PR REPORT 1/2001
Matthias Koch
Schwierige Beziehung: Journalismus und PR
Es fängt damit an, dass ich meine Profession als PR-Fachmensch in
einer
Agentur gelernt habe, die sich immer damit rühmte, von veritablen
Journalisten gegründet, geleitet und geprägt zu sein. Insofern habe
ich
sozusagen mit der Muttermilch den Grundkonflikt der beiden in
herzlicher
Hassliebe verwandten Branchen kennenlernen dürfen, der bisweilen
skurrile Blüten treibt.
So gibt es ehemalige Journalisten, die schon seit Jahren gutes Geld
mit
und in der Auftragskommunikation verdienen, die von sich behaupten,
sie
seien gar keine PR-Fachleute, sondern fühlten sich nach wie vor dem
Journalismus verpflichtet. Ebenso trifft man auf ehemalige
Edelfedern
aus dem Boulevard, die ihr aktuell betriebenes PR-Geschäft als
solches
verleugnen, indem sie es "Beziehungsmanagement" nennen.
Obwohl die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit längst nicht mehr das
Geschäft der "Sektglas-Schwinger" ist, haftet ihr ein zählebig
miserabler Ruf an, der bisweilen durch das (medien-) öffentliche
Auftreten einiger eher untypischer Vertreter der Branche bestätigt
zu
werden scheint. Doch sieht man sich unbefangen um, kann man einen
erstaunlichen Wandel feststellen: Die beiden Branchen haben
mittlerweile einen bemerkenswert hohen Grad an wechselseitiger Durchlässigkeit
erreicht, der so vor Jahren nicht denkbar gewesen wäre. Allein die
Personalrubriken der Medienmagazine zeigen, dass der Wechsel der
Schreibtischseite mehr Normalität erreicht hat, als es die bisweilen
akademische Diskussion über die Grenzen zwischen Journalismus und PR
wahr haben will.
Der PR-Beruf ist auch für Journalisten eine
Herausforderung. Außer der klassischen Medienarbeit steht
Konzeptionell-Kreatives auf der Agenda. Kein langweiliger Job also,
dessen Ausübung - den geschilderten Einstellungen zum Trotz - heute
nur
noch selten zu Identitätsproblemen führt.
Im Lichte dieses Wandels ist es dringend an der Zeit, die Diskussion
über die beiden Branchen unverkrampfter zu führen. Nicht zuletzt
deshalb, weil man sich eben immer mindestens zweimal im Leben trifft.
Matthias Koch, freier PR-Berater und Vorsitzender der DPRG LV Berlin/Brandenburg
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