
| Ausgabe 23 / Januar 2011 | |||
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Kommentar:Ins Netz gegangen? Social Media und Politische Kommunikation- Von Matthias Koch - Kaum ein Thema wird in diesen Tagen in der Public-Affairs-Branche häufiger diskutiert als die Auswirkungen von Social Media. Zweifelsfrei lässt sich der technische Fortschritt nicht aufhalten. Man findet inzwischen nur noch wenige Protagonisten aus dem „Politischen Berlin“, die nicht mit einem BlackBerry oder einem „I-Phone“ ausgestattet sind. Ebenso wenig findet man Kolleginnen und Kollegen, die nicht im Web 2.0 unterwegs sind. Es wird munter „getwittert“, „gefacebooked“ oder „gexingt“. Aber was ändert sich neben der Technik im Kommunikationsverhalten? Wird politische Meinungsbildung mittlerweile vorwiegend im www erzeugt? Und welche Rolle spielen dabei Social Media im professionellen Alltag? Sind sie eine Bereicherung oder gar der Weisheit letzter Schluss für die PA-Branche oder für PR insgesamt? Zweifel sind angebracht. Meines Erachtens verhält es sich mit der sogenannten Revolution durch Social Media ähnlich wie mit anderen technischen Fortschritten in der Mediengeschichte: Sie bekommen im Laufe der Zeit ihren festen Platz im Kommunikationsmix. Dies geschieht eher beiläufig, schleichend. Dabei ist es doch sonnenklar, dass PA-Professionals aus der „cyber generation“ unbefangener mit den neuen Möglichkeiten umgehen als jemand aus der alten „Bonner Käseglocke“ der Politik. War das Telefongespräch noch das wichtigste Führungsinstrument von Altkanzler Helmut Kohl, wird Angela Merkel unterdessen nachgesagt, sie regiere vor allem mit Hilfe von SMS. Dennoch: Das persönliche Gespräch, die Face-to-Face-Kommunikation hat nichts Wesentliches an ihrer Bedeutung für Lobbying und Politische Kommunikation verloren. Vertrauen entsteht nicht Web allein. Hier müssen virtuelle und reale Lebenswelten zusammenkommen, damit das Bild vollständig wird. Auch lässt sich – so etwa jüngst Miriam Meckel mit Bezug auf den britischen Anthropologen Robin Dunbar – pro Person ein „Portfolio“ von vielleicht maximal 150 „Freunden“ pflegen.5.000 Menschen à la Facebook übersteigen jedoch die Möglichkeiten bei weitem. Überdies: Man darf gespannt bleiben, wie sich die Diskussion um Datensicherheit weiterentwickelt. Hier gibt es nicht erst seit der Affäre um WikiLeads und seinen Gründer aus der Hacker-Szene erheblichen Diskussions- und Handlungsbedarf über eine international akzeptierte Trennungslinie zwischen Transparenz und wohl verstandenem Datenschutz. Kurzum: Ein Schuss gesunder Skepsis bleibt im Zusammenhang mit den neuen Möglichkeiten von Social Media weiterhin angebracht. Die Zeit der Naivität ist definitiv vorbei. Matthias Koch ist Vorsitzender des DPRG-Bundesarbeitskreises Public Affairs |