
| Ausgabe 23 / Januar 2011 | |||
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LeitartikelWissenschaftsjahr Berlin 2011Die Qualität von Wissenschaftskommunikation nimmt sprunghaft zu – in der PR-Branche fast unbemerkt
- Von Susann Morgner - Was war los in Berlin in diesem Jahr? Welche kommunikativen Highlights sind Ihnen aufgefallen? Wenn Sie dafür – sagen wir mal – drei Dinge auflisten dürften und wenn darunter das „Wissenschaftsjahr Berlin“ wäre, dann könnten wir Wissenschaftskommunikatoren wohl aufatmen. Ich vermute allerdings, dass wir bei solch einem Test eher durchfallen würden. Aus meiner Sicht völlig ungerechtfertigt. Nicht nur, dass die wissenschaftlichen Einrichtungen in den vergangenen Jahren mehr denn je den Kontakt zur Öffentlichkeit gesucht haben. Speziell Berlin nutzte das Jahr 2010 und seine zahlreichen wissenschaftlichen Jubiläen (300 Jahre Charité, 300 Jahre Berlin-Bandenburgische Akademie der Wissenschaften, 200 Jahre Humboldt-Universität) zu einer regelrechten Großoffensive der Wissenschaftskommunikation. Einer großen Auftaktveranstaltung mit dem Regierenden Bürgermeister im Januar folgten unzählige öffentlichkeitswirksame Aktionen wie Ausstellungen, Buchvorstellungen, Diskussionsrunden und Vorträge, Führungen, Kindervorlesungen … Den krönenden Abschluss des Jahres bildete schließlich die Ausstellung „WeltWissen – 300 Jahre Wissenschaften in Berlin“ im Martin-Gropius-Bau, in die die DPRG-Landesgruppe Berlin-Brandenburg im Dezember eingeladen hatte. Die meisten dieser zahlreichen Aktionen waren erfolgreich – viele neugierige Besucher kamen mit Wissenschaftlern näher ins Gespräch, lernten die Forschungsvielfalt des Landes besser kennen – hoffentlich auch schätzen. Und obgleich die einzelnen Institutionen und Akteure des Wissenschaftsjahres sicherlich zu Recht eine positive Bilanz ziehen können, genießen Wissenschaftskommunikatoren meist kaum Beachtung. Nicht nur bei Chefs und Auftraggebern, sondern auch unter PR-Kolleginnen und -Kollegen. Liegt es am noch immer angestaubten Image von Wissenschaft (und dem Bild von alten Professoren hinter staubigen Büchern) oder an vergleichsweise mickrigen PR-Budgets? Liegt es daran, dass die meisten Wissenschaftskommunikatoren alles, was auch nur entfernt mit Kommunikation zu tun hat, allein oder mit kleinen Teams inhouse machen müssen? Oder liegt es daran, dass diese spezielle Branche erst in den vergangenen Jahren einen starken Professionalisierungsschub erlebt hat und die Wissenschaftskommunikatoren selbst zu wenig Eigen-PR betreiben? Es ist wohl wie häufig eine Mischung aus allem, ergänzt um eine kleine Brise fehlender Neugier unter den PR-Kollegen. Dabei sind die Themen spannend! Wie kommuniziert man zum Beispiel Unsicherheiten in Vorhersagen in der Klimaforschung oder bei der Bekämpfung der Schweinegrippe, ohne zu bagatellisieren oder zu verängstigen? In Berlin und Brandenburg gibt es hervorragende Wissenschaftskommunikatoren, die mit uns solche und andere Fragen diskutieren können. Wir sollten diese Kollegen stärker in unsere Fachdiskussionen einbeziehen und – wir sollten ihnen mehr Gehör schenken. |