
| Ausgabe 24 / August 2011 | |||
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ThemaBerlin zieht immer- Von Astrid Drabant-Schwalbach - „…anyway, you guys can be very proud living in a city like Berlin. It´s an outstanding and exciting city – and I love it!” Diesem abschließenden Urteil von John wollten wir als leidenschaftliche Wahlberliner keineswegs widersprechen. Vorausgegangen war eine heiße Diskussion mit unseren Freunden aus Kalifornien über Vorzüge und Nachteile verschiedener Metropolen. Berlin war beim Vergleich etwa mit New York, London und Paris selbst aus amerikanischer Sicht gar nicht mal schlecht weggekommen, ein Ergebnis, das uns riesig freute, hört man von Berliner Freunden doch selten etwas Gutes über die eigene Stadt. Da wird gemeckert und gelästert, dass man am liebsten Reißaus nehmen möchte. Demgegenüber hat sich die Meinung von Nicht-Berlinern über unsere Stadt in den vergangenen Jahren deutlich positiv entwickelt. Berlin zieht unsere auswärtigen Freunde und Kollegen inzwischen geradezu magnetisch an. Sie reisen aus Übersee und sämtlichen europäischen Ländern zu Meetings, Kongressen, Konferenzen, Tagungen sowie kulturellen und sportlichen Events an – oder ganz einfach nur, um hier ein privates Wochenende zu verbringen. Früher traf man sich aus derartigen Anlässen viel häufiger im europäischen oder außereuropäischen Ausland. Und nicht nur unsere ausländischen Freunde hat das Berlin-Fieber ergriffen. Bekannte aus unseren Heimatstädten, ehemalige Kommilitonen aus Berlin, die , so wörtlich, nicht das „Glück“ hatten, nach dem Studium hier einen Job zu finden, Kollegen aus Wissenschaft und Praxis – sie alle wollen in die Hauptstadt, und sei es nur zu einem Besuch. Sie schwärmen von der Vielfalt unserer Stadt, kulturell, szenemäßig, architektonisch. Sie schätzen die Offenheit von Berlin, seine Schnelllebigkeit und Toleranz, die Möglichkeit, so leben zu können, wie man möchte – auch wenn es noch so gegensätzlich ist. Berlin, so ihre Ansicht, bietet jedem etwas, ist bunt, stimulierend, unkonventionell – eben das Gegenteil von spießig (obwohl auch Spießer hier ihre Nischen finden). Berlin zieht Jugendliche, junge Familien, das Mittelalter und inzwischen auch Rentner gleichermaßen an, jede Altersgruppe findet hier ihre Highlights. Lediglich die Berliner selbst – zumindest ein Großteil von ihnen, so hat es den Anschein - sieht das anders. Da wird genörgelt, kritisiert, protestiert und geschimpft, dass sich der Besucher am liebsten die Ohren zuhalten möchte. Der Berlin-Tourist ist dieser Einstellung spätestens dann ausgeliefert, wenn er ein Taxi benötigt. Anstatt auf einen freundlichen Fremdenführer trifft er in Person des Fahrers nicht selten auf einen wetternden Eiferer, der sich kolossal über Baustellen, geänderte Streckenführungen, neue Straßennamen, kurz: über sämtliche Veränderungen oder Unbequemlichkeiten aufregt, und wenn nicht darüber, dann zumindest über die Berliner Politik oder die nun auch noch in Berlin ansässige Bundespolitik. Dermaßen auf seine Traumstadt eingestimmt, schlägt der Berlin-Reisende die Zeitung auf oder schaltet die Nachrichten ein, und was muss er erfahren? Dass er, der Berlin-Tourist, in der Hauptstadt eigentlich gar nicht gern willkommen sei, da seinesgleichen die Schuld daran trage, dass es hier zu laut, zu schmutzig und zu voll sei. Na, wenn da das provinzielle West-Berlin nicht wieder Auferstehung feiert… Generell vermittelt ein Großteil der Berliner Einwohner, der Berliner Medien und nicht zuletzt der Berliner Politiker den externen Berlin-Fans, pauschal gegen Veränderungen und damit verbundene Belastungen zu sein. Dabei, und das ist ja gerade die faszinierende Dialektik dieser Stadt, ist es in erster Linie der Mut zu Veränderungen, der Berlin für Fremde so anziehend macht. „Bist Du mal ein paar Wochen nicht hier gewesen“, meinte kürzlich ein Nicht-Berliner, „erkennst Du Teile der Stadt nicht wieder.“ Das Schöne an Berlin, da sind sich die Berliner, die gern hier leben, und die Touristen einig, ist doch gerade das Unvorhersehbare, Sich-immer-wieder-neu-Erfinden, das Spannende und Spontane dieser Stadt und ihrer Entwicklung. Wie parodierte doch jüngst Harald Martenstein im Tagesspiegel die Möglichkeit, durch die Einführung einer Sperrstunde den Touristenstrom eindämmen zu können? Dann müssten die Berliner eben zum Feiern nach Hannover fahren. Tja, und wir, um unsere auswärtigen Freunde zu treffen, halt wieder reisen… |