Streusandbuechse.de - Kommunikation in Berlin & Brandenburg
  Ausgabe 21 / Mai 2010 Information der DPRG Berlin/Brandenburg  
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Editorial

Kommunikation im Wandel

Der Kommunikationsraum Berlin/Brandenburg hat es in sich: Nirgendwo prallen Eigenlogiken von Stadt und Land, von unterschiedlichen Mentalitäten, Werthaltungen und Erfahrungen so stark aufeinander wie in der Hauptstadtregion. Produktive Gegensätze bergen dabei ungeahnte Chancen, die immer erst durch gute Kommunikationsarbeit ans Licht kommen und ihren Weg in die Welt finden können. Keine Frage: Die kommunikative, sozialräumliche Integration des Stadtstaates Berlin und des Flächenlandes Brandenburg schreitet mit großen Schritten voran. Davon können Sie sich, liebe Leser, in dieser Ausgabe der Streusandbuechse.de einmal mehr überzeugen.

Kommunikationsprofis unterschiedlichster Couleur übernehmen in der Region 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung nach wie vor große Vermittlungsaufgaben. Wir tragen deshalb Verantwortung im Transformationsprozess. Wir gestalten den andauernden Prozess der Annäherung. Wir können Brücken bauen. Damit dies so bleiben kann, brauchen wir zwischendurch eine selbstkritische Sicht auf den Stand der Dinge – das ist auch der rote Faden, den die Autorinnen und Autoren in dieser 22. Streusandbuechse.de zwischen ‚Zentrum’ und so genannter ‚Peripherie’ verfolgen.

Ihnen viel Freude beim Lesen!

Gerhard Mahnken

gerhard.mahnken@dprg.de

 
 

Thema

Eine herzlose Nachbarschaft


-Von Heinz Kannenberg -

Das Verhältnis der Länder Brandenburg und Berlin ist anhaltend schwierig und nicht konfliktlos. Selbst beim Projekt des Flughafens Berlin Brandenburg International, bei dem beide nur Gewinner sein werden, werden Rivalitäten insbesondere bei Ansiedlungen im Flughafenumfeld politisch zumindest nicht unterbunden und wird die Nutzung von gemeinsamen Potenzialen dadurch verzögert. Oder: Die Berliner Justizsenatorin misstraut einem "Häftlingsaustausch", obwohl die finanzielle Vernunft danach ruft. Denn in Brandenburg gibt es in den Haftanstalten ungenutzte Plätze und in Berlin zu wenige. Dennoch wollen die Berliner eine neue Haftanstalt bauen. Ganz so, als hätte man noch ein altes Westberliner Portemonaie gefunden.

Es ist jedoch vor allem eine herzlose Nachbarschaft zwischen Brandenburg und Berlin. Zwischen Berlinern und Brandenburgern gibt es allenfalls zunehmend Arbeitsbeziehungen von gegenseitigem Vorteil. Das ist zweifellos schon eine Menge. Doch eine Fusion Berlin-Brandenburg wird damit längst nicht zum Herzens-Thema. Der Funke will nicht überspringen. Es fehlt auch die politische Vorlage. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck versteckt sich hinter scheinbaren und tatsächlichen Ängsten seiner Landsleute und lässt politische Führung vermissen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit geringschätzt das Umland und schaut als Großstädter lieber hochnäsig auf das platte Brandenburger Land.

Berlin und Brandenburg werden jedoch vor allem mehr Lebensqualität für die Menschen erreichen -  egal ob auf gemeinsamem oder getrenntem Weg  - wenn sie ihre Potenziale auch gemeinsam nutzen. Dabei wird Berlin der Metropolen-Motor sein. Das kleine Brandenburg kann durch das international bekannte Zugpferd Berlin nur gewinnen, wie umgekehrt aber auch. Die dadurch mögliche Entwicklungsdynamik in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg birgt mehr Chancen für eine zügigere Angleichung der Ost-West-Lebensverhältnisse als in anderen ostdeutschen Regionen. Doch es fehlt beiden Landesregierungen derzeit noch der Wille für eine solche politische Gestaltungskraft.

Die Medien in Brandenburg und Berlin ziehen sich weitgehend als Chronisten zurück. Sie berichten gelegentlich über sogenannte Konflikte zwischen beiden Ländern oder inszenieren sie zuweilen. Landeskorrespondenten in Potsdam und Berlin beschreiben häufig beschaulich oder zugespitzt die Lage im Flächenland Brandenburg ohne das Land zu betreten. Sie holen ihre Argumente und Meinungen aus den Hinterzimmern der Politiker an Havel und Spree. Berliner und Brandenburger Journalisten müssen mehr Themen durch die Erfahrungen von Menschen vor Ort entdecken, recherchieren und beschreiben. Dazu müssen vor allem mehr Berliner Journalisten das Land Brandenburg bereisen statt mit dem Fernglas in die Uckermark oder nach Frankfurt (Oder) zu schauen. Dann würden Klischees wie Verblödung und Versteppung sich nicht so undifferenziert ausbreiten. Selbst der Rundfunk Berlin-Brandenburg demonstrierte in seiner Sendung vor den Landtagswahlen mit den Spitzenkandidaten mit thematisch undifferenzierten Einspielern, wie entrückt Journalisten im Funkhaus in Potsdam von der tatsächlichen Lage der Menschen im Flächenland sind.

Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist eine Chancen-Region. Dies vor Ort zu erleben und zu recherchieren sowie dann konkret zu beschreiben, ist auch eine Chance für die Medienmacher in beiden Ländern, vor allem ihrem Informationsauftrag gerecht zu werden. Leider bieten insbesondere ostbrandenburgische Grenzstädte dafür mit ihrem unzureichenden Marketing keine guten Vorlagen. Die ehemalige DDR-Bezirksstadt Frankfurt (Oder) ziert sich immer noch selbstbewusst als schönster Vorort von Berlin mit dem ReisePlus polnische Nachbarschaft zu werben. Denn in knapp 60 Minuten ist der Berliner mit dem Regionalexpress vom Zentrum der Weltmetropole an der deutsch-polnischen Grenze. Am östlichen Oderufer lohnt es sich dabei längst nicht nur, billig zu tanken oder Zigaretten einzukaufen. Berlin und Brandenburg mit dem benachbarten Polen als gemeinsamer Erlebnisraum gewinnt für die Menschen, ihre Freizeit zu gestalten, eine immer größere Bedeutung und könnte deutschlandweit als touristischer Geheimtipp vermarktet werden. Wer weiß beispielsweise schon, dass es in Slubice einen Golfclub gibt und dieser dem Golfverband Berlin-Brandenburg angehört? Und wer sich gegenseitig beispielsweise auch mal bei einer Rast während einer Radtour im Dorfkrug in Criewen kennenlernt, baut vielleicht Vorurteile über Uckermärker ab und entdeckt auch brandenburgische Herzlichkeit. Medien in Berlin und Brandenburg bieten dafür zunehmend Service; die Märkische Oderzeitung jeden Donnerstag eine ganze Beilage WO?Hin!

Vielleicht schafft es ja auch Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister von Berlin bis zum Ende seiner Amtszeit 2011, was zahlreiche ausländische Präsidenten und Regierungschefs schon getan haben, doch noch mal über die Stadtbrücke von Frankfurt (Oder) nach Slubice zu gehen. Und wo ein Politiker ist, sind auch Journalisten. Auch Reisen in die Nachbarschaft bildet. So viel Normalität muss sein.

 

10117 – Aus der Mitte der Hauptstadt betrachtet

Steffen Ritter über Berliner Eigenarten


 

Interview

Ohne Widerspruch geht es nicht

Ein Interview mit Brigitte Faber-Schmidt zum Thema Demokratie und Demokratiebewegungen


Frau Faber-Schmidt, was ist für Sie Demokratie?

Etwas, das tagtägliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen, dem eigenen Lebensumfeld, mit Projektpartnern, mit unterschiedlichen Akteuren bedeutet. Demokratie als gelebte Demokratie ist sicherlich immer etwas anstrengend, weil es bedeutet, sich verständigen, sich positionieren, Dinge aushandeln zu müssen.

Also eher eine komplizierte als eine einfache Sache.

Auf jeden Fall. Auch wenn Demokratie die Grundlage unserer Gesellschaft ist, muss das demokratische Handeln jeden Tag neu errungen werden.

Ist Brandenburg ein guter Ort für Demokratie?

Es ist nicht unbedingt leichter dort als in anderen Bundesländern. Das hat mit den Strukturen zu tun: die große Fläche, die weiten Entfernungen, die demografische und ökonomische Entwicklung. Auf diese Schwierigkeiten will auch Kulturland Brandenburg antworten. Viele Künstler und kulturelle Akteure sind Einzelkämpfer, die vor Ort unter schwierigen Bedingungen etwas bewegen. Für diese bieten wir eine Plattform.

Wozu dient diese Plattform?

Zur künstlerischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, aber auch zur Vernetzung und zur eigenen Selbstverständigung. Das muss nicht dazu führen, dass alle Akteure an einem Strang ziehen. Aber man lernt die Positionen kennen und kann sich damit auseinandersetzen.

Es gibt in Brandenburg ja auch das Bedürfnis nach den eher einfachen Antworten auf die schwierigen Fragen. Viele Schüler, das ist das Ergebnis mehrerer Untersuchungen, könnten eine Demokratie nicht von einer Diktatur unterscheiden. Sind das Alarmsignale? Oder gehört das zur schwierigen Nachwendegeschichte des Landes dazu?

Natürlich hat das mit den Umbruchsituationen zu tun, die bis heute anhalten. Und natürlich muss man allzu einfachen Erklärungsmustern begegnen. Auch da, denke ich, sind kulturelle Mittel hilfreich. So kann neben dem kognitiven Lernen über eigenes Erleben eine neue Erfahrungsebene geschaffen werden. Auch zu dem Thema, was es heißt, Position zu beziehen, sich auseinanderzusetzen, sich durchzusetzen, vielleicht aber auch den Kürzeren zu ziehen, andere Meinungen und Erfahrungen zu akzeptieren.

An welche künstlerischen Mittel denken Sie?

An kulturpädagogische Angebote, aber auch grundsätzlich an alle künstlerischen Sparten. Im Theater beispielsweise können Schüler ganz anschaulich den Umgang mit schwierigen, zugespitzten Situationen nachvollziehen.

Haben Sie Verständnis für diejenigen, die sagen: Soziale Sicherheit ist mir wichtiger als Freiheit?

Ich weiß, dass einige so denken. Ich finde dies jedoch sehr problematisch. Da wird vieles verklärt, wenn es heißt: Damals musste man zwar das eine oder andere in Kauf nehmen, aber so schlecht war es auch nicht, vor allem war für die soziale Sicherheit gesorgt, und der soziale Zusammenhalt war größer. Da wird schnell vergessen, dass es dem Großteil der Menschen heute materiell nicht schlecht geht. Von der Freiheit und den demokratischen Rechten, den Möglichkeiten gesellschaftlicher und politischer Partizipation ganz zu schweigen.

Wenn der Staat und die öffentlichen Hände ihre Mittel kürzen, trifft es die Kultur nicht selten zuerst. Ein – zugegebenermaßen weit hergeholtes – Beispiel aus Argentinien zeigt: Während der Finanzkrise 2001 war dort Kultur ein Lebensmittel, an dem zuletzt gespart wurde, der kostenlose Besuch in der Oper inbegriffen. Was ist Kultur für Sie in diesem Zusammenhang?

Kultur und kulturelle Partizipation sind gesellschaftlich und nicht zuletzt auch bildungspolitisch wichtig. Also müssen sie auch finanziert werden. Gerade in der aktuellen Finanzkrise wird ja immer wieder darauf hingewiesen, dass es ein Vorteil ist, nicht über die Maßen von Kultursponsoring durch Unternehmen abhängig zu sein. Schließlich gibt es bei uns eine öffentliche Kulturförderung. Diese zu erhalten ist wichtig, darum muss man kämpfen.

Muss Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz?

Da bin ich skeptisch. Wichtiger als ein Gesetzesrang ist, dass man das Thema lebt und die Bedeutung von Kultur gesellschaftlich verankert ist. Kultur ist nichts Zusätzliches, nichts Aufgesetztes. Kultur ist auch das, was die Gesellschaft zusammenhält.

Berlin hat die Hochkultur und die Subkultur. Brandenburg hat die Kulturpädagogik. Widerspruch?

Sicher sind die Rahmenbedingungen in Brandenburg anders als in einem verdichteten Raum wie Berlin. Aber auch innerhalb von Brandenburg gibt es große Unterschiede. Die Berlin-nahen Städte, wie zum Beispiel auch Potsdam, profitieren natürlich von der urbanen Struktur der Hauptstadt. Aber auch im ländlichen Raum gibt es viele Akteure, die dort, in der Provinz, etwas bewegen, ohne die Rückbindung an die Metropole aus den Augen zu verlieren. Soll heißen, dass man dies gar nicht mehr als reinen Gegensatz beschreiben kann. Die künstlerische Praxis, ob in der Stadt oder auf dem Land, ist viel vernetzter als früher.

Brigitte Faber-Schmidt ist Mitglied im Vorstand der DPRG-Landesgruppe Berlin-Brandenburg und Vorstandsvorsitzende sowie Geschäftsführerin des Vereins Kulturland Brandenburg e.V., der die Konzeption, Planung, Organisation und Durchführung der gleichnamigen Dachkampagne im Land Brandenburg zur Aufgabe hat.

Das Gespräch führte Uwe Rada, die Fotos machte Jürgen Hohmuth. Das vollständige Interview und die Bilder sind im Band "Bürgerland Brandenburg" bei Koehler & Amelang erschienen.

 

Thema

Berlin: Baustelle mit Charme


- Von Dr. Martina Sprotte -

Ich bin in Hamburg geboren! Das verpflichtet! Zum Beispiel dazu, auf den begeisterten Ausruf vieler Gesprächspartner, das sei ja nun wirklich die schönste Stadt der Welt, mindestens mit einem sehnsüchtigen Seufzer zu reagieren.

Ich lebe seit zehn Jahren in Berlin! Das verpflichtet! Zum Beispiel dazu, auf den begeisterten Ausruf vieler Gesprächspartner, das sei ja nun wirklich die spannendste Metropole Deutschlands, wenn nicht sogar Europas,  mindestens mit großstädtischer Nonchalance zu reagieren.

Ehrlich gesagt, ich gerate jedes Mal ins Schleudern! Denn ich liebe diese Stadt und ziehe sie Hamburg mittlerweile deutlich vor, aber wohl aus Gründen, die die wenigsten verstehen können. Ich finde das Leben hier großartig, weil Berlin vor allem eins ist: unperfekt. 

Das Wort gibt es nicht? Egal, ich finde, es beschreibt diesen Ort auf das Zutreffendste:  Denn der Kurfürstendamm ist fraglos prächtig. Dort wie in der Friedrichstraße vermitteln die Geschäfte und Flashipstores sicher auch großstädtisches Flair. Unter den Linden kann zweifellos  mit einer der Pariser Prachtstraßen mithalten. Wir haben drei Opernhäuser,  ein trutziges rotes  Rathaus und vielleicht auch bald wieder ein niegelnagelneuesaltes Schloss auf der Brache, auf der vor wenigen Jahren interimsweise „Erichs Lampenladen“ stand.

Aber seien wir mal ehrlich: Dies ist trotzdem keine Großstadt, sondern eine Ansammlung von Baustellen!!  Und damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass es auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in manchen Straßen abschnittsweise immer noch so aussieht, wie 1989, dass man an den Bürgersteigen erkennen kann, ob man sich im Osten oder im Westen der Stadt aufhält und dass es Baustellen gibt, die aussehen, als ob sie nie verschwinden werden. Auch nicht die vermutlich einmalige Irrwitzigkeit, mit der hier  frisch geteerte Straßen, hergerichtete Plätze und neu gepflasterte Wege  nach kürzester Zeit wieder aufgerissen werden, weil koordiniertes Handeln wohl im Bereich des Unmöglichen angesiedelt ist.

Ich meine mit Baustellen durchaus im Positiven die vielen Orte in dieser Stadt, an denen ständig aktive Veränderungen stattfinden: Und zwar um des Veränderns willen – nicht im Streben nach Perfektion. Dazu gehören die kleinstädtischen Kieze mit ihren unterschiedlichen und wechselnden Charakteren, ihrer Stadteilkultur, die abwechslungsreicher kaum sein kann, und die internationale Bevölkerung. Dazu gehört, dass man sich in Berlin am besten an nichts gewöhnt: Nicht an den tollen Italiener oder die nette Bar – nach sechs Monaten sind dort ein Thailänder und ein Strumpfhosengeschäft. Dass man das Tempo dieser Stadt akzeptiert: Neue Kinofilme sind nach sechs Wochen vom Spielplan verschwunden, wer Opernkarten erst nach Erscheinen der lobenden Premierenkritik kaufen will, zieht den Kürzeren. Andersherum allerdings: Wer beschließt, abends ins Theater zu wollen, hat in Berlin angesichts der unglaublichen Auswahl gute Chancen, etwas Ansprechendes zu finden.

Die Liste der „Baustellen“ ließe sich endlos weiterschreiben, der Platz hier ist begrenzt. Deswegen kurz, aber deutlich: Ich mag Berlin, denn hier habe ich begriffen, dass eine Dauerbaustelle viel Charme haben kann – weil sie in ihrer „Unperfektion“ überall Platz für Individualität bietet. Einmalig!

 

Gastbeitrag

Berliner Wildschweine im kommunikativen Wandel


- Von Jörg Gruhl -

Berlin ist längst nicht mehr nur die Hauptstadt aller Deutschen, sondern auch der Wildschweine. Das verkündete zumindest ein NDR-Film. Für ihre Recherchen und Filmaufnahmen brauchten die Filmemacher dabei keinen großen Zeitaufwand zu fürchten. Während frühere Tierfilmer, wie Grzimek oder Sielmann einst noch geduldig in der Wildnis auf ihre Filmmotive warteten, gehen Sielmanns Erben nun einfach in den Stadtpark oder an der nächsten Bushaltestelle ihrem Beruf nach. Und der Stoff verkauft sich gut. Wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die bewegten Bilder laufen, verkauft Tierfotograf Florian Möller zahlreiche Bildbände über die wilden Tiere Berlins. Sein beliebtestes Motiv ist das gefährlichste Tier, das unsere heimische Fauna bietet: Das Wildschwein. An dieser Spezies scheiden sich öffentliche und veröffentlichte Meinung.

Geduld ist die höchste jagdliche Tugend. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Wartens im Blätterwald auf hintergründige Berichterstattung wirft im März 2010 der Feuilleton-Chef der Welt endlich die Frage auf, ob die Zivilisation die bessere Wildnis sei. Kenntnisreich schildert der Autor, selbst Jäger, warum die Großstadt ein Refugium für viele Tierarten ist. Er schließt mit dem Gedanken, dass „die Städter, die in Sachen Stadtnatur noch einiges lernen müssen, zum Beispiel, dass wilde Tiere auch in der Stadt wilde Tiere bleiben, denen man mit Vorsicht und Respekt zu begegnen hat. Da gibt es einfach noch zu wenig Kultur im Umgang mit der Natur.“ Der Appell verhallt ungehört. Während sich Vorgartenbesitzer und professionelle Gärtner um Schadensbegrenzung mühen, füttern vermeintlich tierliebe Hauptstädter die Zuwanderer, von Einsicht keine Spur. Die Presse nimmt diesen Umweltfrevel noch gelassen hin. Zwar schreibt manchmal ein Kolumnist über die Schändlichkeit solchen Tuns, doch echte Schelte setzt es in der Presse selten. Das mag sich ändern, sobald der erste Kollateralschaden aufgetreten ist. Wildtiere sind unberechenbar, sie wehren sich mit Angriffen und verbreiten Krankheiten.

Ungehörte Warnungen auch in Sachen bewusster Wildschweinfütterung. An einigen Ecken der Berliner Forsten warten die Schwarzkittel teilweise pünktlich auf Zuwendungen, die ihnen meist von den legendären Wilmersdorfer Witwen dargereicht werden. Was passiert, wenn die an die Nähe des Menschen gewöhnten Tiere einmal nicht gefüttert werden? Sie betteln, so wie Nachbars Bello, der sein Leckerchen einfordert. Allerdings hat das domestizierte Haustier Hund den Umgang mit Menschen gelernt und ist nicht halb so gefährlich wie die Bettler aus dem Wald. Stupst eine Wildsau einen Menschen an, kann das fatale Folgen haben. Scharfe, lange Eckzähne, die der Jäger nicht umsonst Waffen nennt, bohren sich in den Oberschenkel. Schwere Verletzungen oder gar Verbluten des Opfers sind die Folge.

Dessen ungeachtet und trotz geltender medialer Warnungen freut sich der Hauptstädter am Anblick der neu gewonnen ökologischen Vielfalt in seinen Parks und den Boulevards. Sie wird als ein Stück neu gewonnene Natur seiner urbanen Umgebung empfunden. Doch wehe, wenn eine Sau mal einen Hund auf offener Straße angreift, dann rauscht es im Gemüt der tierliebenden Gemeinde und im Berliner Blätterwald.

Jörg Gruhl ist PR-Berater (DAPR)

 

Vor Ort

Zu Gast bei der „Föderation der Ideen“:

Ein Agenturbesuch bei fischerAppelt in Berlin


 

Dudels MediaMarker

Blog around the Clock

Unter dem Namen „Bloggie“ liefert Sony eine unauffällige Notizkamera für Netzvideos


- Von Harald Dudel -

Dass "Content der King ist", davon haben wir alle wahrscheinlich schon mal gehört. Dumm nur für Kommunikatoren, dass selbiger nicht auf Bäumen wächst und auch die gleichnamige Burger-Kette nicht Einschlägiges in dieser Richtung zu bieten hat. Wie gut dagegen, dass sich inzwischen die „vorjournalistische“ Schreibform Blog breitgemacht hat. Und die ist nicht nur auf Text beschränkt, wie uns eine „Fun- Videokamera“ mit dem leicht anbiedernden Namen „Bloggi" anbieten will.

Dieses jüngste Produkt aus der Sony-Videofamilie sieht zwar aus wie eine Mischung aus Handy und Kosmetikrasierer mit Schwenkkopf. Das Erstaunliche ist aber: Das zierliche Aufnahmeschächtelchen liefert HD-nahe Bildqualität in Postkartengröße nebst verständlichem Ton. Vor allem aber ist es genial einfach in der Bedienung.

Sehr praxisorientiert zeigt sich auch das „angewachsene“ USB-Kabel mit eingebauter Software; Das Material vom Bloggie eigenen bis zu 4 Gigabyte großem Memory Stick lässt sich damit problemlos auf dem PC schneiden – beispielsweise mit Adobes Premiere pro.

Doch der Hauptvorteil des Geräts besteht darin, dass es absolut nicht aussieht wie eine Videokamera. So filmt es sich (Rechtslage beachten!) garantiert unbemerkt. Dazu trägt auch der um 270 Grad schwenkbare Objektivkopf bei.  Mit einer Armeslänge Abstand kann man sich vor entsprechendem Hintergrund filmen und seine Statements wie einst Peter Arnett auf dem Hoteldach in die Kamera sprechen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Der

Der Vergleich ist gar nicht so abwegig, denn trotz ihrer Einstufung als „Spaßkamera“ ermöglichen Bedienbarkeit und Aufnahmequalität auch einen Einsatz als kommunikatives Korrektiv, wenn beispielsweise mal wieder irgendwo auf der Welt eine Staatsmacht durchdreht.

Für uns als PRler ist sie hilfreich, wenn dokumentationsreife Touchpoints für den Kunden abzulichten sind – oder Mitarbeiter auf visuelle Entdeckungstour geschickt werden. Geeignet auch als attraktiver Gewinner-Preis (zirka 190 Euro) zum Ausloben.

Somit  steht bei einer Akkulaufzeit von zirka einer Stunde einem „Blog around the Clock“ zumindest aus technischer Sicht nichts mehr im Wege.

Einen allzu freihändigen Filmstil a la Lars von Trier sollte man dabei aber nicht pflegen. Denn von der eingebauten „Zitterbremse“ ist nicht allzu viel zu erwarten.

Weitere Infos: https://www.sonystyle.de/SonyStyle/bloggie%26%238482%3B/

 

Rezension

Zur „Dankstelle“ bitte „zweimal klopsen“

„Übelsetzungen“ Band drei liefert die neuesten unfreiwilligen Übersetzungsknüller