
| Ausgabe 23 / Januar 2011 | |||
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KommentarWeltWissen - 300 Jahre Wissenschaften in Berlin: Ein Ausstellungsbesuch- Von Maria Borgmann - Mit großem Anspruch wirbt die Ausstellung „WeltWissen – 300 Jahre Wissenschaften in Berlin“ derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau am Ende des Berliner Wissenschaftsjahres um Besucher. Dank eines beträchtlichen Etats und unter Beteiligung der führenden großen Wissenschaftsinstitutionen zeigt sie „anhand von Berliner Objekten, Forschenden und Institutionen den Facettenreichtum vergangener und aktueller Forschung.“ Sie will „Wissenschaft als Abenteuer, Suche, Experiment und Streit … für Berliner und Nichtberliner, Kinder, Studierende und Erwachsene“ präsentieren. Das geschieht in drei Bereichen: Im Lichthof mit der Installation „Objekte der Wissenschaft“, mit den „Etappen Berliner Wissenschaften“ und den „Wissenswegen“. Die gigantische Lichthofinstallation soll den Besucher einfangen, die kaum entschlüsselbare Fülle soll ihn faszinieren. Das tut sie auch, man ist erschlagen, staunt, möchte Informationen zu einzelnen besonders interessanten Objekten – und beginnt zu suchen. Es gibt keinen Hinweis, dass die auf der Galerie befindlichen „Fernrohre“ zu einzelnen Exponaten die Mindestinformation liefern. Die freundliche Besucherbetreuerin zieht auf Befragen eine Sammlung kleinstgedruckter Seiten hervor, auf denen, wenn man Glück hat, zu dem Objekt x die entsprechende Information zu finden ist. Dass die kaum merkliche Rundung der Riesenregalanlage die Erdkrümmung symbolisieren soll, erschließt sich auch nicht auf Anhieb. Aber man soll ja auch selbst Dinge erforschen. Die Chronologie der Berliner Wissenschaftsgeschichte in den „Etappen“ konzentriert sich auf die Natur- und, wie wir es heute nennen, Lebenswissenschaften. Dass in Berlin auch Großes im Bereich der Ingenieurwissenschaften und insbesondere der Geisteswissenschaften geleistet wurde beziehungsweise geleistet wird, spielt eine untergeordnete Rolle. Es wird betont, dass Forschung immer im Zusammenhang mit Politik, Ökonomie und Kultur zu sehen ist. Bei der Betrachtung der NS-Zeit wird auch auf die Euthanasie hingewiesen. Im Bereichstext ist erwähnt, dass Menschen bei den Experimenten „missbraucht“ wurden. Dass annähernd 300 000 Opfer zu beklagen sind, ist nur auf einem kleinen Objekttext in einer Vitrine mit „Kranken- und Forschungsberichten“ zu lesen. Politisch korrekt, aber angesichts der Ungeheuerlichkeit dieser Verbrechen doch wohl unzureichend. Die Darstellung der Wissenswege ist sehr ‚stylish’ und cool designed mit interessanten modernen Methoden. Trotz Hörspielen, Filmausschnitten und Rauminszenierungen bleibt sie aber – mit Ausnahme des gut gelungenen und verständlichen Zuse-Raumes – kopflastig und teilweise schwer verständlich. Gerade hier wäre es, insbesondere im Bereich „Experimentieren“, angemessen gewesen, den Besucher selbst tätig werden zu lassen. Die in Berlin und Potsdam existierenden Science Centers machen vor, wie das gehen kann. Die mangelnde Interaktivität für Besucher erscheint als ein schwerwiegender Mangel der Ausstellung. Bildung, Wissenschaft und Forschung sind zentrale Themen unserer Zeit, Berlin eine Wissenschaftsmetropole mit internationaler Vernetzung. Gut ausgebildete junge Wissenschaftler müssen gewonnen und das Verständnis für die Notwendigkeit, in alle drei Bereiche auch staatlicherseits großzügig zu investieren, muss gestärkt werden, gerade auch bei den wissenschafts- und bildungsfernen Bevölkerungsteilen, die mit ihren Steuern die drei Bereiche mitfinanzieren. Hätten nicht gerade sie die Zielgruppe einer solchen Ausstellung sein müssen und hätte man nicht gerade ihnen das „Abenteuer Wissenschaft“ in leicht verständlicher Weise nahebringen müssen, zumindest in einzelnen Teilbereichen? Diese Ausstellung verstehen nur Menschen, die mindestens ein Gymnasium besuchen oder besucht haben. Die übrigen, so ist zu vermuten, staunen zwar, verstehen aber nur wenig. Die Langen Nächte der Wissenschaft beweisen, dass großes Interesse und Begeisterungspotenzial vorhanden sind. Hier wurden sie nicht ausreichend angesprochen. Schade. |