Freund. Auf unseren Familienclub gemünzt hieße diese Klimax: Feind, Erzfeind, Verbands-Kollege.
Doch es gibt gravierende Unterschiede zwischen einem Berufsverband, wie wir es sind und einer politischen Partei: Unser Berufsstand, wenn wir ihn so definieren wollen, ist klein und von seiner Personenzahl her recht überschaubar. Die DPRG zählt zwar inzwischen knapp 3.000 Mitglieder, doch selbst eine kleine Partei kommt auf hohe fünfstellige Mitgliederzahlen. Des Weiteren gibt es im Verband keinen wirklichen „Apparat“ mit den dazugehörigen „Apparatschiks“. Mit anderen Worten: Wir sind im Kern eine ehrenamtlich organisierte Vereinigung mit ganz wenigen „hauptamtlichen“ Kräften. Und: man kann sich in unserer Branche nicht wirklich aus dem Weg gehen. Anders gesagt: Wenn jemand sich in einer Parteigliederung daneben benimmt oder mal einen kräftigen Spruch loslässt, geht das in gewisser Weise unter. Dies ist in unserem Verband und der kleinen Branche, in der wir uns tummeln, nicht der Fall. Im Gegenteil: Man begegnet sich hier mehr als nur zwei Mal. Ob man dies mag oder nicht.
Allein schon aus diesen Gründen ist das verbandsinterne „DPRG-Bashing“ eine zwei-schneidige und letztendlich Image-schädigende Veranstaltung für alle Beteiligten. Und zwar insbesondere auch für den aktiven „Basher“. Damit ist übrigens nicht gemeint, notwendige und sachlich berechtigte Kritik im Verband an passender Stelle zu formulieren und vorzutragen. Konstruktive Kritik ist eine der wichtigsten Triebfedern der innerverbandlichen Meinungsbildung. Das Wie dieser Kritik jedoch sollte unter Berufs-kollegen wieder eine andere Rolle spielen als es zur Zeit der Fall ist.
Überlassen wir in Zukunft also das „DPRG-Bashing“ und die personenbezogene üble Nachrede den üblichen Verdächtigen außerhalb des Verbandes, die es schon immer besser wussten oder die noch aus grauer Vorzeit ein Hühnchen mit der DPRG zu rupfen haben oder die Verbände ohnehin für überflüssige Veranstaltungen halten. Sie werden uns nicht nach vorn bringen, sondern schaden, wo sie nur können. Es geht letztlich um die Wiedergewinnung einer verbandsinternen Gesprächs- und Streit-Kultur, die den Beinamen „Kultur“ verdient und in welcher der Respekt vor der Person – auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse – wieder ernst genommen wird.
Matthias Koch