
| Ausgabe 22 / Mai 2010 | |||
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10117 – Aus der Mitte der Hauptstadt betrachtetSteffen Ritter über Berliner Eigenarten
„Für 250 Gäste hatte ich ein Buffet bestellt, aber nur 140 Gäste folgten unserer abendlichen Einladung“, klagte mir neulich ein Gastgeber, Hauptgeschäftsführer eines großen Verbandes, sein Leid. „Das ist typisch Berlin“, sagen die frisch zugezogenen Berliner. „Das ist doch Usus bei zu vielen Abendeinladungen“, kontern die Partygänger mit Frequent Status. „Das ist schlechtes Benehmen“, sage ich! x Dass Eventplaner in Berlin mittlerweile mit einer „no show“-Rate von 25% kalkulieren, ist bedauerlich genug. Aber schließlich wird ein Teil davon wiederum durch dreiste Gäste aufgefangen, die sich zwar nicht angemeldet hatten, dann aber doch die Lust zur Teilnahme verspürten. Frei nach dem Motto: „Dann werden wir wenigstens satt, beim Lesen unserer E-Mails auf dem Blackberry“. Wie oft schon standen wir neben elegant gekleideten Damen und Herren, die sich am Empfangstresen einer Veranstaltung entrüsteten, zwar nicht zugesagt, trotzdem eingelassen werden zu wollen. Zur Not kann man ja alles auf die schusselige Sekretärin schieben. Leider, liebe Kolleginnen und Kollegen, macht dieser Trend – und das finde ich besonders bedauerlich – auch vor der DPRG keinen Halt. Planbarkeit war gestern. Das „Ich bin so frei“ Gefühl muss wohl ein Berliner Phänomen sein. Lassen Sie uns gemeinsam wieder zurückfinden zur Verbindlichkeit. Es ist nur zu verständlich, dass Gastgeber be- und geachtet, also wertgeschätzt werden möchten. Und Wertschätzung kann so einfach sein: freundlich zusagen, teilnehmen und ein interessierter Gast sein. Wie sagte mir kürzlich eine Münchner Eventmanagerin kopfschüttelnd über die Berliner Gewohnheiten: „Gästelisten sind dafür da, unhöfliche Gäste durch höfliche zu ersetzen“. Wie recht die Bayern haben können. Steffen Ritter ist Vorsitzender der DPRG-Landesgruppe Berlin/Brandenburg. |