
| Ausgabe 23 / Januar 2011 | |||
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10117 – Aus der Mitte der Hauptstadt betrachtetZielscheibe Publikum
Eine beliebte Prüfungsfrage innerhalb der PR-Berater-Prüfung der PZOK beschäftigt sich mit der klassischen Zielgruppendefinition. „Beschreiben Sie doch einmal die von Ihnen ausgewählte Zielgruppe etwas näher“ wird darum der Prüfling gebeten. Die Antworten klingen dann manches Mal etwas unbedarft. Kurzum: Wie in der täglichen PR-Praxis – also im richtigen Leben – werden nicht selten Konzeptionen erarbeitet, ohne eine blasse Ahnung von den Erwartungen, Bedürfnissen und Grenzen der angepeilten Zielgruppe zu haben. Oftmals wird verkannt, dass wir als Verbraucher und Nutzer von Informationsangeboten selbst Zielgruppe der einen oder anderen Kampagne und Information sind. Aber wollen wir wirklich so angesprochen, so einseitig informiert werden? Würden wir uns von unserer eigenen PR einnehmen lassen? Hat es nicht auch etwas mit Ethik und Moral unseres Berufsstandes zu tun, wie sehr wir Menschen „verführen“ wollen und uns selbst verführen lassen? Wohltuend daher für mich, auf dem DPRG-Forum in München zu erleben, wie sehr sich Vertreter unserer Zunft und einige Arbeitsgruppen zunehmend Gedanken zur Ethik und den Kodizes in der PR machen. Wir sind ja nicht ausschließlich PR-Fachleute, sondern auch mündige Bürger. Wie haben sich große Interessensverbände aus dem Werbeagentur-Bereich ereifert, als vor zwei Jahren die Werbung per Telefonanruf verboten wurde. Und wie habe ich mich gefreut, abends nicht mehr von störenden Werbeanrufen belästigt zu werden. Da trifft es doch wohl die alte Weisheit „Was du nicht willst das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu“. Denken wir daran, täglich sind auch wir als Zielgruppe im Fokus unserer Kollegen: hin und wieder mit Begeisterung, oftmals auch mit Unbehagen! Deshalb sollten wir die Kodizes unseres Berufsstandes weiterentwickeln und täglich praktizieren. Oder zumindest öfter daran denken! Steffen Ritter ist Vorsitzender der DPRG-Landesgruppe Berlin/Brandenburg. |