
| Ausgabe 21 / August 2009 | |||
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KommentarKochs Rezepte und ReflexionenDPRG-Bashing – über ein verbandsinternes Phänomen
Als Georg W. Bush noch Präsident war, kannte man vor allem in den amerikanischen Medien das Phänomen des „Bush-Bashings“. Der Präsident gab hierzu im Laufe seiner langen Amtszeit auch reichlich Anlass. Einiges jedoch von diesem „Bush-Bashing“ war nur eine Art Zeiterscheinung und ließ eher auf die - mehr oder minder gut getarnten - Absichten des „Schlägers“ als auf die bösen Absichten des „Geschlagenen“ schließen. In letzter Zeit fällt auf, dass sich – insbesondere auch Mandatsträger – unseres Berufs-verbandes bundesweit mit zunehmender Lust an einer Art „DPRG-Bashing“ beteiligen, so als würden sie von einem anderen Verband sprechen und nicht von ihrem eigenen oder gar dafür entlohnt werden. Verwundert reibt man sich die Augen oder traut seinen Ohren nicht, was es da an Bösartigkeiten oder gar übler Nachrede gibt, die an den alten Spruch in Bezug auf Parteifreunde erinnern: Feind, Erzfeind, Partei-Freund. Auf unseren Familienclub gemünzt hieße diese Klimax: Feind, Erzfeind, Verbands-Kollege. Doch es gibt gravierende Unterschiede zwischen einem Berufsverband, wie wir es sind und einer politischen Partei: Unser Berufsstand, wenn wir ihn so definieren wollen, ist klein und von seiner Personenzahl her recht überschaubar. Die DPRG zählt zwar inzwischen knapp 3.000 Mitglieder, doch selbst eine kleine Partei kommt auf hohe fünfstellige Mitgliederzahlen. Des Weiteren gibt es im Verband keinen wirklichen „Apparat“ mit den dazugehörigen „Apparatschiks“. Mit anderen Worten: Wir sind im Kern eine ehrenamtlich organisierte Vereinigung mit ganz wenigen „hauptamtlichen“ Kräften. Und: man kann sich in unserer Branche nicht wirklich aus dem Weg gehen. Anders gesagt: Wenn jemand sich in einer Parteigliederung daneben benimmt oder mal einen kräftigen Spruch loslässt, geht das in gewisser Weise unter. Dies ist in unserem Verband und der kleinen Branche, in der wir uns tummeln, nicht der Fall. Im Gegenteil: Man begegnet sich hier mehr als nur zwei Mal. Ob man dies mag oder nicht. Allein schon aus diesen Gründen ist das verbandsinterne „DPRG-Bashing“ eine zwei-schneidige und letztendlich Image-schädigende Veranstaltung für alle Beteiligten. Und zwar insbesondere auch für den aktiven „Basher“. Damit ist übrigens nicht gemeint, notwendige und sachlich berechtigte Kritik im Verband an passender Stelle zu formulieren und vorzutragen. Konstruktive Kritik ist eine der wichtigsten Triebfedern der innerverbandlichen Meinungsbildung. Das Wie dieser Kritik jedoch sollte unter Berufs-kollegen wieder eine andere Rolle spielen als es zur Zeit der Fall ist. Überlassen wir in Zukunft also das „DPRG-Bashing“ und die personenbezogene üble Nachrede den üblichen Verdächtigen außerhalb des Verbandes, die es schon immer besser wussten oder die noch aus grauer Vorzeit ein Hühnchen mit der DPRG zu rupfen haben oder die Verbände ohnehin für überflüssige Veranstaltungen halten. Sie werden uns nicht nach vorn bringen, sondern schaden, wo sie nur können. Es geht letztlich um die Wiedergewinnung einer verbandsinternen Gesprächs- und Streit-Kultur, die den Beinamen „Kultur“ verdient und in welcher der Respekt vor der Person – auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse – wieder ernst genommen wird. Matthias Koch |