Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 21 / August 2009 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  

Editorial

Politik – Jugend – Kommunikation

Bei der Europawahl 2004 haben lediglich 30 Prozent der Jungwählerinnen und -wähler (18 – 25 Jahre) ihre Stimme abgegeben. Eine Umfrage der Bundeszentrale für politische Bildung lässt vermuten, dass die Beteiligung dieser Wählergruppe an der Europawahl 2009 ähnlich niedrig gewesen sein könnte. Dies ist angesichts der allgemein niedrigen Wahlbeteiligung nicht verwunderlich, wohl aber bedenklich. Die Generation, um deren Zukunft es geht, bleibt den Wahlurnen fern.

Unternehmen haben die Bedeutung der Jugendkommunikation bereits seit längerem erkannt. Sie tun dies, um ihre Aufgabe als gesellschaftlich verantwortliches Unternehmen wahrzunehmen oder um sich mit den Zielgruppen von morgen auseinanderzusetzen. Doch wie sieht es in der politischen Kommunikation aus? Was tun politische Institutionen, um Jugendliche für Politik zu begeistern? Wie erklären sie Jugendlichen, dass ihr Engagement gefragt und für eine lebendige Demokratie wichtig ist? Wir halten diese Fragen im Superwahljahr 2009 für aktueller denn je.

Vier Organisationen, die intensiv politische Jugendarbeit betreiben, geben auf diese Fragen eine Antwort. Da ist zum einen die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Sie setzt unter anderem auf Lehrerinnen und Lehrer als Multiplikatoren für die europäische Idee. Gemeinsam mit dem Land Berlin, dem LISUM Berlin-Brandenburg und der Europäischen Akademie Berlin hat sie einen „Europa-Koffer“ für Lehrkräfte der 9., 10. und 13. Jahrgangsstufen erstellt. Bürger Europas e. V. wiederum setzt auf europapolitische Aufklärungsarbeit und versucht, in Diskussionsrunden den Abstand zwischen dem politischen Geschehen, zwischen politischen Akteuren und der Alltagswelt junger Menschen zu verringern. Peter Wolf, Geschäftsführer von Bürger Europas e. V., zieht in dieser Ausgabe eine eher pessimistische Bilanz. Die Robert Bosch Stiftung hat dagegen während der Pilotphase des Projektes Jugend denkt Europa eine andere Erfahrung gemacht: 75 Prozent der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler fanden es "ermutigend” und "motivierend“, dass sich Experten für ihre Meinung interessieren. Sie bekamen nach eigenen Angaben das Gefühl, dass politisches Engagement sich lohnt und ihre Stimme gehört wird. Auch Nicolai Schley, Geschäftsführer der ElementarFilm Medienproduktion berichtet über begeisterte Jugendliche bei Film-Workshops zu politischen Themen.

Fazit: Politische Jugendkommunikation funktioniert nur in Form eines echten Dialogs. Junge Menschen wollen – genau wie Erwachsene - an politischen Fragen und Aufgaben beteiligt werden. Es reicht nicht, sie gelegentlich um ihre Stimme zu bitten. Es gilt, Jugendlichen den Weg zur Politik zu weisen und ihnen Angebote zu machen, die sie dazu ermutigen, sich politisch zu engagieren.

Zum Thema Dialog und Engagement äußern sich in dieser 21. Streusandbuechse.de schließlich noch Matthias Koch, Vorsitzender des DPRG-Arbeitskreises Public Affairs und unser erprobter Glossenschreiber Achim Kühne . Ersterem geht es um die verbandspolitische Streit- und Diskussionskultur der DPRG. Letzterem um die kommunikative Tiefenpolitik des „Backzutatenverbandes“.

In diesem Sinne wünschen wir unterhaltsame Lektüre und ein gesundes, erfolgreiches Wahljahr 2009.

Herzlich

Gerhard Mahnken und Maike Althaus

 

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